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Zabergäubahn und Co.: Warum die Reaktivierung so lange dauert

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Stillgelegte Bahnstrecken wieder in Betrieb nehmen: Das ist erklärtes Ziel des Landes. Bei der Zahl aussichtsreicher Projekte liegt Baden-Württemberg bundesweit an der Spitze. In der Region sind die Reaktivierungspläne der Zabergäubahn mit am weitesten gediehen. Bis zum Bau wird es aber noch Jahre dauern.

Ehemaliger Bahnhof in Brackenheim-Meimsheim: Dort, wo einst Züge verkehrten, erinnert heute nur noch wenig an die Geschichte der Zabergäubahn.
Ehemaliger Bahnhof in Brackenheim-Meimsheim: Dort, wo einst Züge verkehrten, erinnert heute nur noch wenig an die Geschichte der Zabergäubahn.  Foto: Veigel

Seit der Bahnreform 1994 wurden in Deutschland fast 4000 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt. Die Kehrtwende ist im Gang, in allen Bundesländern werden Strecken in den Fokus genommen, die ein Comeback erleben können.

Besonders gründlich war Baden-Württemberg. Laut einer Studie der Allianz pro Schiene liegen in keinem Bundesland mehr Machbarkeitsstudien mit positivem Ergebnis vor. Demnach wären 22 Bahnen im Südwesten wirtschaftlich wieder in Betrieb zu nehmen. Zum Vergleich: In Bayern liegen nur vier solche Expertisen vor. "Die Zahl der beauftragten Machbarkeitsstudien in Deutschland wächst praktisch täglich – damit ist das Thema Reaktivierung vor Ort angekommen", sagte der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Martin Henke, vor einigen Wochen bei der Vorstellung der Untersuchung.


Streckenreaktivierung: Vier Kandidaten in der Region

In der Region Heilbronn und in Hohenlohe gibt es vier aussichtsreiche Kandidaten: Zabergäu-, Krebsbachtal, Bottwartal- und Kochertalbahn. Die Hohenlohebahn gibt es bereits, ein Teilstück muss aber noch elektrifiziert werden. Bei der Zabergäubahn zwischen Lauffen und Zaberfeld haben zuletzt die Gemeinderäte aller Anliegergemeinden grundsätzlich grünes Licht gegeben. "Das ist schon ein Signal", freut sich Lutz Mai, erster Landesbeamter im Landkreis Heilbronn. Trotzdem ist es ein weiter Weg, bevor Jahrzehnte nach der Stilllegung wieder Züge durchs Zabergäu rollen. Die Kosten wurden zuletzt auf 120 Millionen Euro geschätzt. Ob das ausreicht, weiß derzeit niemand. Die DB Netz, Tochter der Deutschen Bahn, hat nun die Aufgabe, als Eigentümerin der Trasse die Planung voranzutreiben.

Dazu müssen als nächster Schritt Verträge mit der kommunalen Seite geschlossen werden. "Derzeit laufen erste Gespräche zur Planungsvereinbarung", teilt eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit. Für Details sei es noch zu früh.

Bahn: Kapazitäten reichen aus

Die Sprecherin tritt Befürchtungen entgegen, Großprojekte wie die Sanierung des Korridors zwischen Mannheim und Frankfurt binde alle Kapazitäten der Bahnplaner, so dass für vergleichsweise kleine Projekte keine Zeit bleibt: "Die Planungskapazitäten für das Projekt sind vorhanden und eingeplant." Trotzdem gehen Fachleute davon aus, dass es bis zur Baureife noch viele Jahre dauert. Eine Inbetriebnahme der reaktivierten Zabergäubahn vor 2030 gilt als unwahrscheinlich. Infrastrukturprojekte werden einer Prüfung der Wirtschaftlichkeit unterzogen. Jedem investierten Euro muss mindestens ein Euro volkswirtschaftlicher Nutzen gegenüberstehen. Die Zabergäubahn hatte bei dieser Betrachtung einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,94 erreicht - ein überragender Wert.

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