Nördlicher Landkreis
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Spritpreiserhöhungen machen Busunternehmern zu schaffen

Die exorbitant in die Höhe geschossenen Spritpreise belasten nicht nur Privatleute, die an den Tankstellen mehr Geld für die gleiche Menge bezahlen. Auch für die Busunternehmen ist die aktuelle Lage mehr als angespannt.

Von von Ute Plückthun
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Lesezeit  2 Min
Auch für die Busunternehmen ist die aktuelle Lage mehr als angespannt.  Foto: Archiv/HSt

So sagt Bernhard Zartmann vom Dahenfelder Busunternehmen mit einer Familientradition seit 1925: „Irgendwann geht es an die Substanz.“ Alle sechs Wochen steht auf dem Betriebsgelände die Spritlieferung an. Dann bekommt er 35000 Liter Diesel für seine insgesamt 22 Busse, die jährlich 900000 Kilometer zurücklegen. Zwei davon sind im Auftrag des Landkreises für die Astrid-Lindgren-Schule und zur Entlastung der Fahrgastzahlen in Coronazeiten im Einsatz.

Die restlichen Busse fahren zu zwei Dritteln für die Stadt Neckarsulm. „Seit 1954, das hat mit der Bundesmustersiedlung Amorbach angefangen“, erklärt er. Mit einem Drittel bedient er die Regional Bus Stuttgart (RBS) als Subunternehmer. Den Reiseverkehr hat er bereits 2015 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

„Die Lage ist extrem belastend, es geht an den Speck“, versichert er. Die Rechnung, die er auftut, verdeutlicht seine Aussage. Vor der Erhöhung hat er den Liter für 98 Cent eingekauft, nun ist es 1,60 Euro. Das Ganze auf das Jahr mal zehn gerechnet, macht 217000 Euro, die er zusätzlich aufbringen muss. Geld, das als Rücklage in der Altersversorgung, bei Investitionen ins Betriebsgebäude oder in ein neues Fahrzeug fehle. „Es wird einfach „in den Tank reingelehrt.“ Die Fahrkartenpreise seien dagegen gleichgeblieben.

Sein Glück: „Vom Landratsamt habe ich sehr schnell einen nicht unwesentlichen Zuschuss bekommen“, hebt er hervor. Beim Neckarsulmer Linienbusverkehr könne er größere Differenz im darauffolgenden Jahr mit der Stadt abrechnen. Auf den Mehrkosten beim RBS bleibt er voraussichtlich sitzen. Wirklich enttäuscht ist er aber von Bund und Land. „Sie brüsten sich mit der Förderung des ÖPNV, bei den erhöhten Energiekosten werden wir aber im Regen stehen gelassen.“ Zugleich müsse er die einmalige Energiepreispauschale von 300 Euro pro Arbeitnehmer vorfinanzieren.

Busse mit Elektromotor, wie sie deutschlandweit schon 1200fach unterwegs sind, als schnelle Alternative? Bernhard Zartmann gibt zu bedenken, dass die Neuanschaffung jedes vom Land bezuschussten E-Busses mehr als doppelt so viel koste wie ein Dieselbus. Zumal erhebliche Investitionen in die Ladeinfrastruktur erforderlich wären. Beim jetzigen Stand „würde in Neckarsulm das Licht flackern“. Die Diskussion um grünen, da klimaneutral erzeugten Wasserstoff sieht er angesichts der Kapazitäten als „politischen Blindflug auf die batterieelektrische Geschichte hin“.

„Vollumfänglich“ bestätigt Marco Trovato, Geschäftsführer bei Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR) mit Sitz in Waiblingen, die Angaben von Bernhard Zartmann zur Belastung durch höhere Spritpreise. „Wir hatten in den jüngsten Phasen auch schon Preise, die deutlich über 1,60 Euro pro Liter lagen und wenn voraussichtlich ab 1. September der Tankrabatt des Bundes wegfällt, drohen weitere Kostensteigerungen.“ Der Diesel mache bei einem Omnibusunternehmen rund 20 Prozent der Gesamtkosten aus. „Daraus kann man ermessen, dass die enormen Preissteigerungen die Unternehmen extrem belasten.“

Die OVR betreibt Linienverkehr in Baden-Württemberg von insgesamt sechs Standorten aus. Der Betriebshof in Neuenstadt unterhält mit 26 eigenen sowie Fahrzeugen von Auftragsunternehmen elf Linien, die überwiegend Gemeinden im gesamten Kochertal bedienen und über die Linie 620 eine direkte Verbindung vom Umsteigpunkt Neuenstadt nach Heilbronn bietet.

In Sachen finanzieller Ausgleich stehe die OVR in engem Austausch mit dem Landkreis Heilbronn als Aufgabenträger. „Die Problemlage ist klar und wir suchen nach gemeinsamen Lösungen, um einen leistungsfähigen ÖPNV auch in diesen sehr schwierigen Zeiten weiter zu sichern.“ Er ist sich eines guten Ergebnisses sicher, denn eines sei klar: „Die aktuellen Kostensteigerungen können über die Ticketpreise nicht 1:1 an unsere Fahrgäste weitergegeben werden.“

Klimaanlage muss laufen

Die Klimaanlage im Bus nach unten drehen, um Sprit zu sparen? „In der Pandemie, in der die Fahrgäste mit Maske im Bus sitzen, und bei der Hitze ist das nicht machbar“, sagt Bernhard Zartmann zur Wetterlage und zur besseren Durchlüftung. Und eine spritsparende Fahrweise? Sie sei bereits vor der Erhöhung übliche Praxis gewesen. Auch Marco Trovato betont: „Leider sind die aktuellen Einsparpotentiale sehr begrenzt.“ Obwohl bereits einige Hybridfahrzeuge im Einsatz seien und das Fahrpersonal regelmäßig in Bezug auf wirtschaftliche Fahrweise geschult sei: „Die enormen Kostensteigerungen können durch solche Maßnahmen nicht ansatzweise aufgefangen werden.“                           

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