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Pilotprojekt

Leingartener Schüler lernen: Natur ist Vorlage für Technik

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Eichbottschüler erforschen Bionik und Leichtbau in einem Mint-Lernkreislauf-Pilotprojekt der Initiative Junge Forscherinnen und Forscher. Doch zuvor lernten ihre Lehrer in Schulungen der gemeinnützigen Bildungsorganisation lernen.

Der Hund hat ein Bein verloren, nun braucht er eine Prothese, ist das Szenario. Maja und Lina testen, welches Material sich am besten für den künstlichen Ersatz des Körperteils eignen würde: Die beiden Mädchen spannen dafür kleine Latten aus Holz, Stahl, Aluminium, Glasfaser oder Karbon in einen Schraubstock und prüfen: Wie viel Gewicht hält das Material? Wird es heiß?

Die Leingartener Achtklässlerinnen nehmen am Mint-Projekttag der Eichbottschule teil - so wie ihre ganze Jahrgangsstufe. Veranstalter ist die Initiative Junge Forscher (IJF). Sie will Kindern Lust auf Technik, Naturwissenschaft, Digitales und entsprechende Berufsfelder machen. Als Mint-Fächer gelten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Bewerbung als Mint-Lernkreislauf-Schule

"Wir haben uns bei der IJF als Partner und als Mint-Lernkreislauf-Schule beworben", erzählt Sybille Bräuning, die Fachbereichsleiterin Naturwissenschaften an der Gemeinschaftsschule. Es gehe um forschendes Experimentieren, um selbst entdeckendes Lernen. Am ersten Projekttag im März dreht sich alles um Bionik und Leichtbau. Die Kinder könnten da sehen: "Ich kann Vorgaben aus der Natur auf technische Projekte übertragen." Das Projekt würde grundsätzlich in achten Klassen durchgeführt, "weil der Bereich da im Lehrplan verankert ist".

Die Zimmer der drei Parallelklassen haben sich in Werkräume verwandelt. In regelmäßigen Abständen wechseln die Jugendlichen an eine andere Station. An Majas und Linas Nachbartisch etwa experimentieren einige Schüler mit Materialien wie Wolle, Federn, Luftpolsterfolie oder einer Rettungsdecke. Welches dämmt Wärme am besten?

Schüler sind mit Eifer bei der Sache

Die Achtklässler sind konzentriert und mit Eifer bei der Sache. "Wolle und Rettungsdecke haben am besten isoliert im Vergleich zu Baumwolle und Federn", erklärt Lennox. Das Projekt findet er "super". Auch Enyo und Tayfun gefällt es. Letzterer möchte später in eine technische Richtung gehen. Elektroniker oder Mechatroniker sind derzeit seine Berufswünsche.

Bei den Mädchen sieht es anders aus. Lina hat noch keinen Plan, strebt aber "eher nicht so was Technisches" an. Maja lobt: "Man kriegt hier Einblicke in Dinge, die man sonst nicht machen würde." Beruflich tendiert sie dennoch "eher ins Soziale".

Ziel ist erreicht, wenn es Spaß macht

Die Arbeitsanweisungen für die Experimente erteilt Dr. Edith Markert. Die promovierte Diplom-Biologin findet "es wichtig, dass Mint-Berufe in die Schulen gebracht werden". Markert ist als Referentin bei der Initiative Junge Forscher (IJF) angestellt und wird durch Stiftungsgelder finanziert. "Wenn am Ende ein paar Schüler sagen, ,Das hat mir Spaß gemacht", dann haben wir unser Ziel erreicht", sagt sie.

Mit Anleitungen sowie Rat und Tat zur Seite stehen den Achtklässlern aber auch ihre Klassenlehrer. Sie wurden zuvor von der IJF geschult. "Zuerst werden die Lehrer fortgebildet", so Sybille Bräuning.

Leingartener Unternehmen unterstützt das Projekt

Mit dabei am Projekttag ist aber auch David Wolff: "Ich unterstütze ein bisschen", sagt der Mechatroniker-Azubi im dritten Lehrjahr bei Gessmann. Die Leingartener Firma ist Kooperationsunternehmen des Projekts und fördert es daher, auch die Sozialstiftung der Kreissparkasse und die Stadt unterstützen es. Diese Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen und Kommunen macht den Experimentier-Workshop über Mint-Berufe in der Region Heilbronn zu einem Pilotprojekt.

Material für Hunde-Prothese steht fest

Am Mint-Projekttag lernen Mädchen, wie nützlich Technikkenntnisse auch für ein Modedesign-Studium sein können - Stichwort Lotus-Effekt bei Regenmänteln - nehmen Jungen vielleicht zum ersten Mal im Leben ein Bügeleisen in die Hand: Sie versuchen mit Hilfe von Hitze, einen stabilen Faserverbund herzustellen. Und welche Prothese bekommt der Hund? "Wir haben uns für Karbon entschieden." Fast schon professionell erklärt Maja: "Das wird nicht kalt, nicht warm, ist stabil und hält gut."

Und Spaß macht es allen. Zumindest "dass wir was anderes machen als Unterricht", sagt Abesha.


Was hat es mit der Initiative Junge Forscherinnen und Forscher (IJF) auf sich?

Die Initiative Junge Forscherinnen und Forscher (IJF) geht auf Dr. Alfred Forchel und Christoph Petschenka zurück, informiert Barbara Bader. Sie organisiert in Baden-Württemberg Projekttage für die gemeinnützige Bildungsorganisation. Seinen Hauptsitz hat der Verein in Würzburg, wo der gebürtige Stuttgarter Forchel nach seiner Emeritierung als Seniorprofessor an der Fakultät für Physik und Astronomie tätig ist.

Wissensstadt bietet sich an

Der Physiker und der Pädagoge Petschenka "haben sich zum Ziel gesetzt, Mint-Bildung an die Schüler zu bringen", so Bader. Neben der Hauptgeschäftsstelle besitzt die IJF seit 2022 auch einen Standort in Heilbronn. "Das hat sich angeboten, da Heilbronn sich gerade zur Wissensstadt entwickelt."

Das Mint-Projekt, an dem neben der Leingartener noch Gemeinschaftsschulen aus Bad Wimpfen, Ilsfeld, Neckarsulm, Nordheim, Eppingen und Heilbronn-Böckingen teilnehmen, wird hier erstmals in Zusammenarbeit mit Unternehmen und den Kommunen durchgeführt.

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