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Eine 400 Tonnen schwere Eisenbahnbrücke in Weinsberg wird bewegt

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Der neue Durchlass der Bahn an der Hirschbergstraße in Weinsberg wurde auf einer Stahlträgerbahn in den Damm eingeschoben. So etwas passiert nicht alle Tage. Wie gingen diese Arbeiten der besonderen Art vonstatten?

Wenn die Brücke ihren Standort erreicht hat, wird es knifflig. Dann muss Holzschicht um Holzschicht abgetragen und die Brücke dafür immer wieder angehoben werden.
Wenn die Brücke ihren Standort erreicht hat, wird es knifflig. Dann muss Holzschicht um Holzschicht abgetragen und die Brücke dafür immer wieder angehoben werden.  Foto: Berger, Mario

Mittwoch, 4 Uhr. Alles schläft. Alles? Nein, in der Weinsberger Hirschbergstraße machen Scheinwerfer die Nacht zum Tag. Männer in Warnwesten und ihre Maschinen bereiten vor, was vier Stunden später beginnt: Eine 400 Tonnen schwere Eisenbahnbrücke wird auf einer Stahlträgerbahn in den Bahndamm eingeschoben. Aufatmen gegen 15 Uhr: Der Durchlass sitzt passgenau dort, wo er hin soll. Ab Samstagabend können die Züge wieder fahren.

Handys werden aus dem Hosentaschen geholt

Ein Blick aufs Ziffernblatt. 8.10 Uhr. Thomas Bajerke von der Firma Max Wild kniet vor das Steuerpult und drückt die entscheidenden Knöpfe. Kollegen holen ihre Handys aus den Hostentaschen. Auch Projektleiter Thomas Osti von der Deutschen Bahn wischt auf die Videofunktion. Zwar ist dieser Verschub für den Experten "eher eine Routinegeschichte". Zwar handelt es sich "nur" um eine Fußgängerunterführung. Doch dass eine komplette Brücke angehoben und bewegt wird, passiert halt nicht jeden Tag.

 

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Langsam, gaaanz langsam fahren die vier Hydraulikstempel auf der orangefarbenenen Verschubbahn nach oben. Sie stehen genau unter den Seitenflügeln des 400 Tonnen schweren, neuen Bahndurchlasses. Er wurde in den vergangenen Monaten vor Ort aus Stahlbeton gebaut und soll die bisherige Unterführung in 40 Metern Entfernung ersetzen. Sie gibt es seit Montag nicht mehr. Der alte Durchlass ist bereits abgebrochen und mit Magerbeton verfüllt. Während alle gespannt auf die Hydraulikfüße unter der neuen Brücke schauen, sortiert ein Baggerfahrer mit dem Greifer nebendran die Reste der alten.

Sachte wird die Brücke angehoben

Zentimeter um Zentimeter bewegen sich die Hydraulikstempel nach oben. Sachte heben sie die Brücke an. Bei acht Zentimetern hat das Bauwerk seine Reisehöhe erreicht. Der 14 Meter lange Weg auf der Verschubbahn in den Bahndamm beginnt. Oder besser gesagt: in das 20 Meter breite Loch im Damm. Schwellen, Schienen - alles weg. 600 Kubikmeter Damm haben die Bauarbeiter am Montag und Dienstag weggebaggert. Die Kabel wurden auf eine Kabelhilfsbrücke verlegt.

Langsam gleitet die Brücke auf der Verschubbahn Richtung Bahndamm. Theoretisch könnte die 14 Meter lange Reise in 14 Minuten erledigt sein. Praktisch dauert es etwas länger. Immer wieder werden Schläuche kontrolliert. Immer wieder zischt Wasser aus Düsen. Projektleiter Osti: "Es wird zum Kühlen auf die Bahn gespritzt."

Per Hydraulik wird die Brücke acht Zentimeter angehoben und auf der Verschubbahn an ihre endgültige Position im Bahndamm gerückt. Am Samstag um 22 Uhr soll alles so weit fertig sein, dass Züge drüber fahren können.
Fotos: Mario Berger
Per Hydraulik wird die Brücke acht Zentimeter angehoben und auf der Verschubbahn an ihre endgültige Position im Bahndamm gerückt. Am Samstag um 22 Uhr soll alles so weit fertig sein, dass Züge drüber fahren können. Fotos: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Der kritische Moment kommt noch

Lionel Krause, der Bauleiter der Firma Zürcher, die als Generalunternehmer von der Deutschen Bahn mit dem Brückenprojekt beauftragt wurde, ist noch recht entspannt. Auch Bürgermeister Stefan Thoma, der angeradelt kommt, um sich ein Bild vom Brückenverschub zu machen, staunt: "Unglaublich, wie unaufgeregt das alles vonstatten geht." Bauleiter Krause relativiert: "Der kritische Moment kommt, wenn abgestapelt wird."

Es passt alles

Um 8.40 Uhr hat die Brücke ihren endgültigen Standort im Damm erreicht. Die Hydraulikstempel fahren nach unten. 400 Tonnen Stahlbeton werden auf vier Holzstapeln abgelassen. Passt alles? Passt. Dann wird die Brücke erneut angehoben, die Verschubbahn und die erste Lage Holz des Stapels werden entfernt. Dann die nächste Lage Holz. Wieder und wieder dieselbe Prozedur: anheben, entfernen, ablassen. "Das ist knifflig, denn es muss bis auf einen Zentimeter genau passen", sagt Krause. Die Männer arbeiten hoch konzentriert. Nach gut sechs Stunden ist es vollbracht: Die neue Unterführung ist im Damm eingepasst. Exakt. Parallel wird an den Seiten gleich verfüllt.

Es wird mit voller Kraft gearbeitet

Überhaupt wird mit voller Kraft weitergearbeitet. Der Zug- und Stadtbahnverkehr zwischen Heilbronn und Öhringen soll ja am späten Samstagabend wieder rollen. Zwei Nachtschichten sind angesetzt. "Es sind viele Anpassarbeiten zu erledigen", erklärt Projektleiter Osti. Schwellen müssen zum Beispiel gesetzt, Schienen geschweißt werden. Fußgänger und Radfahrer können den neuen Durchlass spätestens Ende September nutzen.


Daten und Fakten

In den neuen Bahndurchlass an der Weinsberger Hirschbergstraße investiert die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Euro. Die neue Unterführung für Fußgänger und Radfahrer ersetzt das alte Bauwerk in 40 Metern Entfernung. Weil es jetzt in der Nacht laut war, hat die Deutsche Bahn Anliegern Hotelgutscheine angeboten. Seit Montag sind die Schienen zwischen Heilbronn und Öhringen gesperrt.

Der Ersatzverkehr mit Bussen läuft nach Angaben der Deutschen Bahn reibungslos. Die Arbeiten am neuen Durchlass sollen an diesem Samstag so weit abgeschlossen sein, dass die Gleise ab 22 Uhr wieder freigegeben werden können. Fußgänger und Radfahrer müssen sich noch bis maximal Ende September gedulden und solange die nahe Saubachunterführung nutzen. Der Heidenbaumweg ist noch bis 31. August von der alten Eisenbahnbrücke bis zur Saubachbrücke gesperrt.

 
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