Kirchheim
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Dokumentationsausstellung zur Seenotrettung in Kirchheim: Fotos, die unter die Haut gehen

Auf Initiative der "Seebrücke" Kirchheim und Lauffen ist noch bis Sonntag die Exposition ""Grenzenlose Menschlichkeit - Man lässt keinen Menschen ertrinken. Punkt." der Albert-Schweitzer-Stiftung und des Bündnisses United4Rescue in der Alten Kelter zu sehen.

Linda Möllers
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Dokumentationsausstellung zur Seenotrettung in Kirchheim: Fotos, die unter die Haut gehen
Über die Dokumentationsausstellung zur Seenotrettung diskutieren (von links): Olga Gouma, Monika Weichert und Götz Schwarzkopf. Foto: Linda Möllers  Foto: Möllers, Linda

E s sind Fotos, die bis ins Mark erschüttern. Sie zeigen flüchtige Menschen in Schlauchbooten auf hoher See, denen die Angst ins Gesicht geschrieben steht. Dazu eingängige Kommentare, die es in sich haben: Massengrab Mittelmeer. Oder: Das Mittelmeer ist die tödlichste Grenze der Welt.

Die Ausstellung "Grenzenlose Menschlichkeit - Man lässt keinen Menschen ertrinken. Punkt." der Albert-Schweitzer-Stiftung und des Bündnisses United4Rescue, die auf Initiative der "Seebrücke" Kirchheim in der Alten Kelter zu sehen ist, zeigt schockierende Fotos der Seenotrettung. Sie bietet aber auch viel Informatives. Zahlen, Fakten und persönliche Geschichten werden dazugestellt, dazu kommen die Forderungen der Initiative "Seebrücke", etwa sichere Fluchtwege zu ermöglichen.

Erläutert wird auch, was die Landeskirche für die Rechte von Geflüchteten in Europa tut. QR-Codes leiten weiter zu Infotexten, wie die Hilfe organisiert ist und was vor Ort getan werden kann. Und doch hinterlassen die Fotos ein Gefühl der Hilflosigkeit.

Diese Ohnmacht kennt Olga Gouma gut. 2015 erlebte sie die große Flüchtlingswelle aus nächster Nähe, als sie mit ihrem Mann auf dessen griechischer Heimatinsel Lesbos unterwegs war. "Wir sahen die Gummiboote am Strand und die Schwimmwesten", erzählt sie. Außerdem Menschenmassen, die auf der Insel gestrandet waren und zum Hafen in der Hauptstadt Mytilini pilgerten, um von dort nach Athen und Deutschland überzuschiffen. "Das alles erschüttert einen", sagt Gouma. "Man ist hin- und hergerissen, ob und inwiefern man helfen kann und soll", sagt Gouma, die nach diesen Erfahrungen zur Kirchheimer Gruppe von "Seebrücke" dazustieß.

Für Monika Weichert war der Vorfall im Juni 2019 ausschlaggebend, als die Sea-Watch 3 mit Kapitänin Carola Rackete und mehreren geretteten Migranten nicht in den Hafen von Lampedusa einlaufen durfte. "Ihnen wurde alles in den Weg geworfen, damit sie nicht anlegen konnten", sagt Weichert. "Das kann ich einfach nicht verstehen." Nach einer Filmvorstellung, bei der ein Kapitän von der Seenotrettung erzählte, habe sie sich dem Aktionsbündnis "Seebrücke" in Kirchheim angeschlossen. "Mir wurde bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ertrinkende Menschen gerettet werden. Dabei sollte das so sein", sagt Monika Weichert. Sie und Olga Gouma wollten nicht tatenlos bleiben.

Mit Solidaritätsaktionen, Demonstrationen und vielem mehr setzt sich die Kirchheimer "Seebrücke"-Gruppe für Menschen auf der Flucht und für ihre Integration ein, sie sammelt Spenden und sensibilisiert für das Thema Seenotrettung. "Wie soll man sich das sonst vorstellen, wenn Menschen im Meer ertrinken?", sagt der Sprecher der Kirchheimer Gruppe Götz Schwarzkopf. Auch die aktuelle Dokumentationsausstellung in der Alten Kelter reiht sich in die Sensibilisierungsarbeit der Kirchheimer Ortsgruppe ein. Eines ihrer Projekte mit höchster Priorität ist, dass die Gemeinde Kirchheim zu einem "Sicheren Hafen" für Geflüchtete erklärt wird, sagt Götz Schwarzkopf. Dazu gebe es seitens der Kirchheimer Verwaltung bereits positive Signale. "Vorab wollen wir aber gern die Bevölkerung darüber informieren und weisen deshalb immer wieder mit Aktionen darauf hin."

Indem sich eine Gemeinde mit einem Gemeinderatsbeschluss zu einem "Sicheren Hafen" erklärt, formuliert sie auch ihre Bereitschaft, die Initiative "Seebrücke" zu unterstützen und aus der Seenot geretteten Menschen zu helfen.


Podiumsabend

Die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungsreihe "Seenotrettung, Sicherer Hafen, Flüchtlingsarbeit" des Aktionsbündnisses "Seebrücke" Kirchheim/Lauffen . Sie kann noch bis Sonntag täglich von 18 bis 20 Uhr in der Alten Kelter, Herrengasse 10, besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Im Juli 2021 wurde die Ausstellung erstmals in Offenburg gezeigt, damals unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble. Die Ausstellung begleitet den Podiumsabend "Sicherer Hafen" am Freitag, 19 Uhr, in der Alten Kelter.

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