Ärztehaus in Affaltrach: Warum es Bedenken gegen das Vorhaben gibt
Der Gemeinderat Obersulm macht den Weg frei für das planungsrechtliche Verfahren. Es gibt jedoch Bedenken gegen das Vorhaben hinsichtlich der Anzahl der Stellplätze und des angrenzenden landwirtschaftlichen Betriebs.

Ein Investor tastet sich schon mal vor. Er möchte das Gelände der ausgedienten Gewächshäuser der früheren Gärtnerei Köhler an der Salzbergstraße 1 erwerben. Dort soll ein Ärztehaus mit zwei Praxen sowie neun Wohnungen entstehen. Der Gemeinderat sagte am Montagabend nach intensiver Diskussion bei drei Nein- und einer Gegenstimme Ja dazu, die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Allerdings müsse den Bedenken hinsichtlich der Stellplatzzahl und der Lärmsituation aufgrund des Betriebsablaufs von Obstbau Köhler direkt oberhalb Rechnung getragen werden.
Auf dem Tisch lag das Plankonzept, das die S-Projekt Architektur aus Ellhofen für den Investor E1 GmbH & Co. KG erstellt hat. Es sieht einen Komplex mit einer Höhe von 12,83 Metern und 23 Metern Breite vor. "Es ist kein 08/15-Projekt", meinte Bürgermeister Björn Steinbach und wies auf die Bedeutung hinsichtlich der ärztlichen Versorgung und den Standort in der Ortsmitte Affaltrachs hin. Dieser erfahre dadurch eine städtebauliche Aufwertung. Hoffnungen auf einen Facharzt, den es in der Gemeinde bisher nicht gibt, kann Steinbach nicht machen. Es gebe keine freien Facharztsitze im Landkreis.
Ärztehaus-Komplex: Gemeinde setzt Rahmen, was sie zulassen will
Der Bebauungsplan "Steigle-Wasenäcker 1. Änderung" lässt das Vorhaben in der gewünschten Form nicht zu. Deshalb wird ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, dessen Kosten der Investor trägt, erstellt. Damit gibt die Gemeinde den Rahmen vor, was sie baulich zulässt und arbeitet die Bedenken "sauber ab", wie Bürgermeister Björn Steinbach sagte. Er nannte die Emissionen durch den Betrieb Obstbau Köhler, dessen Kühlaggregate auch nachts laufen und der nachts auch Transportfahren durchführt. Die Verträglichkeit müsse geprüft werden. Dr. Heidi Kübler (FWV) forderte deshalb den Schutz bestehender Betriebe und entsprechende Vorschriften zur Lärmminderung beim Bau der Wohnungen. Marianne Gailing (FWV) war der Komplex mit neun Wohnungen zu groß. "Der Bauplatz wird bis auf den letzten Quadratmeter ausgemostet."
"Es passt da hin", erwiderte Steinbach. Die Verwaltung habe mit der Landsiedlung das Vorhaben eng begleitet und er vertraue auf die Aussage der Städtebau-Experten. Das Projekt sei für die Gemeinde wertvoll. Deshalb müsse ein Weg für die Realisierung gefunden werden unter Betrachtung all dessen, was problematisch sein könnte.
Arztpraxen werden begrüßt
"Wir sind froh, dass jemand Arztpraxen baut", signalisierte Armin Waldbüßer für die Grünen die Zustimmung zum Bebauungsplanverfahren. "Gut, dass ein zusätzliches Türchen aufgemacht wird", meinte Michael Schepperle, denn auf dem alten Sportplatz in Willsbach ist ebenfalls ein Ärztehaus vorgesehen. Den Öffentlichen Pesonennahverkehr bei den geforderten Stellplätzen einzubeziehen, sei Schönrechnerei, ergänzte der SPD-Fraktionssprecher. Wer zum Arzt gehe, komme in der Regel mit dem Auto. "Das passt in die Ortsmitte, es ist nur der falsche Nachbar. Der war aber vorher schon da", brachte Karl Ulrich Vollert (FWV) die Problematik auf den Punkt.
"Gibt es in diesem Umfeld nicht einen anderen Standort?", meldete sich Hermann Hohl zu Wort und provozierte damit die beabsichtigte vielstimmige Antwort aus dem Gremium: der Sportplatz gegenüber. Dort steht nach dem geplanten Abbruch der Gemeindehalle eine Veränderung an. "Es gibt einen Plan B, aber Plan A ist städtebaulich der bessere", sagte der Bürgermeister.
Wie sieht das Konzept aus?
Das Planungskonzept sieht zwei Arztpraxen und eine Wohnung im Erdgeschoss vor, im ersten und zweiten Obergeschoss jeweils vier Wohnungen. Die Gesamtwohnfläche beträgt 1014 Quadratmeter. In der Tiefgarage sollen 13 Fahrzeuge Platz finden, oberirdisch sieben. 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit sind laut Stellplatzsatzung der Gemeinde hier vorgeschrieben. Das Architekturbüro möchte wegen der Stadtbahnanbindung sechs abziehen.



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