Leingarten
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Pandemie verfälscht Energiebilanz der Stadt Leingarten

Klimaschutzmanager Benedikt Nagel legt den Bericht für 2021 vor. So will Leingarten bis 2035 klimaneutral werden.

Claudia Kostner
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Lesezeit 2 Min
Pandemie verfälscht Energiebilanz der Stadt Leingarten
Bis 2035 will Leingarten klimaneutral werden. Dazu soll auch die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Rathauses beitragen.  Foto: Stadt Leingarten

"Nur bedingt aussagekräftig" nennt der Leingartener Energie- und Klimaschutzmanager Benedikt Nagel seinen Energiebericht 2021. Wie schon im Vorjahr wurden die 20 städtischen Gebäude unter Pandemiebedingungen betrieben. "Kindergärten, Schulen und Hallen waren geschlossen, Rathausmitarbeiter im Homeoffice." Dennoch: Dank der Bestandsaufnahme wurden bereits Maßnahmen ergriffen, um zu hohe Energieverbräuche zu optimieren.

Der Energiebericht soll Verbräuche, Verbrauchskosten und verbrauchsbedingte Umweltauswirkungen (Emissionen) übersichtlich darstellen und bewerten. Schwachstellen sollen aufgezeigt, auf zukünftige Handlungsschwerpunkte hingewiesen werden. Das Ziel: Bis 2035 möchte die Stadt klimaneutral sein.

1276 Tonnen CO2

2021 hat Leingarten rund 180.500 Euro für die Wärmeversorgung ihrer Gebäude ausgegeben. Beim Strom waren es 215.400 Euro, beim Wasser 101.400 Euro. Insgesamt sind die Kosten im Vergleich zu 2019 und 2020 leicht zurückgegangen, was Nagel auf die Lockdowns zurückführt. "In der Summe wurden im Jahr 2021 Emissionen von 1276 Tonnen CO2 verursacht", hat der Klimaschutzmanager errechnet.

Bei den Verbräuchen sind ihm hauptsächlich die Festhalle und das Eichbottzentrum negativ aufgefallen. "Das sind alte Gebäude", so Nagel. Um diese Bilanz zu verbessern, wurde das Blockheizkraftwerk im Eichbottzentrum bereits während der Osterferien optimiert. Noch in diesem Jahr soll die Innenbeleuchtung der Eichbottschule auf LED umgestellt werden. Ebenso ist geplant, die Lüftungsanlage der Eichbottsporthalle zu modernisieren. Für Anfang 2023 hat die Verwaltung die Umrüstung der Innenbeleuchtung des Familienzentrums Mühle eingetaktet.

Der frühere Kämmerer Eberhard Seiz habe über Jahrzehnte hinweg die Verbräuche der städtischen Gebäude notiert. "Das war die Basisarbeit, der Energiebericht ist die Komfortarbeit", so Bürgermeister Ralf Steinbrenner in der jüngsten Gemeinderatssitzung. "Das ist wichtig, um zu wissen, wo wir künftig Schwerpunkte setzen." Über Jahre und Jahrzehnte hinweg habe die Stadt immer wieder in Energiesparmaßnahmen investiert: "Deshalb hat uns das Ergebnis jetzt nicht überrascht." Trotzdem gebe es noch Gebäude mit strombetriebener Deckenheizung und Gebäude, in denen warmes Wasser mit Strom produziert wird.

Einsparpotenzial durch Nutzerschulungen

"Woran machen wir fest, welche Arbeitsaufträge wir aus dem Energiebericht ableiten?", wollte Stadträtin Gudula Achterberg (Grüne) wissen. "Das, was Herr Schnepf für finanzierbar hält", verwies Steinbrenner auf den Kämmerer. "Und das, wofür wir Fördermittel bekommen können." Auch mit Nutzerschulungen sei es möglich, Energie zu sparen, ergänzte Benedikt Nagel. Wegen Corona habe er diese bisher nicht anbieten können. "Darin sehe auch ich sehr großes Potenzial", bestätigte Brigitte Wolf (Grüne). Bernd Stahl (CDU) kritisierte das Fehlen von Angaben zur Amortisation der Investitionen.

"Energieeinsparung ist und war Dauerthema in der Gemeinde. Es ist der richtige Weg, so weiterzumachen", meinte SPD-Sprecher Wolfgang Kretschmann. Angesichts der aktuellen Situation stellte er die Frage, wie es mit der Gasversorgung der städtischen Gebäude weitergeht. "Bisher kommen alle bestellten Gaslieferungen bei der HNVG an", wusste Ralf Steinbrenner aus einem Gespräch mit der Geschäftsführung des Heilbronner Energieversorgers. Der Bürgermeister warnte davor, durch Umrüstungen "von der Abhängigkeit Gas in die Abhängigkeit Strom reinzurennen".

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