Nach Abbruch des Gasthauses Lamm startet im Juli der Bau des Wohn- und Geschäftshauses
In den Obergeschossen und im Dach entstehen fünf Mietwohnungen in der Fleiner Ortsmitte. Im Erdgeschoss ist eine Gewerbeeinheit Pflicht. Ein langer steiniger Weg für den Bauherrn.

Nun klafft die Lücke in der Fleiner Ortsmitte: Das mehr als 300 Jahre alte Gasthaus "Lamm" ist Geschichte. Aber die Brache am Rathaus-Kreisel in der Erlachstraße bleibt nicht lange bestehen. Bereits im Juli soll mit dem Neubau des Wohn- und Geschäfthauses begonnen werden. Damit hat die Haus- und Vermögensverwaltung (HVV) Schick GbR einen zehnjährigen steinigen Weg gemeistert. Erst im vergangenen Herbst hatte der Technische Ausschuss des Gemeinderats den Neubauplänen sein Einvernehmen erteilt. Seit wenigen Tagen hat Gastronom und Hotelier Felix Schick, Gesellschafter der HVV, die Baugenehmigung vom Landratsamt Heilbronn in der Tasche.
Neubau fügt sich harmonisch ein
Nachdem das alte Gemäuer abgerissen ist, beginnt im Juli das Bauunternehmen Hampp aus Ilsfeld mit dem Rohbau. Fertigstellungstermin ist im Sommer 2023. "Der Neubau fügt sich harmonisch ein", verspricht Felix Schick. Die Planung orientiere sich an der alten Silhouette. Im Erdgeschoss muss eine Gewerbeeinheit angesiedelt sein. Für die 140 Quadratmeter suche man nun einen Interessenten. Auch für die fünf Mietwohnungen starte die Vermarktung. Im ersten und zweiten Obergeschoss wird es je zwei Wohnungen mit 70 und 95 Quadratmeter geben, im Dachgeschoss ist die Wohnung 105 Quadratmeter groß. Im hinteren Bereich sorgten Balkone für Auflockerung, sagt Schick.
"Der Wohnbedarf ist hoch", weiß der Gastronom. Die Lage mitten im Ortskern sei ideal. "Da können sie aufs Auto verzichten." Schallschutzfenster sorgen an der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt dafür, dass der Verkehrslärm draußen bleibt. Stellplätze sind in der verbliebenen Garage und im Innenhof, zwei Parkplätze musste der Bauherr bei der Gemeinde ablösen.
Sanierung wäre nicht wirtschaftlich gewesen

In Flein wird natürlich bedauert, dass die ortsbildprägende Traditionsgaststätte weichen musste. Das kann Schick verstehen, er empfindet genauso. Aber er verweist auf die marode Bausubstanz. Davon habe sich jeder während des Abbruchs bei einem Blick ins Innenleben überzeugen können. Damit sei die Diskussion über die Erhaltenswürdigkeit erledigt. "Was für ein Gerippe", beschreibt Schick den Zustand. Eine Sanierung wäre nicht wirtschaftlich gewesen.
2012 genehmigte Petitionsausschuss den Biergarten
Das wusste Schick noch nicht, als er 1999 das Gasthaus übernahm. Sein Plan: Das "Lamm" sollte Wein- und Vesperstube sein, um die eigenen Weine zu vermarkten, eine rustikalere Alternative zum Haupthaus, "Wo der Hahn kräht", sagt der Juniorchef. Das Geschäft lief. 2012 habe man mit hohen Investitionen den Biergarten gebaut. Der wurde jedoch erst möglich durch den Petitionsausschuss des Landtags, der das Nein des Landratsamts zur Planung außer Kraft setzte. Anwohner hatten sich gegen die Außenbewirtung gewehrt.
Technischer Ausschuss sagte erst mal Nein zu den Plänen
Auch der lange Weg zum Neubau war mit Steinen gepflastert. Schick will nicht nachkarten, sagt aber dann doch: "Das Bild, das die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat abgegeben haben, ist nicht geeignet, weitere Gewerbetreibende nach Flein zu ziehen." 2015 hatte die HVV Schick GbR ein genehmigtes Baugesuch, dann aber änderte sie ihre Pläne, statt Umbau und Renovierung sollte es einen Neubau geben und zwar ohne Gastronomie. Für diese hätten die vorgeschriebenen Stellplätze nicht nachgewiesen werden können. Die Abweichungen vom Bebauungsplan waren dem Technischen Ausschuss des Gemeinderats zu gravierend, die beiden Einwendungen von Anwohnern drehten sich um die massive Bebauung im Innenhof. Hinzu kam, dass statt der Gaststätte im Erdgeschoss Parkplätze und Abstellräume entstehen sollten.
Der Bebauungsplan von 1977 schließt in diesem Mischgebiet jedoch eine reine Wohnbebauung aus. Die Gemeinde will durch Gewerbeeinheiten die Versorgungsfunktion mit Geschäften im Ortskern sichern. "Es war nicht sauber ausformuliert", kritisiert Schick, der erneut seine Planung ändern musste.
Veränderungssperre verzögerte Projekt
Sein Projekt verlangte eine Präzisierung im Textteil des Bebauungsplans "Backhausweg/Gängle". Bis die Änderung des Planwerks vorgenommen war, erließ die Gemeinde eine Veränderungssperre. Das bedeutete für den Neubau erneut ein Jahr Aufschub und eine Verteuerung von 20 Prozent, schätzt Schick.
Blick in die Historie
Nachdem das "Lamm", das in der Pandemie geschlossen wurde, nun der Vergangenheit angehört, ist die "Linde" in der Kirchgasse das letzte Traditionsgasthaus in der Fleiner Ortsmitte.
Schon um 1700 muss das Gebäude in der Erlachstraße gestanden haben. Das schließt der Fleiner Heimatverein aus einer Inventuraufnahme von 1735. 1769 war in den Pfosten der Eingangstür geschnitzt. Die erste Erwähnung des "Lamm" datiert aber aus einer früheren Zeit: "Den 30. Nov. 1756, als am 5. Andreastag, ist nachts zwischen 9 und 10 Uhr in des Dietrich Hauten, Lammwirts Haus, bei einer großen Versammlung, meistens Saufbrüder, urplötzlich der Ehrbare Johann Georg Leutz gestorben."
Das Gasthaus mit seinem markanten Walmdach erfuhr im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen. Da es auf Sandsteinblöcken stand, sackte es in der Mitte ab, so dass ein Trapezfundament in der Wirtschaft eingezogen werden musste. Die Gaststätte hatte einst auf der linken Seite einen Biergarten. Unter den Köllreuters betrieb Vater Gottfried in der einen Hälfte des Erdgeschosses die Wirtschaft, zu der ein kleiner Saal im Obergeschoss gehörte. Sohn Hugo hatte in der anderen Hälfte die Bäckerei. Aus dem Laden wurde das Nebenzimmer.




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