Jagsthausen/Langenbrettach
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Dorfläden trumpfen mit Regionalität auf

Regale haben auch in Dorfläden Lücken, aber Mehl und Öl aus der Nachbarschaft ist zu haben. Kreative Ideen helfen in der Krise.

Katharina Müller
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Lesezeit 2 Min
Dorfläden trumpfen mit Regionalität auf
Ausverkauft: Sonnenblumenöl ist auch im Dorfladen Jagsthausen derzeit Mangelware. Cordula Müller muss bei ihrem Einkauf deshalb auf ein etwas teureres Olivenöl ausweichen. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Schnell mal Öl oder Mehl einkaufen, können Verbraucher seit einigen Wochen nicht mehr so einfach. Die Produkte sind in den Supermarktregalen zeitweise vergriffen oder um einiges teurer. Auch in Dorfläden sind die Preise gestiegen und manche Produkte schlecht verfügbar. Dafür trumpfen sie mit regionalen Lebensmitteln auf. Die Kunden bleiben also nicht aus, weil sie lieber in Discountern auf Schnäppchenjagd gehen, sagt die Jagsthäuser Dorfladen-Chefin Annette Hofmann. Im Schnitt kämen nach wie vor täglich 450 Menschen.

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Sonnenblumenöl auch im Dorfladen knapp

Lücken in den Regalen gibt es im Dorfladen Jagsthausen aber schon. Gerade Sonnenblumenöl sei bei den Lieferungen nur sehr selten dabei. Das Hauptsortiment erhält das Geschäft von Edeka. Auch die günstigeren Ein-Kilo-Mehl-Pakete sind Mangelware, sagt Annette Hofmann. Wenn sie einmal zehn Päckchen bekomme, seien die sehr schnell wieder ausverkauft. Deshalb habe sie die Abgabemenge pro Kunde für knappe Lebensmittel reduziert. Mehl von regionalen Mühlen sei aber immer zu haben gewesen in den vergangenen Wochen. Nur seien es da größere Mengen pro Packung, die nicht jeder Kunde brauche, weiß die Marktleiterin.

Ob Lieferanten wie Edeka vielleicht zuerst ihre Märkte versorgen und deshalb für die kleineren Geschäfte nichts mehr übrig bleibt, weiß Hofmann nicht. Als auf den Lieferzetteln immer wieder "nicht lieferbar" stand, hatte sie sich aber umgesehen und festgestellt: "Dort sind die Öl-Regale auch leer." Es sei also ein grundsätzliches Problem.

So verhält es sich auch mit den Preisen. "Wir mussten reihum erhöhen", sagt Annette Hofmann. Manche Produkte seien sogar 30 bis 40 Cent teurer geworden. Die Kunden wüssten aber, dass das in den Supermärkten und Discountern auch der Fall ist und hielten dem Dorfladen die Treue. Trotzdem werden Hofmann und ihre Kolleginnen häufig gefragt, ob eine Verbesserung in Sicht ist.

Energiekosten werden in Langenbeutingen noch nicht auf Preise umgelegt

Das Ende der Preiserhöhungen ist noch nicht erreicht, ist sich Wolfgang Triebel, Vorstandsmitglied des Dorfladens Langenbeutingen, sicher. Auch er berichtet von einigen Produkten, die teurer geworden sind. Lieferanten würden inzwischen Zuschläge für Energiekosten berechnen. "Die legen wir derzeit aber noch nicht auf die Preise um", sagt er. Das soll so lange beibehalten werden wie es geht, um die Kunden zu entlasten. "Man merkt, dass die Leute preisbewusster einkaufen", sagt Wolfgang Triebel.

In den ersten vier Monaten des Jahres sei der Umsatz leicht zurückgegangen. Dass die Zahlen im vergangenen Jahr teils besser waren, habe aber auch damit zu tun, dass die Menschen zu Angstkäufen geneigt haben. Selbst in dieser Zeit sei die Ware aber nie ausgegangen. "Wir haben immer rechtzeitig gegengesteuert", betont Wolfgang Triebel.

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Immer eine Alternative im Günstig-Preissegment anzubieten, sei für den Dorfladen Langenbeutingen um einiges schwieriger geworden, erläutert Wolfgang Triebel. Trotzdem versuche man es weiterhin.

Für den Mangel an Sonnenblumenöl hat sich das Dorfladen-Team eine kreative Lösung überlegt, die laut Wolfgang Triebel bei den Kunden gut ankommt. "Wir kaufen es in größeren Gebinden und füllen es in Behälter der Kunden ab." So sei Sonnenblumenöl in Langenbeutingen momentan fast immer zu haben. Von regionalen Anbietern gebe es in diesem Bereich ebenso wie beim Mehl ohnehin keine Probleme.

Wegfall von Corona-Maßnahmen ist Erleichterung für Mitarbeiterinnen

Der Wegfall der Corona-Maßnahmen hat sich im Dorfladen-Café in Jagsthausen bemerkbar gemacht, sagt Markleiterin Annette Hofmann. "Es geht wieder mehr." Auch für die Mitarbeiterinnen sei es lockerer, seit sie keine Nachweise mehr kontrollieren müssten. Die Kunden seien anfangs noch häufig mit Maske gekommen, als die Pflicht frisch abgeschafft war. Das habe inzwischen nachgelassen. In Langenbeutingen, wo der Dorfladen ebenfalls ein Café hat, werde das Maske-Tragen weiter empfohlen, sagt Wolfgang Triebel. Dass die Pflicht aufgehoben ist, sei dennoch eine Erleichterung, da die Mitarbeiter nicht mehr mit uneinsichtigen Kunden diskutieren müssten. Da hätten sie es ab und zu schwer gehabt.

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