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Klimapartnerschaft in Südafrika: Ilsfeld will Strategien entwickeln und vor Ort unterstützen

Seit 2017 haben Ilsfeld und Kouga in Südafrika eine Klimapartnerschaft. In dieser Woche ist eine Delegation aus der afrikanischen Gemeinde zu Besuch, um sich über die Folgen des Klimawandels auszutauschen und gemeinsam Strategien und Projekte zu entwickeln.

Andreas Zwingmann
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Lesezeit 2 Min
Strategien entwickeln und vor Ort unterstützen
Die dreiköpfige Delegation um Kougas Bürgermeister Horatio Hendricks (Mitte) tauscht sich mit Vertretern der Gemeinde Ilsfeld und weiteren Projektpartnern zu klimapolitischen Fragen und praktischen Lösungen aus. Foto: Andreas Zwingmann  Foto: Zwingmann, Andreas

Rund 13.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Ilsfeld und der Gemeinde Kouga in Südafrika. Doch diese Entfernung spielt bei der Klimapartnerschaft zwischen den beiden Kommunen keine Rolle. Im Fokus der seit 2017 laufenden Zusammenarbeit steht die gemeinsame Bewältigung klimapolitischer Ziele und Aufgaben. Derzeit weilt eine dreiköpfige Delegation aus Südafrika in der Schozachgemeinde, um sich über gemeinsame Projekte und das bisher Erreichte auszutauschen.

Klimawandelstrategie als zentrales Thema

Im Rahmen des Besuchs wolle man in Workshops und Gesprächen zum einen zurückblicken auf die bisherige Zusammenarbeit seit 2017, aber auch schauen, wo Verbesserungspotenzial sowie weitere Ansatzpunkte sind, betont Moritz Schmidt, Projektpartner der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 (LAG 21). Ein zentrales Thema war in den vergangenen Jahren die Entwicklung einer Klimawandelstrategie, die als Grundlage für gemeinsame Projekte dient.

Neben Fragen wie Energieeffizienz steht dabei vor allem das Thema Wasserversorgung im Fokus, das in Südafrika elementare Bedeutung hat. Die Region, in der auch die Lokalgemeinde Kouga mit ihren rund 120 000 registrierten Einwohnern liegt, ist massiv vom Klimawandel betroffen. "Seit 2016 herrscht dort eine anhaltende Dürreperiode", sagt Anna Hörlein. Sie betreut für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit die Klimapartnerschaft vor Ort.

Südafrikanische Region leider seit Jahren unter Dürre

Das kostbare Gut könnte in dem Ort in der Provinz Ostkap sogar ganz versiegen - und das bereits in wenigen Wochen, wie Kougas Bürgermeister Horatio Hendricks verdeutlicht: "Für Ende Juni ist der Tag Null vorhergesagt. Das ist der Tag, an dem in unserer Region kein Oberflächenwasser mehr verfügbar sein wird." Ursachen und Folgen des Mangels beträfen nicht nur seine Gemeinde, sondern auch größere Städte wie die 70 Kilometer östlich gelegene Millionen-Metropole Port Elizabeth, so Hendricks.

Eines der wichtigsten Ziele der Klimapartnerschaft zwischen Ilsfeld und Kouga ist es, Verluste im Wassernetz zu minimieren. In Kouga gehen Ilsfelds Bürgermeister Thomas Knödler zufolge 45 Prozent der ohnehin knappen Ressource verloren. Vor diesem Hintergrund hat sich die Schozachgemeinde um die Beschaffung eines Spezialfahrzeugs gekümmert, mit dem Lecks in Versorgungsleitungen geortet und repariert werden können. Das Fahrzeug, hergestellt von einer Firma aus Langenbrettach, wurde kürzlich in Kouga in Betrieb genommen.

Die Partnerschaft gehe aber in beide Richtungen, betont der designierte Ilsfelder Bürgermeister Bernd Bordon, der bereits einführend an den Workshops teilnimmt. "Der wichtigste Aspekt ist es, angesichts der globalen Lage voneinander zu lernen", so Bordon. Ilsfeld bekomme über die Partnerschaft auch "Input darüber, wie es ist, mit einer Dürreperiode zu leben".

Auch Schulpartnerschaften geplant

Als weiteres Ziel der Zusammenarbeit nennt Anna Hörlein vor Ort das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema Wasserverbrauch zu schärfen. Dies kann in Bildungs- und Schulpartnerschaften geschehen. Die Delegation besucht im Rahmen ihres knapp einwöchigen Aufenthalts daher auch die Steinbeisschule zu Gesprächen.

Wie man das Thema Klimawandel anschaulich darstellen kann, wollen sich die Südafrikaner in Sinsheim anschauen. Dort ist ein Besuch der Klima-Arena vorgesehen.


Gemeinsame Handlungsprogramme entwickelt

Das Projekt Kommunale Klimapartnerschaften soll die Zusammenarbeit deutscher Städte, Gemeinden und Landkreise mit Kommunen aus Afrika, Lateinamerika und Asien in den Bereichen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung stärken. Seit dem Start 2011 haben 77 kommunale Partnerschaften gemeinsame Handlungsprogramme dazu erarbeitet. Kostenträger ist das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), den Ablauf organisiert die Servicestelle Engagement Global. Aktuell befindet sich die interkommunale Kooperation in der neunten Phase. Ilsfeld ist seit Phase sechs dabei. In jeder Phase sind nach Angaben von Projektleiter Clemens Olbrich bis zu zehn Kommunen beteiligt. 

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