Ellhofen
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Ellhofener Gemeinderat stimmt der Entwurfsplanung für Großprojekt "Neue Ortsmitte" zu

Der Hochbau soll im Januar 2023 mit zwei neuen Gebäuden beginnen. Danach ist das Rathaus an der Reihe.

Anja Krezer
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Lesezeit 4 Min
Hier schlägt künftig das Herz des Dorfes
 Foto: Krezer

Es ging vor allem darum: Dass die Gemeinderäte signalisieren: Ja, auf diesem Weg wollen wir weitergehen. Und das taten die Ellhofener Bürgervertreter in ihrer jüngsten Sitzung auch. Der eine oder andere Stein - oder zumindest manches Steinchen - ist allerdings noch beiseite zu räumen auf dem Weg zum großen Ziel: eine neue, attraktive Ortsmitte zwischen Grundschule, Kirche, Rathaus und Gemeindehalle. Im Januar kommenden Jahres soll der Hochbau beginnen.

Planer bringen das Gremium auf den aktuellen Stand

Architekt Dieter Guttenberger und Landschaftsarchitekt Gunter Jedamzik, beide aus Stuttgart, brachten das Gremium auf den aktuellen Stand der Entwürfe. Sie erläuterten, was in den zurückliegenden Monaten, nach unzähligen Abstimmungsgesprächen, Jours fixes und Klausurtagungen, ein- und überarbeitet wurde. Je konkreter es wird - aktuell ist man auf dem Weg zur Genehmigungsplanung - desto mehr Details sind abzustimmen für das Großprojekt, dessen Grobkosten vor etwa einem Jahr auf 10,5 Millionen Euro taxiert wurden. Dass dieser Betrag nicht das Ende der Fahnenstange sei, das hatte Bürgermeister Wolfgang Rapp damals gleich hinzugefügt.

Eine anspruchsvolle Aufgabe

Angesichts der Dimension des Ganzen gebe es eigentlich gar nicht so viele offene Fragen, befand Dieter Guttenberger jetzt im Gemeinderat. Das sei "außergewöhnlich und zeigt: Das Team stimmt." Dazu zählen mittlerweile diverse Fachplaner. "Das neue Herz von Ellhofen zu planen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Wir sind auf einem guten Weg", meinte der Architekt.

Rathaussanierung/-anbau: Der alte Anbau wird abgerissen, das Rathaus wird saniert und umgebaut und erhält in einem neuen Anbau einen Saal. Als Gelenk zwischen Bestand und Anbau fungiert ein Treppenhaus mit Aufzug. Das Rathaus soll nicht, wie ursprünglich geplant, als erstes in Angriff genommen werden. Zunächst sind ab Januar 2023 die beiden Ergänzungsbauten A und B an der Reihe. Wenn sie planmäßig im Sommer 2024 fertig sind, soll die Rathausmannschaft interimsweise für etwa zwei Jahre ins Gebäude B ziehen.

Die Interimslösung "Umzug ins bestehende Bürgerhaus" ist vom Tisch. So wird vermieden, dass die Nutzer des Bürgerhauses - Vereine, VHS und Bücherei - das Feld für die Verwaltung räumen und später nochmal umziehen müssen: eben in Gebäude B, das künftige "Haus der Bürgerinnen und Bürger". Die zeitliche Abfolge geht Willi Müller (FWV) "ein bisschen gegen den Strich. Für mich hat der Rathaus-Umbau Vorrang vor allem anderen." Zwei weitere Räte sahen das ebenso.

Details müssen noch geklärt werden

Im Zuge der Genehmigungsplanung fürs Rathaus müssen nun noch Details geklärt werden. Etwa, ob der Keller mit einem Wasseranschluss versehen wird oder nicht. Auch über Materialien muss der Ellhofener Gemeinderat noch befinden.

Ergänzungsbau A: Auf Wunsch des Gemeinderates wird dieses Gebäude nicht unterkellert. Das bedeutet: Die Gastronomie, die hier heimisch werden soll, ist beschränkt auf Bistro-, Bar- oder Loungebetrieb. Für ein richtiges Restaurant fehlen Lagermöglichkeiten. Kein Problem, sagt Bürgermeister Rapp auf Nachfrage unserer Zeitung. Man wolle ohnehin keine Konkurrenz zu den bestehenden Wirtschaften im Ort aufbauen. In Gebäude A ist zudem eine Arztpraxis denkbar. Rapp ist nach eigenen Angaben in Gesprächen mit einem Facharzt.

Ergänzungsbau B (Haus der Bürgerinnen und Bürger): In dieses Gebäude soll einmal die Bücherei einziehen. Außerdem sind Räume für VHS und Vereine vorgesehen. Die beiden Ergänzungsbauten ähneln sich optisch, und bei beiden ist Willi Müller der geringe Kniestock ein Dorn im Auge. "Im Verhältnis zu den Kosten ist zu wenig Raum nutzbar", meint er. Bis zur nächsten Sitzung soll Planer Guttenberger aufbereiten, wie sich die Optik der Häuser verändern würde, wenn der Kniestock erhöht würde. Für die Ergänzungsbauten sind ebenfalls noch Details und Materialien zu klären.

Wasserspiel statt Brunnen

Freiflächen: Landschaftsarchitekt Gunter Jedamzik erläuterte die Planung und was sich seit dem Vorentwurf geändert hat. So wurden zum Beispiel Rampen eingeplant und die Flächen und Unterteilungen des Multifunktionsplatzes angepasst. Statt eines Brunnens ist zwischen Rathaus und Ergänzungsbauten nun ein Wasserspiel geplant. Auch für den Außenbereich muss noch manches abgestimmt werden.

Weitere Infos

Für den ersten Abschnitt für die "Neue Ortsmitte" gibt es seit Februar einen Baubeschluss: In der Kirchstraße, neben dem Bürgerhaus, werden 43 Parkplätze errichtet. Dort soll auch eine E-Ladestation installiert werden. Im Sommer beginnen die Arbeiten. In diesem Zuge wird zudem die Kirchstraße verbreitert.

Nach dem grundsätzlichen Ja zu den überarbeiteten Entwürfen war es in der jüngsten Sitzung eher Formsache, dass der Gemeinderat Architekt und Landschaftsarchitekt mit einer weiteren Leistungsphase, der Ausführungsplanung, beauftragte. Er tat es einstimmig.

Diskussion über Biogas

Eines der Themen, bei denen der Gemeinderat in Sachen "Neue Ortsmitte" noch Gesprächsbedarf hat, ist die Energieversorgung der öffentlichen Gebäude. Architekt Dieter Guttenberger bezeichnete es in der jüngsten Sitzung als "richtige Entscheidung angesichts schwieriger Zeiten, Biogas zu wählen". Für dieses Heizmedium hatte sich das Ortsparlament im Oktober 2021 entschieden.

Doch ist es wirklich die richtige Wahl? Die Gemeinderäte Danny Lazarowicz und Robert Bickel (beide Bürgerliste) sind nicht mehr sicher. "Wir haben das damals nach bestem Gewissen entschieden", sagte Bickel. "Die Welt hat sich aber weitergedreht." Lazarowicz meinte: "Noch fließt Biogas nicht durch eine separate Leitung - und wir bauen hier sehenden Auges eine Gas-Anlage." Mit der Entscheidung für Biogas verpflichtet die Kommune zwar einen Energieversorger, in einem bestimmten Umfang Biogas zu generieren. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass in Ellhofen auch tatsächlich Biogas ankommt.

Vielleicht doch lieber Hackschnitzel?

Vielleicht doch lieber Hackschnitzel für das neue Dorfzentrum?, regte Danny Lazarowicz an. Dafür braucht man aber Lagerkapazitäten - und diese sind im aktuellen Entwurf für das Areal im Ortskern nicht vorgesehen. Robert Bickel möchte, dass überlegt wird, ob und wo diese Lagermöglichkeiten womöglich geschaffen werden könnten, ob nicht noch andere Heiz-Alternativen denkbar seien - "und ob uns das ein paar hunderttausend Euro wert ist". Regina Tretter (FWV) schloss sich an, und Bürgermeister Wolfgang Rapp versprach, mit dem entsprechenden Fachplaner Kontakt aufzunehmen.

"Keine bessere Alternative"

Rapp sieht zum Biogas "keine bessere Alternative. Es geht auch darum, Druck auszuüben Richtung regenerative Energien." Bauamtsleiter Felix Pontow betonte: "Biogas ist CO2-neutral, Hackschnitzel sind es nicht." Außerdem habe das Fachbüro schon Alternativen untersucht. Man möge lieber "nicht alles nochmal in Frage stellen".

Im Mai soll das Thema erneut diskutiert werden.

 
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