Entwurf für neues Willsbacher Quartier beinhaltet Wohnungen, Praxen und eine Kita
Die Vorschläge eines Projektentwicklers stoßen im Obersulmer Gemeinderat auf ein positives Echo. Die große Frage ist: Was passiert mit der Jahnhalle? Ein Laden ist nicht vorgesehen.

Arztpraxen und eine Bäckerei mit Café, mehrere Wohngebäude, eine Kindertagesstätte sowie betreutes Wohnen: So stellt sich der potenzielle Investor die geplante Bebauung des alten Sportplatzes und des ehemaligen Freibadgeländes in Willsbach vor. Der Entwurf des Projektentwicklers Kruck + Partner aus Heilbronn stieß auf ein positives Echo im Gemeinderat. Von einem kleinen Laden, für den sich im März 2021 der Gemeinderat noch ausgesprochen hatte, ist nicht mehr die Rede. Und die große Frage ist: Was passiert mit der Jahnhalle?
Ein Filetstück in Willsbach
"Wir glauben an das Projekt, weil es eine tolle innerörtliche Lage ist. Deshalb sind wir motiviert", versicherte Joachim Kruck, geschäftsführender Gesellschafter von Kruck + Partner. Der Projektentwickler hat (Landschafts-)Architekten und Stadtplaner an die Seite geholt. Kerstin Müller vom Architekturbüro ASW aus Stuttgart stellte den Entwurf für die Innenentwicklung vor.
Sie sprach davon, dass es derzeit eine unklare städtebauliche Situation gebe, so wie sich die rund zwei Hektar große Fläche - ein Teil davon gehört der Evangelischen Stiftung Lichtenstern - präsentiere. Zwei wichtige Bausteine seien die denkmalgeschützte Jahnhalle und das Seebächle, das als Ausgleichsmaßnahme für den Bürgerwindpark Bretzfeld/Obersulm renaturiert werden soll. "Wohnen am Seebächle" nennt der Investor, der die Flächen von der Gemeinde kaufen möchte, das neue Quartier.
Es soll auch bezahlbare Mietwohnungen geben
"Ich denke, das Konzept beinhaltet viel, vielleicht sogar alles", freute sich Benjamin Friedle( Grüne), dass die Wünsche des Gemeinderats nach einer Mehrfachnutzung des Geländes berücksichtigt sind. Ob das Projekt dieser Güte bezahlbaren Wohnraum überhaupt hergebe, wollte Friedle wissen. Zehn bis 15 Prozent "mietpreisgedämpfte" Wohnungen würden angestrebt, antwortete Joachim Kruck. Er machte aber auch klar, dass ein Neubau die teuerste Art des Wohnens sei und die Preise derzeit weiter stiegen. Die wirtschaftlichen Eckdaten spielten eine Rolle.
Nicht um Jahnhalle herumbauen
"Es entspricht dem, was wir uns ausgeguckt haben", war auch Ulrich Hohl zufrieden mit dem Entwurf, den das Gremium bei der Gegenstimme von Nico Knapp (CDU) weiter verfeinern lassen will. Wie schon Friedle fragte auch der FWV-Fraktionssprecher nach der Jahnhalle. Diese sollte in das Konzept integriert werden, es sollte nicht um sie herum gebaut werden, "und der Kommune bleibt das alte Ding an der Backe", sagte Ulrich Hohl.
Plädoyer für Abriss
Sein Namensvetter Hermann Hohl sah das genauso. "Die gehört abgerissen", meinte er und verwies auf andere alte Gebäude in Obersulm, die trotz Denkmalschutzes abgerissen werden konnten, etwa der "Ochsen" in Affaltrach. "Die Halle ist nicht renovierbar", begründete der CDU-Fraktionssprecher seine Haltung. Sie stehe auf keinem Fundament, sondern auf Sandstein und Holz. Das Grundstück müsse in die Neubebauung einbezogen werden. Überließe man das Gebäude der Gemeinde, würde man einiges an Geld darin begraben. Dass der Projektentwickler die Jahnhalle selbst übernehme, "das wollen wir Ihnen nicht antun", sagte Hohl zu Kruck. Ihm sei klar, dass ältere Willsbacher an der Halle hingen, "aber wir müssen in die Zukunft schauen".
Keine Chance auf einen Facharzt
Das Schicksal der Jahnhalle will Ortsvorsteher Armin Waldbüßer erst einmal mit dem Ortschaftsrat diskutieren. "Wir brauchen ein Ärztehaus", kam der Grünen-Sprecher auf ein anderes Thema zu sprechen. Ihm genügten zwei Arztpraxen nicht. "Wir haben Ärztemangel in Obersulm." Bürgermeister Björn Steinbach schraubte die Erwartungen nach Fachärzten herunter. Es gebe im Landkreis Heilbronn keinen freien Sitz für einen Facharzt.
"Wir wollten doch Nahversorgung", vermisste Marianne Gailing einen Laden. Die Handelskonzerne hätten kein Interesse, berichtete Bürgermeister Björn Steinbach vom Ergebnis der Gespräche.
"Wir möchten es nicht auf die lange Bank schieben", war SPD-Sprecher Michael Schepperle wichtig, dass das Projekt vorankommt. Steinbach meinte, dass parallel zur Planung 2023 der Bebauungsplan erstellt werden könnte.
Was das Konzept beinhaltet
Der Entwurf sieht am Kreisverkehr ein Gebäude mit Bäckerei/Café und Arztpraxen vor. Dahinter schließen sich fünf Wohnhäuser an mit Wohnhöfen, die sich zum Seebächle öffnen sollen und einer Tiefgarage. Der Bedarf an Wohnraum soll noch ermittelt werden, um die Anzahl der Wohneinheiten zu präzisieren. Joachim Kruck sprach von etwa 50 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Hinter der Jahnhalle ist im Erdgeschoss eines Neubaus eine dreigruppige Kindertagesstätte vorgesehen. Darüber soll es betreute Wohnungen geben, ebenso wie gegenüber dem Senioren- und Pflegeheim Rosengarten. Es wären auch Wohnungen für Mitarbeiter denkbar.




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