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Pfaffenhofen

Firmenchef kämpft um Flüchtlinge

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Die Silotec GmbH in Pfaffenhofen findet auf dem Markt keine Arbeitskräfte. Doch die geeigneten Asylbewerber, die sie beschäftigt, sind von Abschiebung bedroht.

Von Thomas Dorn
Dietrich Matten (2.v.r.) braucht seine Mitarbeiter Qader Amadi, Demba Sabally und Nasser Azizi (von links) dringend. Doch die Abschiebung droht.
Foto: Thomas Dorn
Dietrich Matten (2.v.r.) braucht seine Mitarbeiter Qader Amadi, Demba Sabally und Nasser Azizi (von links) dringend. Doch die Abschiebung droht. Foto: Thomas Dorn  Foto: Dorn, Thomas

"Ich stehe mit dem Rücken zur Wand", sagt Dietrich Matten. Der Chef der Pfaffenhofener Firma Silotec ist frustriert und verärgert. "Wir haben innovative Produkte, könnten mehr Aufträge annehmen, aber dann bräuchte ich geeignete Leute. Und die kriege ich auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht."

Umso mehr kämpft Matten dafür, dass drei seiner Mitarbeiter, Asylbewerber aus Afghanistan und Gambia, bleiben und arbeiten dürfen.

Die Silotec GmbH fertigt Silos aus Textil samt Stahlkonstruktion. Sie werden für Pellets und rieselfähige Schüttgüter gebraucht, kommen in Industrie, Landwirtschaft oder auch Bäckereien zum Einsatz. Die schwersten tragen Gewichte von 60 Tonnen. Knapp 20 Mitarbeiter beschäftigt Matten in dem Betrieb, den er 2009 aus der Insolvenz heraus gekauft hat. Zuvor war der Diplom-Ingenieur als Geschäftsführer in der Bauwirtschaft tätig und als ehrenamtlicher Vorstand des Selbsthilfevereins Myself, dessen Mitglieder sich bei Jobsuche und Existenzgründung unterstützen.

Intensives Bemühen um Asylsuchende

Soziales Engagement ist Matten wichtig. Mit ein Grund, weshalb er 2011 begonnen hat, Asylbewerber zu beschäftigen. Mitunter verbunden mit einem "Rundum-Service", wie er sagt. So hat er, als er noch in Asperg wohnte, "einige Jahre lang" jeden Morgen zwei Asylsuchende in Ludwigsburg abgeholt, nach Pfaffenhofen mitgenommen und abends wieder nach Hause gebracht.

Manchen Flüchtlingen hat er eine Wohnung besorgt und für sie gebürgt, anderen Sprachkurse finanziert. "Manchmal sag' ich, das sind meine Kinder", sagt Matten, der schon Vater von fünf Kindern ist.

Aktuell beschäftigt er mit Nasser Azizi (29) und Qader Amadi (23) zwei Männer aus Afghanistan in seinem Betrieb. Beide sind schon mehrere Jahre dabei, sprechen recht gut Deutsch, haben Spaß an ihrer Arbeit. Vor allem aber stellen sie sich sehr geschickt an. Sie seien sehr fleißig, lobt ihr Chef. "Ich bin absolut zufrieden. Und ich brauche sie", sagt Matten, der nach eigenen Angaben "rund 50 Prozent über dem Mindestlohn" bezahlt.

Doch sie sind nur geduldet, real von Abschiebung bedroht - ungeachtet der nach wie vor gefährlichen Lage in Afghanistan und der Bedrohung durch die Taliban. "Junge Männer können sich auch in Kabul ernähren", hat ein Behördenvertreter zu Matten gesagt.

Schwere Lasten zu tragen

Dabei ist es mehr als Menschenfreundlichkeit, weshalb er die beiden halten möchte. Es ist die pure Not. Nasser und Qader arbeiten als Näher, in der Fertigung der Textilsilos. Natürlich kommen da Maschinen zum Einsatz, auch modernste Lasertechnik. Trotzdem müssen die Mitarbeiter kurzzeitig immer wieder mit schweren Lasten, Flächengewichten bis zu 1200 Gramm je Quadratmeter, arbeiten.

Deshalb braucht Matten in diesem Bereich Männer als Näher. Aber: Den Beruf des Industrienähers gibt es nicht mehr, er wurde durch den technischen Konfektionär ersetzt. Und die einzige Ausbildungsstätte in Köln hat nicht ausreichend Absolventen. Der Markt ist leergefegt. "Seit fünf Jahren liegt meine Stellenanzeige beim Arbeitsamt", sagt Matten. Die wenigen Leute, die ihm geschickt wurden, seien durch die Bank nicht geeignet oder nicht arbeitswillig gewesen. "Ich kann mich nicht weiterentwickeln, weil ich keine Leute kriege."

Nasser Azizi und Qader Amadi können die Arbeit, auch Demba Sabally, ein junger Mann aus Gambia, ist geeignet. Er bekommt vom Regierungspräsidium Karlsruhe aber keine Arbeitserlaubnis, weil Ausweispapiere fehlen. "Ihm wird mangelnde Mitwirkungsbereitschaft unterstellt", sagt Matten. Aber er werde keinen Pass bekommen, das sei im Konsulat deutlich geworden. Demba sei zwar in Gambia geboren, habe aber kaum dort gelebt und sei seit etlichen Jahren unterwegs. "Da fehlt die Registrierung."

Bemühungen sind bislang erfolglos

Von den meisten Behörden ist Matten enttäuscht. Er weiß, dass sie sich auf Vorschriften berufen können, moniert aber, dass Kann-Bestimmungen gegen Asylsuchende angewendet, Menschen "mürbe gemacht", Einzelfälle nicht gesehen würden. Er hat mit der Landesregierung, dem Bundeswirtschaftsministerium und Abgeordneten korrespondiert, steht mit anderen Firmenchefs in Kontakt, die ähnliche Probleme haben. Bislang waren seine Bemühungen aber erfolglos.

Dass "Leute, die zum Teil seit fünf Jahren Steuern und Sozialabgaben zahlen, gehen sollen, während ich niemanden finde", will Matten nicht in den Kopf. "Manchmal frag' ich mich, ob ich mir das noch länger antun will."


Anerkennung für soziales Engagement

Im vergangenen Jahr hat die Allg. Silotec GmbH in Pfaffenhofen beim Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg eine Urkunde als sozial engagiertes Unternehmen bekommen - weil sich die Firma um die Integration von Flüchtlingen und auch um die einzelnen Menschen bemüht. "Wir wollen, dass diese Leute in der Fremde nicht untergehen", begründet Firmenchef Dietrich Matten das Engagement. Der Preis wird von Caritas, Diakonie und Wirtschaftsministerium vergeben.

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