Obersulm
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Wohn- und Kulturhaus in Obersulm wurde vor 20 Jahren bezogen

Platznot im Rathaus war der Grund für ein eigenes Haus für die Kultur. Fortan stellten Bücherei, VHS, Gemeinde und Kulturverein ein Programm für Obersulm mit mindestens einem Termin im Monat auf die Beine.

Sabine Friedrich
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Lesezeit 3 Min
Wohn- und Kulturhaus in Obersulm wurde vor 20 Jahren bezogen
Sie arbeiten im Kulturhaus und organisieren mit dem Kulturverein das Programm: Ute Bajak und Andrea Götz, die alte und die neue VHS-Leiterin, sowie Bücherei-Leiterin Katharina Breig (v.l.). Foto: Sabine Friedrich  Foto: Friedrich

Kann es ein schöneres Kompliment geben? "Ich laufe jeden Morgen ganz stolz herein", sagt Katharina Breig. "Das Konzept hat sich total bewährt." Auch nach 20 Jahren sei die Gemeindebücherei Obersulm noch modern.

Seit 1998 leitet sie die Einrichtung, deren neue Räume Breig nicht nur beziehen konnte, sondern deren Innenleben sie auch konzipierte. Anfang Juni 2002 wurde das Wohn- und Kulturhaus gegenüber dem Rathaus in Affaltrach eingeweiht. Das war die Geburtsstunde eines festen Kulturprogramms von Gemeinde, Bücherei, VHS, Musikschule und Kulturverein mit monatlich mindestens einem Angebot. Der Kultursommer 2002 bot mit Hellmuth Karasek einen Knaller.

VHS ist für Comedy und Kabarett zuständig

"Der Bau war der Zeitpunkt, an dem die VHS gesagt hat, wir würden gerne auch in Kultur machen", erinnert sich Ute Bajak. Sie leitete 21 Jahre lang bis Ende 2021 die Volkshochschul-Außenstelle, war in dieser Funktion eine Institution. Jetzt kümmert sie sich als Assistentin weiter um den Kulturkalender. Der Part der VHS ist Comedy und Kabarett, der Kulturverein sorgt für Konzerte klassischer Musik, die Bücherei bietet Kindertheater und den Literarischen Cocktail, zwei Angebote, die längst ein Selbstläufer sind.

Rückblick: Bücherei im Rathaus platzte aus allen Nähten

Ein fensterloses winziges Büro. Nicht mal jeder Mitarbeiter hatte einen Stuhl. Bücher wurden auf dem Boden gestapelt, Fenstersimse als Regalbretter genutzt. Sogar von der Decke ließ Katharina Breig Neuerscheinungen baumeln, so gravierend war die Platznot im Erdgeschoss des Rathauses. Dort standen gerade mal 140 Quadratmeter für 25 000 Medieneinheiten zur Verfügung. "Das war verrückt. Es gab überhaupt keine Möglichkeit, sich aufzuhalten oder zu setzen", erinnert sich Breig.

Wohn- und Kulturhaus in Obersulm wurde vor 20 Jahren bezogen
In 250 Kartons waren die 25 000 Medieneinheiten verpackt, die beim Einzug in die neue Bücherei 2002 wieder ausgepackt werden mussten. Foto: Archiv/Wndler  Foto: Administrator

Die Raumnot war allgegenwärtig im Rathaus, das 1974 bezogen wurde. Es war auf 12 000 Einwohner der neuen Gesamtgemeinde ausgerichtet, die stark gewachsen war. Neben Bücherei waren hier auch VHS, Musikschule, Polizeiposten und Notariat untergebracht.

Kein Hingucker, aber funkntional

Die Gemeinde wollte ein Bürgerbüro einrichten. Also schlug der damalige Bürgermeister Harry Murso einen Neubau auf der Reservefläche gegenüber dem Rathaus vor. "Das Wohn- und Kulturhaus hat viele Väter und Mütter", sagt er. Architektonisch ist das Gebäude kein Hingucker. "Es ist funktional." Mehr hätte sich die Gemeinde nicht leisten können. "Man hat der Kultur hier einen Raum gegeben", sagt Breig. "Alle Künstler, die im Kultursaal auftreten, sind begeistert von der Größe, der Akustik, der Bühnenhöhe, der Nähe zum Publikum und dem Künstlereingang."

Hellmuth Karasek der Stargast zur Eröffnung

Wohn- und Kulturhaus in Obersulm wurde vor 20 Jahren bezogen
Hellmuth Karasek war der Stargast zur Eröffnung 2002. Foto: Archiv/Sattar  Foto: Sattar

Dass Hellmuth Karasek nur vor 150 Bewunderern lesen konnte, das hatte Breig seiner Agentin verschwiegen. Harry Murso hatte der Büchereileiterin grünes Licht gegeben für dessen Verpflichtung und die Kostenübernahme. Dass der Autor und Journalist dann mit dem Flugzeug anreiste, war nicht geplant. "Er war grandios", schwärmt Breig noch heute von Karaseks Gastspiel. "Er war gut gelaunt und pflegeleicht." Nach der Lesung ging"s zum Essen in die "Traube" nach Eichelberg. "Je größer der Star, desto einfacher und unkomplizierter ist er", ist Ute Bajaks Erfahrung. "Der wollte gar nichts", nennt sie Gerhard Polt als weiteres Beispiel, der 2009 von 500 Leuten in der Eichelberger Kelter gefeiert wurde.

Ort der Kommunikation Die Inneneinrichtung für die Bücherei konnte Katharina Breig selbst konzipieren. "Das war eine Wahnsinnsaufgabe, an der ich gut zwölf Monate gearbeitet habe." Auf der dreifachen Fläche hatte sie fortan die Möglichkeit, die Medien nach Systematik angemessen zu präsentieren. Öffnungzeiten und Personal wurden aufgestockt, zwei öffentliche Internetplätze eingerichtet und die Anzahl der Veranstaltungen mehr als verdoppelt. Der Kultursaal nebenan, für den der Kulturverein den Flügel stiftete, ermöglicht noch mehr Leserförderung. "Die Idee der Bücherei als Ort der Kommunikation ist zu 100 Prozent aufgegangen. Die Bibliothek ist der einzige Ort in Obersulm, der die ganze Woche für jeden geöffnet ist", sagt Breig.

Kulturkalender

Die nächste Veranstaltung im Kulturhaus ist Stand-up-Kabarett mit Götz Frittrang am 24. Juni um 20 Uhr.


Die Freien Wähler waren aus Kostengründen gegen den Bau

Wohn- und Kulturhaus in Obersulm wurde vor 20 Jahren bezogen
Spatenstich mit Spezialhelm mit Weinzufuhr: Richard Kübler, Harry Murso, Karlheinz Schmidt (v.l.). foto: Archiv/Freudenberger  Foto: Freudenberger

Schon 1997 befasste sich der Gemeinderat Obersulm in einer Klausurtagung mit dem aus allen Nähten platzenden Rathaus. Angedacht wurden Um- und Anbau, Auslagerung von Polizeiposten, Bücherei und VHS. Zwei Jahre später war mit der Kern Wohnbau GmbH ein Investor gefunden. Die 13 Räte von SPD, CDU und Grüne stimmten für den Bau und den Kauf des Gemeindeanteils, alle sieben Räte der FWV wegen der Kosten dagegen. Der Spatenstich für das Wohn- und Kulturhaus mit fünf Wohnungen und Tiefgarage auf dem gemeindeeigenen Grundstück war im Oktober 2000. Beim Richtfest im August 2001 bezeichnete der damalige Bürgermeister Harry Murso das Projekt als Meilenstein in der Entwicklung der Gemeinde.

Der Bau kostete mehr als vier Millionen Euro, 2,7 Millionen übernahm die Gemeinde für ihre Räume in Erd- und Obergeschoss, in denen Bücherei, Kultursaal, Polizeiposten, Büros von VHS und Musikschule sowie der Zweckverbände untergebracht sind. Das geplante Café konnte nie realisiert werden. "Man hat gesucht, aber niemanden gefunden", sagt Murso. Viele Jahre stand das Ladenlokal leer, bis 2015 VHS- und Musikschul-Büro hier einzogen, so dass die anderen Nutzer mehr Platz bekamen.

 
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