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Freilichtspiele Neuenstadt feiern gelungene Premiere von "Das hat man nun davon"

Bei der Premiere der Freilichtspiele Neuenstadt herrscht befreite Stimmung. Das Stück stellt sich als Herausforderung für die Lachmuskeln heraus.

Katharina Müller
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Lesezeit 3 Min
Freilichtspiele Neuenstadt feiern gelungene Premiere von "Das hat man nun davon"
Willi Winzig ist unsterblich in Tierärztin Dr. Sigrid Kubin (links) verliebt, was der Stenotypistin Fräulein Donald gar nicht gefällt. Als er seine Angebetete dann auch noch verteidigt und seinen Chef beschimpft, nimmt die Misere ihren Lauf. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

"Wollen Sie zu den Freilichtspielen?": Wer an diesem Premierenabend mit dem Auto ankommt, spürt bereits bei den Parkplatzeinweisern die Vorfreude und gute Laune, mit der alle Beteiligten in die Spielzeit 2022 starten. Vor dem Kassenpavillon hat sich eine kurze Schlange gebildet, in der Lindenanlage unterhalten sich Gäste ausgelassen, prosten sich zu und freuen sich auf einen unbeschwerten Abend mit der Komödie "Das hat man nun davon".

"Die Freilichtspiele sind eine Institution und der Abend ist perfekt", schwärmt ein Gast aus Obersulm. Im Getümmel steht auch einer, der heute eine ganz persönliche Premiere erlebt. Norbert Heuser ist zum ersten Mal als Landrat und nicht als Bürgermeister zu Gast. "Die Freude ist groß, aber mit angezogener Handbremse", sagt er mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen.

Freilichtspiele Neuenstadt | Neuenstadt | 17.06.2022 | 29 Bilder | Fotograf: Andreas Veigel

Corona ist aber spätestens vergessen, als Fräulein Donald (Corina Deininger) die Zuschauer mit einem lauten "Morgen" in ihren Arbeitsalltag im Finanzministerium entführt. Hier arbeitet auch Willi Winzig, der kurz vor seiner Pensionierung steht und noch nicht weiß, dass er bald unerwartet Karriere machen wird: "Die Pension ist das einzige Vergnügen, das ein Beamter sich leisten kann", erklärt er.

Benjamin Ehnle spielt die Rolle des Amtsschreibers mit Bravour, so dass man sich nach dem Abklingen der einen bereits auf die nächste Pointe freut. Ihm, aber auch den anderen Laien-Schauspielern, ist es gelungen, den angestaubten Text und den Heinz Erhardtschen Witz in die heutige Zeit zu bringen. Das Publikum dankt es mit vielen spontanen Lachsalven und lautem Applaus.

Nach Ausraster soll Willi Winzig nur noch die halbe Pension bekommen

Gehörig Schwung in die Amtsstube bringt Tierärztin Dr. Sigrid Kubin (Johanna Effenberger), die auf Fördergelder aus ist. In breitem Schwäbisch verhandelt und flirtet sie, was das Zeug hält. Als sie jedoch weinend im Korridor sitzt, verteidigt der schwer verliebte Willi Winzig sie und beschimpft Sektionschef Dolleschall (Lars Tönnies) als Tyrann. Zur Strafe soll er nur seine halbe Pension bekommen.

Jetzt nimmt die Misere ihren Lauf: Willi Winzig stellt sich verrückt, um der Bestrafung zu entgehen. Das hatte ihm zuvor bereits Dr. Senn (Paul Schmidt) geraten, der Willi Winzig dabei erwischte, wie er über Jahre Mahnungen verschwinden hatte lassen. Urkomisch versucht der Amtsschreiber seine Vorgesetzten also von seinem Wahnsinn zu überzeugen und erscheint zum Beispiel mit Indianerfedern und buntem Anzug zu einem Empfang. Doch egal was er anstellt, am Ende steigt er die Karriereleiter immer weiter hinauf.

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Die Darbietung auf der Bühne begeistert aber nicht nur durch große Pointen, sondern vor allem durch Kleinigkeiten. Der schräge Mundwinkel und die gespreizten Finger, mit denen Lars Tönnies etwa aus Herrn Dolleschall diesen herrlich verstockten Beamten macht, sind zum Schreien. Laura Großkopf spielt sich als Fräulein Waguscheid mit riesiger blauer Schleife auf dem Kopf und der Naivität ihrer Figur in die Herzen der Zuschauer. Und wenn sich Fräulein Donald an Willi Winzig abarbeitet, um seine Zuneigung zu erhaschen, ist das eine Herausforderung für die Lachmuskeln.

Nicht umsonst platzen die Regisseure Cosima Greeven und Christian Marten-Molnár nach der Vorstellung vor Stolz. "Das Stück funktioniert hauptsächlich über den Text und die Darsteller", erklärt Greeven. Das hätten die Schauspieler perfekt umgesetzt. "Theater braucht Publikum", fügt Marten-Molnár hinzu. Es sei sehr schön gewesen, wie das, was man sich in den Proben erhofft hat, an diesem Premierenabend funktionierte.

Im Sommer 2023 wird "Der eingebildete Kranke" zu sehen sein

Mit knapp 600 Zuschauern war die Premiere nicht ausverkauft. Auch für die anderen Vorstellungen von "Das hat man nun davon", die bis 31. Juli zu sehen sind, sind noch Karten zu haben. Infos hierzu unter: www.freilichtspiele-neuenstadt.de. Im Winter bringen die Freilichtspiele das Stück "Das Maß der Dinge auf die Bühne". Erstmals ist 2023 auch ein Kinderstück geplant, für das noch Helfer gesucht werden. Das Sommerstück "Der eingebildete Kranke" wird vom 16. Juni bis 30 Juli gezeigt.

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