Im Standesamt in Weinsberg bleibt die Arbeit liegen
Eine Witwe wartet seit fast drei Wochen auf die Sterbeurkunde für den verstorbenen Mann. Im Weinsberger Rathaus fehlt Personal.
Ein Mann ist am Sonntag, 31. Juli, in einem Hospiz in Weinsberg verstorben. Die Witwe leidet nicht nur unter dem Verlust. Sie soll allerhand regeln und entsprechende Stellen über den Tod ihres Mannes informieren: gesetzliche Rentenversicherung, Krankenkasse, Banken und Versicherungen. Sie muss einen Erbschein für die Testamentseröffnung beantragen. Dazu benötigt die Seniorin die Sterbeurkunde. Die liegt fast drei Wochen nach dem Todesfall immer noch nicht vor.
Grund: Das zuständige Standesamt in Weinsberg ist seit einiger Zeit verwaist. Vieles bleibt liegen. "Es ist eine unmögliche Situation", klagt die Hinterbliebene. "Ich kann nichts machen, ohne Sterbeurkunde geht nichts."
Corona-Pandemie, Urlaubszeit, Krankheitsfälle sollen für die Misere verantwortlich sein
Weinsbergs Bürgermeister Stefan Thoma spricht von einer Sondersituation. Der einzige Standesbeamte falle seit drei Wochen wegen Krankheit aus. Die Vertretung ist ebenfalls nicht einsatzfähig. Corona, Urlaubszeit, nennt Thoma als Gründe. "Es kommt alles zusammen." Andere Abteilungsleiter springen ihm zufolge ein. Manche Aufgabe eines Standesbeamten darf aber nicht jeder übernehmen.
Thoma selbst vermählt Paare. Er versichert: "Trauungen und Beerdigungen finden statt." Mit den Hinterbliebenen von Verstorbenen habe eine Rathausmitarbeiterin persönlich Kontakt aufgenommen und die Situation erklärt. Er rechnet damit, dass die liegengebliebenen Arbeiten nächste Woche abgearbeitet werden. Im Oktober soll eine neue Standesbeamtin ihre Stelle antreten. Eine Aufstockung des Personals sei das nicht, sagt Thoma. Der jetzige Standesbeamte verlasse das Rathaus.
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