Brackenheim
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Brackenheimer Naturkindergarten startet im Sommer 2023

Weder Wasser- noch Stromanschluss: Die Stadt Brackenheim bestellt einen autarken Bauwagen für 109.000 Euro und eine Jurte für ein neues Betreuungsangebot.

Claudia Kostner
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Lesezeit 2 Min
Brackenheimer Naturkindergarten startet im Sommer 2023
Zusätzlich zum Stockheimer Wald- bekommt Brackenheim jetzt einen Naturkindergarten mit Bauwagen und Jurte.  Foto: Firma Wagenbau Junginger, Nattheim

Im Kindergartenjahr 2023/2024 soll der neue Naturkindergarten in Brackenheim eröffnet werden. Aber bevor die Mädchen und Jungen ihn mit Leben füllen können, brauchen sie einen Bauwagen - sei es für besonders kalte und regnerische Tage oder auch mal als Rückzugsort. Stadtverwaltung und Gemeinderat haben jetzt beschlossen, dass das Modell der Firma Junginger (Nattheim) für 109 000 Euro genau das richtige ist. Insgesamt sind für das Projekt im aktuellen Haushalt 200 000 Euro eingeplant.

"Die Vielfalt der Angebote in der Kinderbetreuung ist uns wichtig", bekräftigte Bürgermeister Thomas Csaszar in der jüngsten Gemeinderatssitzung noch einmal den Beschluss vom November 2021, einen Naturkindergarten einzurichten. Das 63 Ar große Grundstück Richtung Stetten, unterhalb des Zweifelbergs, bietet dafür ideale Voraussetzungen: "Es gibt dort eine natürliche Feldhecke, die den Naturkindergarten von umliegenden Feldern und Rebflächen abgrenzt, und einige ältere Obstbäume", so Thomas Csaszar. Außerdem sei die Fläche eben, die Belastung der landwirtschaftlichen Wege durch an- und abfahrende Autos kurz, und es gebe Parkmöglichkeiten.

Komplettangebot aus einer Hand

Der Markt für Unterkünfte sei vielfältig, erläuterte der Leiter des Teams Bildung und Betreuung, Volker Armbruster. "Ziel der Verwaltung war ein Komplettangebot aus einer Hand", so Armbruster. Da das Grundstück im Gewann Langhart weder über Strom- noch Wasseranschluss verfügt, sei nach einer autarken Lösung gesucht worden. Zum Schluss waren zwei Unternehmen in der engeren Wahl: Junginger und Nawalo (Schleswig-Holstein). Den um rund 40 000 Euro günstigeren Preis bietet die Firma Junginger. Weitere 5000 Euro für eine zweite Außentoilette sowie etwa 18 500 Euro für eine Jurte waren bei beiden Angeboten noch nicht einkalkuliert und kommen noch obendrauf.

Neben dem Preisunterschied hat Volker Armbruster bei der Besichtigung deutliche Vorteile beim Wagen von Junginger festgestellt: im Wand- und Fußbodenaufbau ebenso wie bei der Dämmung und Hinterlüftung der Außenwände. Außerdem wären bei Nawalo weitere Kosten für das Aufstellen sowie für den Aufbau der Terrasse entstanden.

Im Vorfeld der Sitzung hatte Stadträtin Gabriele Winkler (Grüne) als Alternative zum Bauwagen ein feststehendes Gebäude ins Gespräch gebracht. "Die Träger haben alle gesagt, das käme teurer", erklärte Armbruster im Ratsrund. "Weil es nichts von der Stange gibt, da bräuchten wir einen Architekten." Hinzu kämen Kosten wie die Gründung eines Fundaments. Und die Voraussetzungen seien andere. In Nordheim-Nordhausen beispielsweise gebe es Wasser- und Stromanschluss, in einer befragten Kommune im Schwarzwald seien die Witterungsbedingungen ganz anders.

Heizen mit Schwedenofen

Auch eine Pelletsheizung, wie von Gabriele Winkler vorgeschlagen, sei nicht geeignet für den Brackenheimer Naturkindergarten. "Für Pellets bräuchten wir zusätzliche Lagermöglichkeiten. Holz kann auch unter dem Wagen gestapelt werden", so Armbruster. Der angedachte Schwedenofen speichere zudem die Wärme über viele Stunden.

Marcus Sigloch machte sich eher Sorgen um die Hitze im Sommer. "Ist eine Klimatisierung möglich?", fragte der FWB-Stadtrat. "Es gibt ja weder Strom noch Wasser", erinnerte Volker Armbruster. Aber die Jurte werde möglicherweise kühlere Temperaturen bieten. Zudem müsse jeder Natur- oder Waldkindergarten ein Zufluchtsdomizil haben, etwa eine Gemeindehalle. "Die Eltern, die ihre Kinder da anmelden, gehen aber davon aus, dass sie das ganze Jahr über draußen sind."

Kindergarten-Träger stellen sich im Herbst vor

Wer den Naturkindergarten als Träger übernehmen wird, ist noch nicht entschieden. Alle bereits in Brackenheim aktiven "Drittträger" - also nicht städtische oder kirchliche - hätten bereits abgesagt, so die Verwaltung. Als Gründe nannten sie die angespannte Arbeitsmarktsituation im Erzieherbereich sowie das "verbleibende finanzielle Restrisiko". Interesse bekundet haben dagegen die örtlichen Apis sowie die belijha Bönnigheim, die bisher vor allem in der Schulkindbetreuung tätig ist. Allerdings möchten beide, dass sich die Stadt an den Wenigereinnahmen bei nicht belegten Kindergartenplätzen finanziell beteiligt. "Im September oder Oktober sollen sich die Träger vorstellen", informierte Bürgermeister Thomas Csaszar. 

 

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