Ilsfeld
Lesezeichen setzen Merken

Nahwärme in Ilsfeld: Kretschmann informiert sich über lokales Energiekonzept

Energiegewinnung aus Abwasser - mit diesem Bestandteil ihres Nahwärmekonzepts hat Ilsfeld in der Vergangenheit viel Anerkennung und Aufmerksamkeit erzielt. Am Donnerstag (05.05.) hat sich der Ministerpräsident vor Ort das Konzept erläutern lassen - und war voll des Lobes.

Andreas Zwingmann
  |    | 
Lesezeit 2 Min
Nahwärem in Ilsfeld: Kleiner Gedanke mit Vorbildcharakter
Beispielgebende Antworten auf die Klimakrise sieht Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Ilsfeld, wo er sich von Bürgermeister Thomas Knödler (links) die Struktur und Genese des örtlichen Nahwärmenetzes erläutern ließ.  Foto: Kunz, Christiana

Kretschmann zolle den Verantwortlichen "Respekt und Anerkennung" für ihre Initiative, so der Landesvater. Ilsfeld liefere damit "beispielgebende Antworten auf die Klimakrise und für eine unabhängige Energiegewinnung", wie Kretschmann auch im Eintrag in das goldene Buch festhielt. Die Art und Weise, wie hier agiert wurde und wird, könnten sich viele andere Kommunen zum Vorbild nehmen.

Umweltschutz als Gemeinschaftsprojekt

Lobende Worte, die man in der Schozachgemeinde gerne hört: "Unser Nahwärmenetz erfährt im Ort und darüber hinaus nicht nur hundertprozentige Zustimmung", gab sich Bürgermeister Thomas Knödler überzeugt. Das Projekt zeige auch, dass Umweltschutz nicht spalten und die Gesellschaft teilen muss: "Es ist durchaus möglich, es zu einem Gemeinschaftsprojekt zu machen und Bürgerschaft, Gemeinderat, Planer und Verwaltung von Anfang an in ein Boot zu holen."

Bisher habe die Gemeinde in das derzeit 34 Kilometer lange Leitungsnetz knapp 18,1 Millionen Euro investiert, in die Energieerzeugung flossen rund fünf Millionen Euro. "Das alles wurde weitestgehend fremdfinanziert", betonte Knödler. Durch Tilgungszuschüsse und Null-Prozent-Finanzierung ergebe sich unterm Strich sogar ein Plus, rechnete der Bürgermeister vor. Man sei froh, das Projekt Abwasserwärme frühzeitig angegangen zu sein. "Aufgrund der Entwicklungen in der Zwischenzeit hätten wir heute zwischen 26 und 28 Millionen Euro dafür investieren müssen", so Knödler.

Überlegungen zum weiteren Netzausbau

Die Nachfrage nach Nahwärme sei derzeit enorm, schilderte der Bürgermeister. Auch die Zweifler aus der Vergangenheit wollten nun einen Anschluss. Vor diesem Hintergrund müsse sich die Gemeinde überlegen, wie sie ihre Energieerzeugung ausbauen will. Biogasanlage und Wärmepumpen könnten ab 2023 mehr liefern, zur Diskussion stehen eine Hackschnitzelanlage für die Grund- sowie eine Holzpelletanlage für Spitzenlasten. Auch Großwärmepumpen wie sie etwa in Dänemark eingesetzt werden, seien ein Ansatz, so Knödler weiter.

Es gab aber auch Anregungen in Richtung Stuttgart: "Der Standort an der Kläranlage war nicht einfach mal so realisiert." Vereinfachungen beim Planungsrecht seien "für eine rasche Umsetzung wirklich sinnvoll". Überdies sollten Nachhaltigkeit, Energiewende und kommunale Daseinsvorsorge in Einklang gebracht werden. Die Gemeindeordnung unterscheide etwa zwischen Wasser- und Wärmeversorgung. Das Thema Wärmeversorgung durch den Eigenbetrieb sei aber keine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Daher gebe es Überlegungen, diesen eventuell in eine Energiegenossenschaft zu überführen.

"Wenn wir das jetzt für Baden-Württemberg auch so machen würden, würden viele Menschen fragen, wie das gehen soll", fasste Kretschmann das Gehörte zusammen. Aber auch wenn der Ilsfelder Weg nicht einfach aufs Land übertragen werden könne, sei wichtig, dass "ein kleiner Gedanke seinen Gang geht".

Das dreigleisige Energiekonzept

Das Ilsfelder Nahwärmenetz speist sich aus drei verschiedenen Quellen. Die Energie liefert neben der Biogasanlage in Beilstein und den beiden Blockheizkraftwerken am Schulzentrum eine Wärmepumpen-Heizzentrale an der Kläranlage. Bei Letzterer wird ein Teil des gereinigten Abwassers in das Nachbargebäude gepumpt, wo zwei Wärmepumpen die Temperatur des acht bis 15 Grad kalten Wassers auf 80 Grad erhöhen, ehe es über die Leitungen schließlich an die angeschlossenen Haushalte geschickt wird. zwi

Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
Kommentare werden geladen
  Nach oben