Flein
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An den Fleiner Johannesschulen heißt es: Manege frei für Artisten und Clowns

Die Kinder und Jugendlichen des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums haben in Flein haben eine Woche lang beim Zirkusprojekt für eine Vorstellung geprobt. Es ist eine Premiere. Schüler fassen dadurch Mut und gewinnen Selbstvertrauen.

Sabine Friedrich
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Lesezeit 2 Min

Die Musik ertönt, der rote Samtvorhang öffnet sich. Sarah Riedesel marschiert mit einer der Jongliergruppen in die Manege. Erst mal winkend eine Runde drehen, aufreihen und verbeugen: Dann kann es los gehen. Doris tritt als Erste hervor und zeigt, was sie alles mit dem Band kann. Sie beschreibt große und kleine Kreise und lässt das Stoffstück durch ihre Handbewegungen spiralförmig schlängeln, ohne dass es sich verknotet. Dafür bekommt sie natürlich Beifall. Erstmal von ihren Mitschülern, aber Eltern und Geschwister werden bei der Vorstellung am Samstag sicherlich auch begeistert von den Kunststückchen sein, die die 82 Hobby-Artisten der Freien Johannesschulen Flein in dieser Woche beim Zirkusprojekt mit dem Circus Piccolo einstudiert haben.

75 Minuten Programm werden geboten: Drahtseilakte, Akrobatik am Boden und am Trapez, Jonglage mit Tellern, Bällen, Keulen und Diabolo, Hula Hoop, Balancieren auf der Kugel… Was wäre ein Zirkus ohne Clowns? Die gibt es natürlich auch, ein Dutzend etwa, angeführt von Piccolina, die als "Hauptclown" die Truppe anführt, moderiert sie doch das Spektakel. Eine beachtliche Aufgabe für eine Elfjährige.

Verborgene Talente werden zutage gefördert

Sie hat Ja gesagt, als Zirkusdirektorin Monika Riedesel sie gefragt hat. Hat Tara keinen Bammel? "Eigentlich schon", antwortet das aufgeweckte und wortgewandte Mädchen. "Aber wenn ich rede, vergeht das Gefühl", meint sie nur. Das Zirkusprojekt findet die Schülerin des Förderschwerpunkts Lernen "ganz toll". Die Schüler könnten dabei ihre verborgenen Talente zeigen. Welche Begabung hat sie selbst? Tara überlegt nur kurz: "Alle lachen mit mir, das habe ich vorher nicht bemerkt", freut sich die Clownin. "Das machst du auch sehr gut", lobt Mika.

An den Fleiner Johannesschulen heißt es: Manege frei für Artisten und Clowns
Schwung nehmen, dann fliegt das Diabolo und wird aufgefangen.  Foto: Kunz, Christiana

Der 16-Jährige hat zwei Auftritte. Zum einen mit dem Diabolo, mit dem er schon als Kind jongliert hat. "Ich kann es gut." Und dann führt er mit Aaron am Trapez akrobatische Einlagen vor. "Am Anfang war es schwierig, aber mit der Zeit wurde es immer leichter", erzählt Mika. Auch sein Lampenfieber hat sich gelegt. Es habe ihn schon Überwindung gekostet, selbst vor den Schülern, die er ja alle kennt, aufzutreten. "Aber ich zeige gerne, was ich kann", klingt er selbstbewusst.

Nur nicht aufgeben, zum Schluss klappt es

Ich traue mich nicht; ich möchte mich nicht blamieren: Johannesschulen-Geschäftsführerin Susanne Villinger weiß, dass das manchem der Kinder und Jugendlichen zum Auftakt durch den Kopf gegangen ist. "Du schaffst es." "Nicht aufgeben." Mit solchen Sätzen macht Monika Riedesel Mut und motiviert. Und siehe da: "Am Ende schaffen sie es, und es hat Spaß gemacht. Das freut uns und die Kinder", sagt sie. Dass die Teilnehmer mit Down-Syndrom manche Bewegungen nicht machen dürfen, etwa keine Purzelbäume schlagen, das muss das Zirkusteam berücksichtigen. Ansonsten merkt Riedesel keinen Unterschied zu ihren Projekten mit Schülern ohne Einschränkungen oder ohne Behinderung.

An den Fleiner Johannesschulen heißt es: Manege frei für Artisten und Clowns
Ganz schön mutig sind die Schüler bei dieser Nummer am Trapez. Die sitzt perfekt, die Vorstellung kann kommen.  Foto: Kunz, Christiana

Schon bei den Proben im gelb-weißen Zirkuszelt präsentierten sich die Schüler ganz charmant und überzeugend, beobachtet Stefan Buck, Klassenlehrer der Berufsschulstufe. Die Lehrer könnten durch das Projekt - eine Premiere an der Einrichtung - ganz neue Seiten der Kinder entdecken und die Schüler ihrerseits ihre Stärken. Sie gewännen Mut und Selbstvertrauen, betont Buck. Und sie würden spielerisch an Bewegung herangeführt, so Villinger.

"Wir sind wie eine große Zirkusfamilie", freut sich Schulleiterin Daniela Michaelis über das Projekt für beide Schulzweige. Die Sechs- bis 19-Jährigen probten Seite an Seite. Sie unterstützten sich gegenseitig, ohne Aufforderung. " Das gibt sehr viel Zusammenhalt." Und so empfinde man sich als eine Schule.

Kosten übernehmen Sponsoren

Zur Generalprobe am Freitag hat Geschäftsführerin Susanne Villinger die Bewohner des benachbarten Pflegeheims "Haus zum Fels" eingeladen. "Sie haben schon die ganze Woche gespickelt."

Mit 3500 Euro von der Sparkassen-Stiftung und 1000 Euro des Lionsclubs Schozachtal kann das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung die Kosten des Zirkusprojekts decken.

 
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