Bönnigheim
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Das Mehrweggeschirr gehört im Bönnigheimer "Ratsstüble" längst dazu

Noch sind Kristina Bürger und Michael Daibenzeiher die einzigen Gastronomen, die die Behältnisse anbieten. Die Stadt bietet nach wie vor Fördermöglichkeiten an.

Linda Möllers
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Lesezeit 2 Min
Das Mehrweggeschirr gehört im Bönnigheimer "Ratsstüble" längst dazu
Für Kristina Bürger und Michael Daibenzeiher vom "Ratsstüble" und ihre Gäste gehört das Mehrweggeschirr mittlerweile einfach dazu. Foto: Linda Möllers  Foto: Möllers, Linda

Ein Becher, gestapelt auf einer kleinen Schale und zwei großen Schalen: Gestapelt zu einer kleinen Pyramide türmt sich ein Set Mehrweggeschirr vor Kristina Bürger und Michael Daibenzeiher. Seit einem guten Jahr bieten die Inhaber vom "Ratsstüble" in Bönnigheim die wiederverwendbaren Behältnisse für Speisen und Getränke zum Mitnehmen an - bislang als einziger Gastronomiebetrieb in der Stadt.

Das System lebt von vielen Teilnehmern

Das Geschirr kann nach einem Pfandsystem in einem der teilnehmenden Lokal gekauft und befüllt und in einem anderen teilnehmenden gespült, abgegeben oder neu befüllt werden - und das Hunderte Male. Dabei lebt das Mehrwegssystem davon, dass viele Gastronomen teilnehmen. "Je mehr Betriebe mitmachen, desto größter ist die Serviceleistung", sagt Birgit Papendorf, Umweltbeauftragte bei der Stadt Bönnigheim. Dort hat man das Mehrwegsystem des Cleebronner Start-ups "Local to go" im April 2021 im Gemeinderat vorgestellt und beschlossen, teilnehmenden Gastrobetrieben einen Zuschuss von 250 Euro im Jahr zu gewähren, wenn sie einen einjährigen Vertrag mit "Local to go" abschließen. So kamen Kristina Bürger und Michael Daibenzeiher auf die Idee.

Dem Ehepaar liegt der Umweltschutz ohnehin am Herzen, mit der Corona-Pandemie wurde das Thema Verpackung dann zu einer Herausforderung. Durch die Gastronomieschließungen stieg auch das Ratsstüble auf den Außer-Haus-Betrieb um. Dadurch häuften sich die Plastikverpackungen immer mehr. "Ich habe schon immer nach Alternativen zur Einwegverpackung gesucht, viele davon sind aber schwer zu bekommen", sagt Kristina Bürger. Bis die Stadt sie auf das Probeangebot von "Local to go" aufmerksam machte. Bürger und Daibenzeiher starteten zu Beginn mit 50 Sets - das Mehrweggeschirr wurde dann so gut angenommen, dass sie aufstockten. "Inzwischen müssten rund 500 im Umlauf sein", schätzt Michael Daibenzeiher. Nach wie vor sind er und seine Frau mit dem Prinzip sehr zufrieden. "Es ist kostengünstiger, das Material weicht bei Flüssigkeiten nicht durch und ist beständiger, und das Essen bleibt länger warm", zählt Daibenzeher die Vorteile auf. Nicht zu vergessen: Mehrweg ist ökonomischer. "Im Gegensatz dazu sind Einwegverpackungen verlorenes Geld", sagt der 36-Jährige.

Von den Ratsstüble-Gästen werde das wiederverwendbare Geschirr sehr gut angenommen, sagt Kristina Bürger. "Viele von ihnen können gar nicht mehr ohne", sagt die Restaurantfachfrau. Dazu gehören Gäste jeden Alters, von den umweltbewussten jungen Menschen bis zu den Senioren.

Mehrweggeschirr funktioniert nicht überall

Darunter sind viele Stammkunden, wie etwa Peter Ingelbach. "Die Box ist tipptopp", sagt er lachend. Mit dem Start des Mehrwegsystems im "Ratsstüble" war er einer der ersten, der das wiederverwendbare Geschirr nutzte. "Zum Essen ist es wesentlich angenehmer als Styropor", sagt er, "es mutet anders an und lässt sich gut ausspülen." Der Umweltaspekt sei natürlich "ganz wichtig", sagt Ingelbach. "Wir merken zu Hause, dass wir dadurch Müll reduzieren. Unsere grüne Tonne ist weniger voll", sagt Ingelbach. Weil das "Ratsstüble" bewusst auf den Außer-Haus-Verkauf setzt, bietet sich das Mehrwegsystem dort besonders an. Das muss nicht auf alle Gastronomiebetriebe zutreffen. Dennoch wünscht sich auch Birgit Papendorf, dass mehr Bönnigheimer Betriebe einsteigen. "Das Zuschussangebot seitens der Stadt besteht weiter", sagt sie.

Für das "Ratsstüble" nehmen sich Kristina Bürger und Michael Daibenzeiher vor, das Mehrweggeschirr dauerhaft anzubieten. Nicht nur, weil ab 2023 auch die Einwegplastikverordnung greift. Dann sind Gastronomiebetriebe verpflichtet, neben Einwegverpackungen auch eine Mehrweglösung anzubieten.

"Local to go"

Stand Dezember 2021 sind laut "Local to go" neun Betriebe im Zabergäu und im Leintal Partner des Mehrwegsystems - zwei gibt es in Lauffen, einen in Güglingen, einen in Bönnigheim und fünf in Brackenheim. Die Heuss-Stadt hat als erste das Mehrwegsystem bei sich eingeführt. "Unsere teilnehmenden Betriebe geben gutes Feedback, was uns natürlich sehr freut", sagt der städtische Klimamanager Jonathan Wein. Ziel sei es, künftig weitere Betriebe für das System zu begeistern. "Wir erhoffen uns weiteren Zulauf für unser Projekt ,Brackenheim to go", sagt Jonathan Wein.

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