Im Wald ist es zu nass für die Holzernte
Termine für Brennholzversteigerungen in Kommunen im Schozach- und Bottwartal sowie im Weinsberger Tal müssen teilweise verschoben werden oder sind noch nicht terminiert. Für Förster macht es keinen Sinn, die Rückegassen und Wege kaputt zu machen.

Witterungsbedingt muss der Termin wahrscheinlich in den Februar verschoben werden", lautet der Hinweis auf der Homepage des Landratsamts Heilbronn (www.landkreis-heilbronn.de/brennholz) für die Brennholzversteigerung in Talheim. Auf 25. Januar war sie angesetzt.
Aber teilweise auch in anderen Kommunen kann der Termin nicht eingehalten werden. Grund ist der Regen in den vergangenen Wochen. Es ist viel zu nass im Wald, um Holz zu rücken. Die Kunden müssen jedoch nicht mit den Hufen scharren. "Es besteht kein Druck", sagt die Ilsfelder Revierförsterin Maike Muth. Das Holz, das gekauft und aufgearbeitet werde, stecke man ja nicht sofort in den Ofen. Es müsse drei Jahre trocknen. Also ist noch Zeit für die Versteigerungen - eine Veranstaltung, die Muth und ihre Kollegen gerne machen. Für Obersulms Bürgermeister Tilman Schmidt ist diese "ein Stück Kulturpflege".
Wunsch: Strammer Frost
"Es macht keinen Sinn, die Rückegassen und die Wege kaputt zu machen", sagt Maike Muth zu den Bodenverhältnissen im Wald. Deshalb ruht der Einschlag, der eigentlich im Winter erfolgt. "Ein strammer Frost wäre optimal", sagt die Försterin, die weiß, dass das erst einmal Wunschdenken ist. Man müsse Geduld haben, bis der Boden abtrocknet.
Während die 700 Festmeter geplanter Einschlag in den Gemeindewäldern Flein, Talheim und Neckarwestheim noch fest verwurzelt im Wald stehen, konnte Muth zwei Drittel der 1200 Festmeter auf Ilsfelder Gemarkung bis Ende November fällen lassen. Die ebenen Lagen dort hätten das möglich gemacht. In Ilsfeld fand bereits am 18. Dezember die Versteigerung statt. "Alles ist super weggegangen", berichtet Muth. 19 Flächenlose und 105 Lose von Brennholz lang brachte sie an die etwa 60 Bieter. Einer bekam von der Försterin zwei Tafeln Schokolade obendrauf, für die Mühe, die ihn bei der Verarbeitung erwartet. Er hatte zwei Buchenlose von starkem Kaliber ersteigert.
Esche hat viele Qualitäten

Muth freute sich, dass auch die Esche, die krankheitsbedingt großflächig fallen muss, sehr gefragt war. Diese Sorte habe viele Qualitäten: Sie sei leicht zu spalten, habe vergleichbare Brennwerte wie die Buche und müsse, weil nicht anfällig für Fäulnis, bei der Lagerung nicht abgedeckt werden.
"Wir bringen rein, was geht", gibt Muths Mann Oliver, der das Forstrevier Beilstein leitet, zu dem auch der Stadtwald Lauffen gehört, seinen Sachstandsbericht. "Wir haben ein bisschen weniger Angebot als letztes Jahr", sagt er. Im Stadtwald Lauffen ist der Einschlag schon erledigt. Die Versteigerung in Beilstein verschob Muth um zwei Wochen. Der 3. Februar als Termin stehe jetzt fest.
Besondere Atmosphäre
In Beilstein ist das traditionell eine Open-Air-Veranstaltung an der Unteren Öhlmühle. "Wenn das Feuer raucht und es dampft und die Würstle schmecken", schwärmt der Revierförster von der Atmosphäre. "Die Stimmung ist draußen eine andere, es ist uriger." An einem frostigen Tag mit Pulverschnee und Glühwein, kann das sein Eschenauer Kollege Alexander Fichtner nachvollziehen. Aber wenn es ohne Unterlass regnet? "Dann ist das kontraproduktiv." Deshalb zieht er eine Indoor-Veranstaltung vor. In Obersulm ist die traditionell am ersten Donnerstag im März in der Willsbacher Hofwiesenhalle.
Fichtner kann Entwarnung geben. "Ich bin schon sehr weit", sagt er zur Einschlagsmenge, die bei 80 bis 85 Prozent des Solls liegt. Bereits im September hätten die Arbeiten in seinem Revier begonnen. "Was jetzt noch liegt, ist nicht rauszuholen", berichtet auch er von der Gefahr starker Furchen beim Rücken, die sich nicht mehr einebnen würden.
Regeln beachten
Den Bedarf an Brennholz könne er decken. Fichtner beobachtet nach dem Boom der Vergangenheit etwas weniger Nachfrage. Viele Privatleute ließen sich Brennholz gespalten und getrocknet anliefern, immer weniger hätten die Ausrüstung für die Aufarbeitung. Welche Regeln zu beachten sind, erfahren die Kunden bei den Versteigerungen. In Obersulm wird zum Beispiel bei der Barbezahlung der Flächenlose und Polter gleich der Motorsägenführerschein kontrolliert. Und wenn Fichtner im Wald unterwegs ist, hat er wie seine Revierleiter-Kollegen ein Auge auf die Käufer, auf ihre Arbeitsweise und darauf, ob die Schutzkleidung stimmt.
Mindestgebote
Das Kreisforstamt Heilbronn legt die Mindestgebote für die Versteigerungen fest. Die Preise seien wie im Vorjahr, sagt Leiter Christian Feldmann: Für Brennholz lang bei den Hartlaubsorten sind es 62 Euro pro Festmeter, für Eiche 57 Euro. Etwa ein Drittel der Holzproduktion in Kommunal- und Staatswald im Landkreis werde als Brennholz verkauft, in der Regel zwischen 30 000 und 35 000 Festmeter Brennholz lang pro Jahr, 7000 bis 10 000 Festmeter Flächenlose. War der vergangene Winter mild, wird weniger verkauft, nach harten Wintern mehr nachgefragt. bif
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