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Wie bereiten sich Kommunen auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen vor?

Das Thema haben die Städte und Gemeinden im Schozach- und im Weinsberger Tal zum Teil auf dem Schirm. Die große Herausforderung ist, woher das Personal nehmen. Braucht es neue Räumlichkeiten?

Sabine Friedrich
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Lesezeit 3 Min
Wie bereiten sich Kommunen auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen vor?
An der Stettenfelsschule in Untergruppenbach sind aktuell knapp 50 der 70 Plätze in der Ganztagsbetreuung belegt. Dafür stehen die Vereinsräume in der benachbarten Halle zur Verfügung.  Foto: Berger

Für die Michael-Beheim-Schule hat Obersulm bereits 2021 ein Raumkonzept erstellen lassen. Jüngst hat der Gemeinderat beschlossen, für Affaltrach und Eschenau nachzuziehen. Denn 2026 kommt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Reicht das Platzangebot dann aus? Welche baulichen und organisatorischen Lösungen sind nötig? Diese Fragen sollen geklärt werden. Wie sieht es in anderen Kommunen mit den Überlegungen und Vorbereitungen aus?

Nicht schlecht aufgestellt

"Wir werden uns Gedanken machen", sagt Wüstenrots Bürgermeister Timo Wolf, sich frühzeitig darum kümmern, ob neue Räume geschaffen werden müssen. "Wir sind nicht schlecht aufgestellt", fügt er hinzu. Für das kommende Schuljahr habe man die Kapazitäten am Hort der Georg-Kropp-Schule auf 70 Plätze aufgestockt. Nachdem die Schulsozialarbeit umgezogen sei, habe man diese Räume im alten Schulhaus für die Ganztagsbetreuung umgebaut. In Neuhütten findet die Betreuung außerhalb des Unterrichts in Klassenzimmern statt. Der Bedarf hänge davon ab, ob die Klassen ein- oder zweizügig seien. Aktuell gibt es zwei erste Klassen, im Herbst wird eine Klasse Abc-Schützen eingeschult.

Fachkräftemangel ist ein großes Problem

Nicht nur die Räumlichkeiten stellen Kommunen in Sachen Rechtsanspruch vor Herausforderungen. Viel schwerer wiegt die Personalsuche. "Der Fachkräftemangel schlägt voll durch", sagt Timo Wolf, der froh ist, dass in Wüstenrot derzeit alle Stellen besetzt sind. "Klar ist, dass wir dann noch einen stärkeren Fachkräftebedarf haben werden", blickt Untergruppenbachs Bürgermeister Andreas Vierling auf 2026. Die Problematik werde sich mit dem Rechtsanspruch verschärfen, ist er überzeugt. Die Gemeinde habe ihre Quote für die praxisorientierte Ausbildung (Pia) von zwei auf vier Stellen pro Lehrjahr verdoppelt. Anerkennungspraktikantinnen würden in Untergruppenbach gerne genommen.

Steigende Kinderzahlen, steigende Nachfrage

Es gebe noch keine konkrete Planung. "Aber wir haben es auf dem Schirm", sagt Vierling zum Thema. Die Gemeinde sei in der glücklichen Lage, für die Betreuung in Ergänzung zur Ganztagsschule über die Vereinsräume in der Stettenfelshalle verfügen zu können. Von den 70 Plätzen im Hauptort seien knapp 50 belegt. In Unterheinriet werde man definitiv einen zusätzlichen Platzbedarf haben, ist Vierling jetzt schon klar, angesicht der gestiegenen Kinderzahlen. Ab 2025/26 werde die dortige Grundschule wieder zweizügig sein. Zudem werde im Teilort die Betreuung stärker nachgefragt als in Untergruppenbach.

Wünsche der Eltern werden schon jetzt erfüllt

Mit dem Rechtsanspruch müsse die Nachfrage nicht automatisch steigen, meint Vierling. Sein Fleiner Kollege Alexander Krüger geht jedoch davon aus, dass es so kommen wird. Wenn der Rechtsanspruch da sei, wollten ihn die Eltern auch umgesetzt haben. Ob Pflicht oder nicht - in Untergruppenbach erfülle man schon jetzt die Betreuungswünsche der Familien, sagt Vierling. Inwiefern sich der gesellschaftliche Bedarf ändere, bleibe abzuwarten.

115 Kinder, etwa die Hälfte der Grundschüler, nutzen das Betreuungsangebot in Flein. Das dafür gebaute Kerngehäuse sei voll, berichtet Krüger. Ab Herbst sei die St. Veit-Schule in allen Klassenstufen dreizügig, so dass Raumrochaden notwendig seien. Die Bücherei-Räume könnten für die Gemeinde die Rettung sein, hofft der Bürgermeister. Denn die neue Mediathek soll der erste Bauabschnitt der Neugestaltung des Rathausumfeldes sein.

Schulraumbedarfsplanung wird erstellt

In Weinsberg läuft derzeit die Schulraumbedarfsplanung für alle Schularten, berichtet Sina Schleicher, die im Rathaus für den Bildungsbereich zuständig ist. Rund 140 Kinder werden an der Grundschule Rossäcker, eine freiwillige Ganztagsschule, außerhalb des Unterrichts zu flexibel buchbaren Zeiten betreut. Dafür gibt es drei separate Räume. In Grantschen hingegen seien die Kapazitäten begrenzt. Auf Wunsch der Eltern wurden dort ab diesem Schuljahr die Zeiten von Rossäcker - von 7 bis 17 Uhr - übernommen. Aus weniger als zehn wurden 23 Anmeldungen. Schleicher geht davon aus, dass die Stadt zusätzliche Räume schaffen muss, wächst doch die Einwohnerzahl durch die neuen Baugebiete.

Nur noch pädagogische Fachkräfte für diese Aufgabe einzusetzen, "das lässt sich gar nicht umsetzen", meint Schleicher. "Woher nehmen?", fragt Krüger. "Alle Kommunen wünschen sich, dass genaue Aussagen kommen", beklagt Schleicher die noch fehlenden Vorgaben des Landes.

Neues Gesetz

Zum 1. August 2026 kommt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Das hatte die Große Koalition noch auf den Weg gebracht. Bundestag und Bundesrat hatten dem Kompromiss des Ermittlungsausschusses zugestimmt. Die Neuregelung gilt zunächst für Erstklässler, bis 1. August 2029 werden dann alle Klassenstufen einbezogen sein. Inklusive Unterrichtszeit sollen Grundschüler acht Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche betreut sein.

Der Bund stellt den Ländern für den Ausbau des Angebots bis zu 3,5 Milliarden Euro bereit.

 

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