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Möckmühl

Rund 230 neue Einwohner für Züttlingen

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Der Gemeinderat in Möckmühl hat dem Planentwurf zum Wohnbaugebiet Brückenstraße zugestimmt. Rat und Anwohner brachten einige Bedenken vor.

Von Ute Plückthun
Einst Zuckerfabrik, dann Therapiegelände, inzwischen Brache und zukünftig vielleicht Wohnstätte für bis zu 230 Menschen: Das Areal in der Brückenstraße wird sich erneut deutlich wandeln.
Foto: Ute Plückthun
Einst Zuckerfabrik, dann Therapiegelände, inzwischen Brache und zukünftig vielleicht Wohnstätte für bis zu 230 Menschen: Das Areal in der Brückenstraße wird sich erneut deutlich wandeln. Foto: Ute Plückthun  Foto: Plückthun, Ute

Noch schlummert das drei Hektar große Areal an der Brückenstraße im Dornröschenschlaf. Bald jedoch könnte Leben in die Brache kommen, nachdem der Gemeinderat den Planentwurf für 95 Reihenhäuser in Dreier- und Vierergruppen genehmigt hat. Allerdings regten sich bei einigen Räten sowie Anwohnern aus der Brücken- und Frankenstraße Bedenken.

Die "relativ strenge Anlage" stellte Planer Michel Breuninger von der Arbeitsgruppe Objekt und Stadtplanung gemeinsam mit dem Architekten Klaus Echsler sowie Michael Schumacher, Mitgeschäftsführer des Investors Betz Baupartner vor. Das sehr lange, schmale und nicht einfach zu bebauende Grundstück mit östlicher Hanglage erfordere die klare Grundordnung.

Was entstehen soll, sei "für Züttlingen nicht gerade wenig"

Es entsteht ein Wohngebiet zwischen Jagst und Bahnlinie mit Wohnflächen von 110 bis 150 Quadratmetern für rund 230 Bewohner. Im Wohneigentum, aber mit Gemeinschaftsflächen entlang der Jagst und der Begrünung.

Westlich der Brückenstraße sind insgesamt neun Satteldach-Reihenhausanlagen mit 34 Einheiten geplant. Zur Jagst hin soll es acht Reihenhausblöcke mit je vier Einheiten und begrüntem Flachdach geben. Weitere 29 Einheiten in acht Satteldach-Reihenhausanlagen gibt es östlich der Brückenstraße.

Stellplätze sind ein schwieriges Thema

Knapp 60 Stellplätze werden vor den Häusern östlich der Brückenstraße, vereinzelt auch im restlichen Gebiet, eingerichtet. Zudem neun Garagen im südlichen Teil und ein Parkhaus für rund 80 Fahrzeuge auf der Freifläche vor dem Backsteingebäude, dessen Zukunft noch ungewiss ist. Das renovierte Seminarhaus könnte zur Kinderbetreuung genutzt werden.

Hans-Joachim Valet (CDU) störte, dass es direkt vor vielen Häusern keine Stellplätze gebe. Dem hielt Planer Breuning entgegen, dass zum Entladen an den Häusern geparkt werden dürfe. Zudem sei die Straße begradigt und mit einem Wendehammer versehen worden. "90 Prozent der Fahrzeuge sind unter Dach und Fach", versicherte er zu Tempo 30 und im vorderen Bereich untergebrachtem Verkehr. "Es wird keine Blechlawine geben."

Eng wird es im Areal - und Hochwasser birgt Gefahren

Diese befürchtete Hubertus Graf zu Waldburg-Wolfegg (CDU) bei Bau und Anlieferungen für die Anwohner der Frankenstraße. "Dort ist es jetzt schon sehr eng." Er sagte Erschütterungen und eine "Welle von Schadenersatzansprüchen" voraus. Auch führte er die Hochwasserproblematik ins Feld: "Da muss man erst einmal eine Elementarschadenversicherung finden." Für die Stadt gebe es das Gebiet zudem nicht zum Nulltarif.

Dem hielt Bürgermeister Ulrich Stammer erlaubtes Bauen im Bereich eines "HQ extrem" entgegen. Auf die Stadt kämen nur 26 215 Euro für die Beleuchtung und 23 860 Euro Anteil für die Treppe zum Bahnhof zu. Kosten für Straßenbau und Erschließung seien Sache des Investors.

Die Umweltprüfung sowie passiven Lärmschutz für einen sehr kleinen Teil der Häuser östlich der Brückenstraße hatte Planer Breuninger schon zuvor ausgeführt. Ebenso Hochwasservorkehrungen. So soll das Parkhaus auf einen Meter hohe Stelzen errichtet, das Gelände links um 30 bis 40 Zentimeter und rechts beim Silo bis zu 1,75 Meter aufgeschüttet werden. "Die Erdgeschossfußbodenhöhe liegt über der maximal denkbaren Hochwasserentwicklung."

Nachdem die Zuckerfabrik früher sogar betoniert gewesen sei, habe sie bei anderen Versiegelungen mehr Bedenken, sagte Karoline Capelle-Pfahl (Grüne). Auch Manfred Föll (SPD) konnte der verdichteten Bauweise mit Reihenhäusern mehr Charme abgewinnen als etwa Mehrfamilienwohnbau. Bürgermeister Stammer versicherte, dass alle angeführten Kritikpunkte in Griff zu bekommen seien. Nicht aber der Wohnraumdruck: "Die 90 Plätze im Brandhölzle hätten wir fünfmal verkaufen können."

Nun erfolgt im vorhabenbezogenen Bebauungsplan die Offenlage für vier Wochen, die erneute Abwägung und eventuell noch 2021 der Satzungsbeschluss.

Das Areal hat eine Vorgeschichte

Mit der Kampagne 1971 ging die Geschichte der Züttlinger Zuckerfabrik zu Ende. Vom Ausgang der 1970er Jahre bis 2015 wurde auf dem Areal die Reha Jagsttal betrieben. In der Therapieeinrichtung wurden drogenabhängige Männer stationär aufgenommen. Dort arbeiteten Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Arbeitstherapeuten, Verwaltungsangestellte sowie externe Sporttherapeuten.

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