Weinsberg
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Herzensstücke in der Weinsberger Amtsstube

Bürgermeister Stefan Thoma zeigt uns sein Arbeitszimmer im Weinsberger Rathaus. Er verrät, was ihm daran gefällt - zum Beispiel ein ziemlich altes Ledersofa.

Anja Krezer
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Lesezeit 3 Min
Herzensstücke in der Weinsberger Amtsstube
Bürgermeister Stefan Thoma an seinem Schreibtisch. Hier sitzt er täglich etwa zehn Stunden, und oft ist er auch samstags und sonntags da.  Foto: Kunz, Christiana

So ein abgewetztes Ding im Büro eines Bürgermeisters? Mancher mag den Kopf schütteln angesichts des ausgebleichten und gut eingesessenen Dreisitzers rechts neben der Tür. Stefan Thoma nicht. Im Gegenteil. Für ihn ist da nichts abgegriffen. "Das ist Patina!" Stefan Thoma hat das hellbraune Ledersofa mit den verchromten Füßen seinem alten Arbeitgeber, der Bundesbank, abgekauft, bevor er 2004 nach Weinsberg kam. Nicht weil der Rathauschef so oft drauf sitzen würde - obwohl man gut drauf sitzt. Sondern weil sein Herz an dem Sofa hängt, das auch nicht irgendein Sofa ist, sondern ein Designerstück.

"Die Beleuchtung war fürchterlich"

Stefan Thoma erinnert sich noch gut, als er seinen neuen Arbeitsplatz vor 18 Jahren zum ersten Mal betrat: "Die Beleuchtung war fürchterlich." Eine kleine Deckenlampe für ein 34 Quadrameter großes Büro. "Ich brauche viel Licht." Längst hängt über dem runden Besprechungstisch ein großes Beleuchtungsquadrat. Grundlegendes verändert hat Thoma nicht. Es geht auch nicht: Die Nussbaumschränke sind fest eingebaut, ringsum ist der Raum ebenfalls mit Nussbaum vertäfelt. Was Stefan Thoma auch gut findet. "Großen Respekt" hat er vor den Bauleuten, sagt der Bürgermeister, die das Rathaus nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut hatten. "Sie haben etwas Schönes gebaut. Man kann es in diesem Zimmer aushalten."

Privates soll privat bleiben

An einigen Stellschrauben hat Stefan Thoma aber doch gedreht. Schließlich will er sich wohlfühlen in dem Raum, in dem er einen Großteil seines Lebens verbringt. Oft ist er auch samstags und sonntags da. Er kommt lieber ins Rathaus, statt sich Arbeit mit nach Hause zu nehmen. "Das Wenige, was privat ist, soll privat bleiben."

Als er anfing in Weinsberg, empfing ihn ein wuchtiger Holzschreibtisch. "Meine Freudenschreie hielten sich in Grenzen." Längst steht da ein leichter, rechteckiger Tisch. Direkt daneben das runde Pendant für Besprechungen. Beides, wie auch ein Schubladenelement, von USM Haller. Die moderne, nüchterne Formensprache des Design-Labels für Büromöbel gefällt ihm. Sie spiegelt ihn wieder, findet der 62-Jährige. "Nüchtern und sachlich - so bin ich halt auch." Jedermanns Sache sind die Tische nicht. Thoma weiß noch, was dem damaligen Stadtbaumeister Klaus Colberg entfuhr, als er sie zum ersten Mal sah: "Das sind doch Küchentische!" Der Bürgermeister sagt: "Der Kontrast zwischen den alten Einbauten und dem modernen Mobiliar gefällt mir."

Man kann ja nicht alles präsentieren

Herzensstücke in der Weinsberger Amtsstube
An den Wänden des Bürgermeister-Büros lehnt oder hängt moderne Kunst.  Foto: Kunz, Christiana

In manch" anderer Amtsstube häufen sich Erinnerungsstücke an Jubiläen, Einweihungen, Feste. Nicht hier. "Fähnchen, Wimpel, ehrenvolle Fotos": Solche Dinge besitzt zwar auch der Weinsberger Bürgermeister. "Und sie werden in Ehren gehalten." Aber der Rathauschef ist nicht unglücklich darüber, dass derartige Devotionalien nicht mehr so häufig überreicht werden. Außerdem findet er: "Man kann ja nicht alles präsentieren."

Ein Briefbeschwerer von der französischen Partnerstadt Carignan, ein in Kunststein gefräster Schriftzug auf Piemontesisch von der italienischen Partnerstadt Costigliole d"Asti, dazu drei Fotos mit seiner Frau Beate. Daneben liegen sein Fahrradhelm und seine Sonnenbrille. "Das war"s dann mit persönlich."

Porträts und ein weiblicher Torso

Na ja, nicht ganz. An den Wänden ein großformatiges, abstraktes Gemälde in Gelb, zwei moderne Frauenporträts, in einer Ecke ein in Stein gemeißelter weiblicher Torso: All das gab es vor Stefan Thoma nicht. Und so viel Frau in dem Raum vermutlich auch nicht. Der Bürgermeister - übrigens nach Erwin Heim, Jürgen Klatte und Walter Kuhn der vierte im wiederaufgebauten Rathaus - lacht: "Wir sind doch die Weibertreustadt." Das vierte Gemälde - die Johanneskirche - übernahm er von seinen Vorgängern. "Das finde ich schön von der Farbe her." Und vom Motiv her sowieso.

Die Gruschtelschublade

Stefan Thoma mag es schlicht und übersichtlich. Aber eine Gruschtelschublade "habe ich natürlich auch". Dort landet alles, was anderweitig nicht zuzuordnen ist. Er weiß genau, was drin ist. Ein Meterstab zum Beispiel. Aber reinschauen lässt er einen nicht. Lieber verweist er auf das Sideboard hinter dem Schreibtisch. Neben dem Jahrzehnte alten Sofa noch ein Stück, das er seinem früheren Arbeitegeber abgekauft hatte. Der Weinsberger Bürgermeister mag sachlich und nüchtern sein - aber Emotionen hat er halt auch. "Ich bin froh, dass ich für diese beiden Herzensstücke hier eine gute Bleibe gefunden habe."


Neue Serie

Wer mag es modern, wer eher rustikal? Was sagt der Raum über seinen Nutzer aus? In unserer neuen Serie "Die Büros der Bürgermeister" zeigen uns die Rathauschefs des östlichen Landkreises Heilbronn ihre Arbeitszimmer. Sie erzählen, was ihnen daran gefällt und was nicht und gewähren einen Blick hinter ihren Schreibtisch.

 
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