Bevölkerungsschutz: In Ilsfeld werden die Standorte für Sirenen umgerüstet
Als vierte Kommune im Landkreis stellt Ilsfeld auf elektronische Anlagen um. Das Bevölkerungsschutz-Projekt kostet 187.000 Euro. Bis zur Flutkatastrophe im Ahrtal wurden viele Sirenen abgebaut.

"Bis 2017 wurden in Baden-Württemberg etwa 10.000 Sirenen abgebaut", weiß Niklas Lehnert. Erst nach der Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal sei der Bevölkerungsschutz wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Der Mitarbeiter der Firma Hörmann Warnsysteme (Kirchseeon/Bayern) ist Projektleiter für die Umrüstung der Sirenenstandorte im Landkreis Heilbronn. Zurzeit ist er in Ilsfeld unterwegs.
Acht Sirenenanlagen gab es bisher auf der Gemarkung. "Eine Schalltrichteranalyse hat gezeigt, dass in Ilsfeld ein weiterer Standort Richtung Autobahn erforderlich ist, um auch die Gebiete Am Ring und Gentach einzubinden", erklärt Kämmerer Steffen Heber. Zwölf Meter hoch ist der neue Mast, der am Dienstag beim Freibad aufgestellt wurde. Die 1200-Watt-Anlage ist mit acht Schalltrichtern ausgestattet, ebenso wie vier weitere Standorte in Ilsfeld und Auenstein. Die Teilorte Helfenberg, Wüstenhausen, Abstetterhof und Schozach verfügen über 600 Watt mit vier Schalltrichtern.
Sirenen für Bevölkerungsschutz: Schall wird trichterförmig abgestrahlt
Anders als bei den mechanischen pilzkopfförmigen wird der Schall bei den elektronischen Sirenen nicht gleichmäßig, sondern trichterförmig abgestrahlt. "Dadurch können wir die Schallausrichtung so beeinflussen, wie wir sie geländetechnisch brauchen", erläutert Lehnert. Der Warnton wird mittels Lautsprecher und einem elektronischen Verstärker erzeugt. "Und jede Sirene hat ein Mikrofon für Sprachdurchsagen, etwa bei einer Trinkwasserverschmutzung."
Gewicht, Wartungsaufwand und Stromverbrauch der neuen Anlagen sind geringer, weil sie keine beweglichen Teile haben. "Die alten Sirenen liefen nur mit Starkstrom. Die neuen werden über einen 230-Volt-Anschluss versorgt und verfügen zusätzlich über einen Akkupuffer", sagt Steffen Heber. Somit können sie auch bei einem Stromausfall noch ausgelöst werden.
Möglichst viele Informationswege für Warnmeldungen
Zur Ergänzung der Warninfrastruktur der Länder wurde ab 2001 vom Bund das sogenannte Modulare Warnsystem (MoWaS) entwickelt. Warnmeldungen sollen auf möglichst vielen Wegen verbreitet werden. Nicht nur über Sirenen, sondern auch über Nina-App, Radio und Fernsehen oder digitale Stadtinformationstafeln. Außerdem gibt es zwei Auslösewege, falls ein System ausfällt: Das bundesweite Tetranetz - über das auch Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei mit dem Digitalfunk laufen - und das digitale Alarmierungssystem (Pocsag), das die Leitstellen benutzen.
Der Bund unterstützt seit 2021 den Ausbau kommunaler Sirenennetze in Deutschland mit einem Förderprogramm in Höhe von 88 Millionen Euro. Davon fließen rund 87.000 Euro nach Ilsfeld. Die Gemeinde muss noch 100.000 Euro drauflegen. Über einen Zeitraum von drei Wochen werden die neun Standorte jetzt umgerüstet.
Sirenenalarm bei größeren Feuerwehreinsätzen
"In die Vorbereitungen involviert waren die Finanzverwaltung, der Bauhof und der Gemeinde-Elektriker", beschreibt Heber. Der Großteil der Sirenen bleibt auch nach der Umrüstung auf den Dächern von kommunalen Gebäuden. Nur in Wüstenhausen wird das ehemalige Feuerwehrhaus nicht mehr genutzt. "Es ist zu niedrig, um den Schall über die ganze Fläche zu verbreiten", so Heber. Dort werde jetzt, wie beim Freibad, ein zwölf Meter hoher Mast aufgestellt.
"In Ilsfeld sind die Sirenen regelmäßig bei größeren Feuerwehreinsätzen zu hören. Allerdings nur an Wochentagen zwischen 6 und 18 Uhr", sagt der Kämmerer, der in Ilsfeld auch Feuerwehrkommandant ist. "Wir haben bei der Freiwilligen Feuerwehr viele Landwirte, die bei der Arbeit auf dem Feld den normalen Meldeempfänger unter Umständen nicht wahrnehmen." Bundesweit wurden am Donnerstag, 14. März, die Sirenen getestet. "Nach den Osterferien haben wir dann in Ilsfeld einen Abnahmetermin, bei dem alle neun neuen Sirenen ausprobiert werden", kündigt Niklas Lehnert an. Alle vier Warntöne - Probealarm, Warnung der Bevölkerung, Entwarnung und Alarm für die Feuerwehr - werden zu hören sein. Lehnert: "Das ist vom Landratsamt so gewollt, damit die Bevölkerung den Unterschied erkennt."
Sirenenförderprogramms: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"
Aus dem 88-Millionen-Euro-Topf des Sirenenförderprogramms erhielt Baden-Württemberg vom Bund elf Millionen Euro. Die Fördergelder wurden nach den Windhundprinzip vergeben. Nach dem Motto: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Der Landkreis Heilbronn hat die Umrüstung der Sirenen gebündelt ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt die Firma Hörmann Warnsysteme. "Wir rüsten in der Reihenfolge um, in der die Kommunen die Förderung beantragt haben", sagt Projektleiter Niklas Lehnert. 2023 waren Leingarten, Nordheim und Eppingen dran. Als nächste Stationen nach Ilsfeld hat Lehnert Flein, Zaberfeld und Obersulm auf seiner To-Do-Liste.
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