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Junge Störche in Tripsdrill werden beringt

Der Storchennachwuchs ist in Tripsdrill in Cleebronn angekommen. Ihre Kennzeichnung ist ein Abenteuer auf der Hebebühne.

Von Helga El-Kothany
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Lesezeit  2 Min
Wer groß genug ist, wird beringt
Gleich wird Judith Opitz die Storchenküken mit noch grauen Schnäbeln nacheinander aus dem Nest holen, beringen und wiegen.  Foto: El-Kothany, Helga

Ein gepolsterter Storchenschieber, Abfallgreifer, Kofferwaage, eine zur "Waagschale" umgearbeitete Ikea-Einkaufstasche, ein großes Tuch, Klettergurt, Karabiner mit Dreifach-Sicherung, eine Tüte Ringe, Plastiktüten, ein Notizheft: Die junge Biologin und selbstständige artenschutzrechtliche Gutachterin Judith Opitz ist im vergangenen Jahr in eine neue Aufgabe "hineingerutscht", wie sie lachend erzählt. In eine abenteuerliche. Sie ist die neue Storchenbeauftragte der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit Sitz in Karlsruhe. Am vergangenen Freitag ist sie für die Vogelwarte Radolfzell zum Storchenberingen in Tripsdrill.

Ein totes Küken

Ein totes Storchenküken haben Geschäftsführer Andreas Fischer und Pressesprecher Birger Meierjohann schon zu beklagen. "Den Grund dafür kann man nur vermuten. Das ist die Natur", sagt Fischer. Der Aufstieg zum Horst auf der Hebebühne eines Lkw-Steigers ist spannende Zentimeterarbeit - und ein Schauspiel für die vielen Besucher, die in den Vergnügungspark oder zum Wildpark strömen. Judith Opitz dirigiert dabei den Fahrer von ihrer hohen Warte aus.

Der erste Horst ist weit oben auf einem Baum mit vielen starken Ästen, was das Manövrieren erschwert. Die Beringung klappt, aber ein unglückliches Zusammentreffen von Ast und Hebebühne macht eine kleine Reparatur notwendig und das kostet Zeit.

Sie stellen sich tot

Dafür verläuft die zweite Beringung vorbildlich. Im Nest auf einem Wohnhaus liegen zwei junge Störche, die sich nicht rühren. "Sie stellen sich tot." Dass sie leben, sieht man an den blinzelnden Augen. Papa oder Mama Storch - man kann sie kaum unterscheiden - hat kurz zuvor noch im Nest geklappert. Als sich die Hebebühne nähert, fliegt er oder sie davon aufs Nachbardach und verfolgt von dort die Prozedur. "Weißstörche sind angenehm", sagt Judith Opitz. "Sie hauen ab, wenn der Beringer kommt. Schwarzstörche würden sich wehren."

Aufregung schlägt auf den Darm

Mit dem Storchenschieber zieht sie das erste Junge zu sich her, so dass sie es mit beiden Händen packen kann. Über das zweite breitet sie ein leichtes Tuch, damit es nicht auf dumme Gedanken kommt. Das erste Storchenbaby lässt sich problemlos beringen. Dann wird es vorsichtig in die Ikea-Tüte gelegt und per Kofferwaage gewogen. Mit über drei Kilogramm hat es schon ein ordentliches Gewicht. Sanft wird es wieder ins Nest platziert. Beim zweiten Baby schlägt die Aufregung wohl auf den Darm, der sich auf den Oberschenkel der Beringerin entleert. Die junge Frau nimmt es mit Humor. Mit dem Abfallgreifer holt sie noch eine Zigarettenschachtel aus dem Nest. Die Störche in den Volieren im Wildparadies werden nicht beringt, da sie nicht wegziehen.

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Verletzte Tiere melden

Die schwarzen Teflonringe sind mit einem Code versehen und der Adresse der Vogelwarte. Eine Pflicht zur Beringung gibt es nicht. Doch durch diesen "Personalausweis am Bein" lässt sich ornithologische Forschung betreiben und die Lebensgeschichte verfolgen. "Darum geht"s, dass ich weiß, wer wann wo ist." So weiß man anhand der unterschiedlichen Codes und Ringfarben, dass sich in Tripsdrill ein Storch aus Frankreich eingenistet hat. Verletzte oder tote Störche kann jeder darüber an die Datenbank in Radolfzell melden.

Wenn es nochmal kalt wird, sterben viele

Die Jungtiere in den Horsten - zwölf sind es in Tripsdrill insgesamt - sind unterschiedlich groß. Auch ein weiteres totes ist darunter und zwei nicht bebrütete Eier. "Dieses Jahr ist der Unterschied bei den Geburtsterminen krass." Daher gibt es noch einen späteren Beringungstermin. Beringt werden sie, wenn man davon ausgehen kann, dass sie überleben, also schon gut anderthalb Monate alt sind. "Sollte es aber noch einmal ein paar Tage lang kalt und nass werden, sterben viele weg." Ihre Eltern können sie, wenn sie schon zu groß sind, nicht mehr schützen. Ein Grund für die toten Jungen könnte auch Futtermangel sein. Feldmäuse sind knapp.

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