Güglingen
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Der Güglinger Kulturjuli endet leise

Die noch junge städtische Kulturveranstaltungsreihe startete mit einer guten Resonanz, der letzte Tag mit dem Tag der Kultur zieht jedoch kaum Besucher an. Welches Fazit zieht man beim Kulturamt?

Linda Möllers
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Lesezeit 2 Min
Güglinger Kulturjuli endet leise
Konzept mit Potenzial, aber wenigen Besuchern: der Poetry Slam im Güglinger Freibad am letzten Tag der städtischen Kulturjuli-Reihe. Foto: Studio R&R Kreativagentur  Foto: Alternativer Fotograf

Die letzten Klänge des schmissigen Popsongs aus dem Kultfilm "High School Musical" sind verklungen, und die Tanzgarde der Zabergäu-Funken verlässt die Layher-Bühne im Deutschen Hof. Es ist ihr letzter Auftritt in dieser Formation, bevor die Tänzerinnen der jüngeren Garde nachrücken. Der Tag der Kultur, der Abschlusstag des Güglinger Kulturjulis, sollte noch einmal den Rahmen für einen letzten Auftritt bieten. Bedacht werden die Funken mit herzlichem Beifall. Er kommt lediglich von einem Dutzend Zuschauer, größtenteils Freunde und Verwandte der teilnehmenden Akteure. Auch bei weiteren Programmpunkten am Tag der Kultur wie dem Poetry Slam im Freibad, der Bewirtung im Deutschen Hof, dem Auftritt der Gassafäger oder dem Akustik-Konzert mit Sunset Point am Abend fehlen die Besucher.

Rainer Binder, Präsident der Zabergäu-Narren, verleiht seiner Enttäuschung Ausdruck: "Wir hätten uns mehr Unterstützung von den Güglingern erhofft."

Künstler lassen sich nicht beirren

Beirren lassen sich die Künstler und Musiker von der geringen Resonanz jedoch nicht, im Gegenteil. Mit gewohnt kraftvollen Paukenschlägen, Tubas und Trompeten zeigen sich die Gassafäger der Zabergäunarren auch in dem intimen Kreis spielfreudig, interpretieren Titel von Offspring, Mark Forster und Gala. Melancholisch wird es dann bei Sound of Silence von Simon & Garfunkel. Einige Tage zuvor bildete die Hommage auf das US-amerikanische Duo den Auftakt der städtischen Kulturveranstaltungsreihe.

 

Im Großen und Ganzen verlief der Kulturjuli, der als junges Konzept zu dem Programm in der Herzogskelter auf die Beine gestellt wurde, "okay", so das ehrliche Fazit von Maximilian Bleise vom Güglinger Kulturamt. Bleise freut sich über den guten Start, die positiven Besucherrückmeldungen zum Ambiente, die gute Stimmung, auch beim Abend mit dem Magierduo Siegfried und Joy. Geschätzt hätten die Leute auch, dass so viel unterschiedliches Programm geboten war. "Es kam ganz gut an, dass für jeden etwas dabei war", sagt Bleise.

Dem gegenüber steht allerdings, dass das Gemeinschaftskonzert der Chöre wegen Krankheit ausfallen musste, und auch die audiovisuelle Komposition "Nanook of the North" mit dem anschließenden Stummfilmabend konnte nicht stattfinden.

Neuartiges Konzept: Poetry Slam im Freibad

Enttäuschung auch ob der geringen Resonanz auf den Poetry Slam im Güglinger Freibad - im Grunde doch ein neuartiges Konzept mit Potenzial. Bei den Güglinger Badegästen sorgt die Bühne für einen Wettbewerb der Schreib- und Dichtkunst noch für Irritation. Erst im späteren Verlauf lockt der Wortwettstreit ein Pärchen auf die Freibadwiese.

Nicht genug, um den Gewinner des Poetry Slam mittels lautem Applaus zu küren, wie Moderator Johannes Elster ernüchtert feststellt - dennoch machen er und die fünf Wortakrobaten das Beste aus der Situation. Elster bindet vorbeilaufende Badegäste in seine Moderationen ein, unterhält mit kuriosen Fakten zu Tieren. Die Wahl des besten Slammers wäre ohnehin schwierig. gewesen. Schließlich stehen mit Marvin Suckut, Lena Stokoff, Laura Gommel, Hank M. Flemming und Andreas Rebholz mehrheitlich Teilnehmer der baden-württembergischen Poetry-Slam-Landesmeisterschaften auf der Bühne im Güglinger Freibad. Dementsprechend lauschen auch einzelne Gäste in den Schwimmbecken den hochkarätigen Texten, die mal nachdenklich-poetisch Töne zu den Themen Klimaschutz und Fremdgehen anschlagen, dann wieder unterhaltsam werden mit lokalen Nachrichten und einem E-Bike-Kauf.

Gerade solche ungewöhnlichen Konzepte wie der Freibad-Poetry-Slam brauchen Zeit, um sich in Güglingen zu etablieren, meint Maximilian Bleise. "Ich bin zuversichtlich, dass, wenn wir damit weitermachen, es auf jeden Fall eine nette Sache für den Sommer wird."

 


Ausblick

Stadtfeste in Lauffen und Bönnigheim, Abkühlung an einem heißen Wochenende in den Badeseen oder das Festival Haigern live: Wegen zahlreicher Parallelveranstaltungen in der Region hat es für den Kulturjuli, insbesondere den Tag der Kultur, viel Konkurrenz gegeben, sagt Maximilian Bleise. Überlegt werde, den Zeitraum der nächsten Ausgabe des Kulturjuli im Bezug auf die anderen regionalen Events anzupassen und eventuell kompakter zu gestalten, so Bleise. Auf jeden Fall werde beim Konzept nachjustiert. Die finale Auswertung der Gesamtbesucherzahlen steht noch aus.

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