Neckarsulm
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Verbundschule Neckarsulm ergänzt bestehendes Angebot

Verbundschule und etablierte Realschule: Viele Eltern wollen Viertklässler lieber am bekannten Standort anmelden. Der OB Steffen Hertwig hält den Neubau der Verbundschule dennoch für richtig.

Simon Gajer
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Lesezeit 2 Min
Verbundschule Neckarsulm ergänzt bestehendes Angebot
Die Baugrube ist ausgehoben, im Juni wird der Grundstein gelegt: Im Zentrum entstehen die neue Franz-Binder-Verbundschule sowie eine neue Sporthalle. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Stadtverwaltung, Kinder und Lehrer legen den Grundstein der Franz-Binder-Verbundschule und der benachbarten Sporthalle am Freitag, 3. Juni. Das Gesamtprojekt, das der Gemeinderat einstimmig auf den Weg gebracht hat, kostet 46,6 Millionen Euro. Unter Neckarsulmern ist das Gebäude für die Schule umstritten. Oft heißt es: Familien melden Viertklässler lieber an der Hermann-Greiner-Realschule an, als den Realschulzug der Verbundschule zu wählen. Dazu äußert sich Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig.

Viele Eltern von Viertklässlern hätten ihre Kinder nach den Sommerferien gern an der Hermann-Greiner-Realschule (HGR). Die ist aber zu klein für den Andrang, ein Teil dieser Kinder kommt nun an die Verbundschule. Wäre es bei diesen Anmeldezahlen für Neckarsulm sinnvoller gewesen, der HGR einen schönen Neubau zu gönnen und eine Verbundschule light mit Werkreal- und Gemeinschaftsschulzug zu etablieren? Nun erhält die Verbundschule einen Neubau für Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulzug.

Steffen Hertwig: Das wäre weder sinnvoll noch möglich gewesen. Die HGR ist über Jahrzehnte an ihrem Standort Stück für Stück erweitert worden. Sie stößt schon seit Längerem an ihre räumlichen Kapazitätsgrenzen. Im Zuge der Generalsanierung wird die Realschule viereinhalbzügig ausgebaut. Damit ist das maximal Mögliche an diesem Standort erreicht.

 

Eltern wollen dennoch ihre Kinder am HGR anmelden.

Hertwig: Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage für die HGR und für Realschulen im Allgemeinen sehr stark bleiben wird. Das war mit ein Grund für die Verbundschullösung: Wir bekommen keine Genehmigung für eine zweite, selbstständige Realschule in Neckarsulm. Aber wir werden einen Realschulzweig im Rahmen einer Verbundschule bekommen, die mit ein bis zwei Klassen pro Schuljahr die Nachfrage auffangen kann. Ein weiterer Ausbau der HGR ist nicht machbar.

 

Wunsch vieler bleibt die HGR: Ist der Schulneubau ein Fehler?

Hertwig: Der Neubau der Franz-Binder-Verbundschule ist keinesfalls ein Fehler. Unser Schulsystem wird immer komplizierter. Da ist es verständlich, dass Eltern auf das bereits Bewährte zurückgreifen. Mit der HGR und dem Albert-Schweitzer-Gymnasium haben wir zwei bekannte und etablierte Schulen am Standort. Und wir haben die Verbundschule als komplett neue Schulform. In den vergangenen zwei Jahren konnten wir die Verbundschule wegen Corona nicht so präsentieren und öffnen, wie es erforderlich gewesen wäre. Es war nicht gut, dass Eltern und ihre Kinder nicht hereinschnuppern konnten. Das merken wir jetzt. Die Franz-Binder-Verbundschule bietet aber ein hervorragendes pädagogisches Konzept, das das Profil der beiden etablierten Schulen wunderbar ergänzt. Wir brauchen auch weitergehende Angebote im Werkreal- und Gemeinschaftsschulbereich sowie weitergehende Angebote bei der Realschule.

 

Warum passt das neue Schulgebäude nicht auf das Gelände mit der bestehenden Johannes-Häußler-Schule?

Hertwig: Wir haben es vielfach untersucht, wir waren in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, das für die Schulen zuständig ist. Am Standort der Johannes-Häußler-Schule bleibt die Grundschule bestehen. Als Ganztagsgrundschule wird sie weiteren Raum benötigen. Die vierzügige Verbundschule, die auch ganztags unterrichtet, benötigt ein Raumprogramm, das an der Häußler-Schule nicht unterzubringen ist. Deshalb haben wir lange überlegt, die Verbundschule aufzuteilen: die Klassen fünf bis sieben an der Häußler-Schule, die älteren Schüler an der Amorbachschule. Das ist ernsthaft diskutiert worden. Pädagogen, Bauexperten, die Verwaltung: alle haben uns aber davon abgeraten.

 

 

Warum?

Hertwig: Eine Schule, die eine Einheit bilden soll, kann man nicht auf zwei Standorte verteilen. Ich bin deshalb sehr froh über den Mut und die Klarheit im Gemeinderat: Wir vermeiden ein Gehänge und Gewürge am Standort der Häußler-Schule, der nachweislich zu klein ist. Bei der Umsetzung des Raumprogramms könnte man nie eine optimale Lösung erreichen für eine moderne Schule, wie sie heute funktionieren soll. Im Gemeinderat fiel daher die Entscheidung für den Neubau der Franz-Binder-Verbundschule am Standort des ehemaligen Hallenbads.

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