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Für die Sinne, Leib und Teller: Zu Besuch in einem naturbelassenen Garten

Zu Besuch im Garten von Gertraud Keller, der Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Hausen.

Linda Möllers
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Lesezeit 2 Min
Für die Sinne, Leib und Teller
Aus dem einst verwilderten Grundstück rund um ihr Haus hat das Ehepaar Keller ein naturbelassenes Paradies für Pflanzen und Tiere geschaffen.  Foto: Lina Bihr

Es ist kühl unter der Linde, die neben dem von Rosen bewachsenen, charmanten Fachwerkhaus in der Hausener Ortsmitte steht. Sonne und Blätter werfen ein bewegtes Schattenspiel auf Gertraud Kellers Gesicht. Sie deutet nach oben, wo es zwischen den Lindenblüten summt und brummt. "Hier findet ein ganzes Bienenvolk Futter", sagt Keller, und die Freude und die Faszination sind ihr förmlich anzusehen. Bienen- und Insektenfreundlichkeit sind ein großes Anliegen der leidenschaftlichen Gärtnerin. "Mich interessieren Pflanzen und das Klima", fasst es die Hausenerin, Jahrgang 1958, zusammen. Die Arbeit in ihrem Garten erde sie, "ich brauche die Erde zwischen meinen Fingern".

Paradies für Pflanzen und Tiere

Dass der Garten der Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Hausen etwas Besonderes ist, ein Paradies für Pflanzen und Tiere, überrascht wenig. Eine blühende, farbenprächtige Vielfalt auf mehreren Gartenstücken - angrenzend an das Fachwerkhaus der Kellers sind das ein großer Hauptgarten, unterhalb davon eine wilde Blühfläche in der Nähe zur Straße, eine lauschige Oase im ehemaligen Hühnerbereich. Im Scherz sagt Getraud Kellers Mann Günter gern, seine Frau habe mehrere Gärten, um die sie sich kümmert.

Die Gärten decken sämtliche botanische Bereiche ab: den Nutzgarten mit Obst, Gemüse und Kräutern. Pflanzen mit heilender Wirkung wie Johanneskraut und Beinwell. Zierpflanzen fürs Auge. Und insektenfreundliche Pflanzen, eine Blühwiese und Totholz, in dem sich Blindschleichen oder Igel wohlfühlen. Gedüngt wird ökologisch mit Pflanzenjauche. Und gegen Läuse geht Gertraud Keller schonend mit einer Brühe aus Rainfarn vor.

 

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Verwildertes Grundstück

Viel Arbeit steckt im Hauptgarten, den das Ehepaar vor einigen Jahren als stark verwildertes Grundstück am Hang erwarb. "Es war eine regelrechte Dornenwüste", erzählt Gertraud Keller. Zu sehen ist davon heute nichts mehr, stattdessen sind ein vielfältiger, naturbelassener Garten, dazu ein lauschiger, schattiger Bereich unter Pflanzenranken nahe eines Hühnerzauns entstanden.

Ins Auge fällt sogleich das selbst gebaute Hochbeet, in dem Salat, Zwiebeln und Kohlrabi wachsen. Die Grundstruktur des Gartens hat Günter Keller unter anderem aus Steinen angelegt, die aus der landwirtschaftlichen Scheune beim Haus stammen. Auf den Steinen sonnen sich Mauer- und Zauneidechsen, aus den Ritzen brechen Salbei und Thymian hervor. Wenn eine Pflanze ihren Platz wählt, darf sie in Gertraud Kellers Garten auch dort bleiben, so wie die wuchtigen Eselsdisteln.

Für die Sinne, Leib und Teller
Für Gertraud Keller, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Hausen, und ihren Mann Günter ist der Garten auch ein Rückzugsort.  Foto: Lina Bihr

Der Kellersche Garten steckt voller Leben. Eine große Holzbiene umschwirrt den Muskatellersalbei. Für Gertraud Keller hat die Pflanze eine besondere Bedeutung, sie verbindet sie mit ihrem Pflanzenfreund Martin Schmoll. Von 1974 bis 2014 war er der OGV-Vorsitzende, lenkte den Verein mit Witz und Humor, er habe "über Pflanzen Herrliches" auszudrücken vermocht, erzählt Keller. Schmoll habe die Liebe zum Garten bei ihr noch verstärkt.

Bei der Gartenarbeit geht Gertraud Keller intuitiv vor, pflanzt, was ihr begegnet und probiert aus, was wo wächst. Generell rät die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, statt der schwäbischen Sauberkeit zu mehr Laissez-faire, "einfach mal wachsen zu lassen". Und: "Es bringt wenig, teure Pflanzen zu kaufen und sie an den falschen Platz zu setzen, wo sie eingehen könnten." Wer keinen Garten hat, kann mit insekten- und bienenfreundlichen Pflanzen eine Futterquelle bereitstellen. "Jedes Grün bringt eine Klimaverbesserung."


Der Verein

Der Obst- und Gartenbauverein Hausen besteht seit 1962 und zählt derzeit rund 120 Mitglieder. Zweck des Vereins ist es, anderen sowohl die Obst- und Gartenkultur als auch die Natur, nicht nur zu Erwerbszwecken, nahezubringen. Mit seiner aktiven Jugendarbeit werden Kinder und Jugendliche auf einem Jugendgruppengrundstück spielerisch an den Gartenbau herangeführt. Jährlich werden Schnittkurse, auch speziell für Frauen, angeboten. Der OGV betreut außerdem den Römergarten bei der Jupitersäule.

 
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