Denkmalschutz bekommt in Bad Wimpfen Vorrang: Keine Solar- und PV-Anlagen in der Altstadt
Das öffentliche Interesse am Ausbau von Solar- und Photovoltaikanlagen in Bad Wimpfen ist groß. Nun entscheidet der Gemeinderat: Denkmalschutz ist wichtiger.

Größte Kaiserpfalz nördlich der Alpen und fester Bestandteil im Lehrbuch der europäischen Städtebaugeschichte: Die denkmalgeschützte Gesamtanlage "Altstadt am Berg" ist ein "in höchstem Maße raumwirksames Kulturdenkmal". Das hatte Landeskonservator Martin Hahn dem Gemeinderat bereits im Juni dargelegt. In der jetzigen Ratssitzung würdigte auch Bürgermeister Andreas Zaffran das "gigantische historische Erbe", das sich links und rechts weit über die Hauptstraße hinaus erstreckt: "In Baden-Württemberg sind wir Top drei, in Deutschland Top zehn."
Altstadt in Bad Wimpfen: Nicht alle Flächen sind tragfähig
Mit fünf Gegenstimmen beschloss der Gemeinderat, dass die kulturhistorische Bedeutung schwerer wiegt als das öffentliche Interesse am Ausbau von Solar- und Photovoltaikanlagen in der Altstadt. Zumal, wie der Rathauschef ergänzte, längst nicht alle historischen Dachflächen für Solar- und PV-Anlagen tragfähig wären. Davon ausgenommen seien etwa denkmalgerechte Solarziegel, die in Form und Farbe den Anforderungen des Denkmalschutzes entsprächen, aber derzeit noch sehr teuer seien. Außerdem werde man mit der Energeno alle kommunalen Dachflächen außerhalb der Altstadt bestücken und die Bewohner der Altstadt finanziell privilegiert beteiligen: "Ein Stück weit ein Ausgleich für die, die keine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach installieren können."
Der Beschluss schmeckte nicht allen Gemeinderäten. Bettina Scheid-Mosbacher (WiSe) verwahrte sich dagegen, die Flächen für unbegrenzte Zeit auszuschließen. Zaffran: "Wir schließen das ja nicht zwangsweise für alle Ewigkeit aus." Wenn sich neue Technologien oder andere Zwänge ergäben, sei der Beschluss wieder änderbar.
Überprüfung im Einzelfall gefordert: Doch noch Solaranlagen möglich?
Gegen ein "generelles Verbot" wandte sich Georg Rakutt (Grüne): "Ich sehe es als Bevormundung, wenn wir den Bürgern das versagen." Er forderte eine Überprüfung im Einzelfall. "Wir reden hier auch von Flächen, die nicht vom Blauen Turm und der Straße aus einsehbar sind." Martin Feuerstein (Grüne) kritisierte die massive Einschränkung für die Altstadtbewohner. Er gab die Weiterentwicklung der Technik mit einer bis vor einigen Jahren nicht für möglich gehaltenen Belegung von Dächern in Ost- oder Westausrichtung zu bedenken. Zugleich rechnete er beim erzeugten Strom den finanziellen Verlust von Einspeisung statt Eigennutzung vor.
Michael Bahr (UB/FDP) signalisierte Zustimmung zur Verwaltungsvorlage. Seine erkrankte Fraktionskollegin Elke Frühling mache indessen fehlende Verfügungsgewalt über Eigentum und immer größer werdende Einschränkungen aus. Mit der Forderung von "großzügigen Kompensationsregelungen" hätte sie sich enthalten. Hansjörg Diehm rief das Mathildenbad in Erinnerung und verwahrte sich "gegen jegliche Maßnahmen, die das alte Stadtbild kaputt machen".
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