Storch landet gern in großen Kliniken
Wo soll ich mein Kind zur Welt bringen? Mit dieser Frage setzt sich ein Großteil der werdenden Mütter spätestens in der Endphase der Schwangerschaft intensiv auseinander.

Paare besuchen zusammen Infoabende in Kliniken, begutachten Räume und Personal. Sie lassen sich durch Geburtsabteilungen führen oder suchen im Internet nach einem Angebot, das ihren Vorstellungen von der bevorstehenden Geburt am nächsten kommt.
Kombination
91.505 Kinder sind 2013 in Baden-Württemberg zur Welt gekommen, davon 89 241 in einem Krankenhaus.* Rund zwei Drittel der Krankenhaus-Geburten, nämlich 60.125, entfielen auf Häuser mit mindestens 200 Betten − zum Vergleich: das Bad Friedrichshaller SLK-Klinikum am Plattenwald verfügt als mittelgroßes Haus derzeit über rund 320 Betten, das Klinikum Ludwigsburg als Haus der Zentralversorgung über 1005.
Die Geburtenzahlen spiegeln wider, dass immer mehr kleine Geburtshilfe-Abteilungen schließen − und Entbindungen zu Hause mit einer Hebamme aufgrund der erschwerten Berufshaftungs-Bedingungen fast unmöglich geworden sind. Gleichzeitig ist die Sicherheit einer größeren Klinik − eventuell mit Anbindung an eine Kinderklinik inklusive Frühgeborenen-Versorgung (Neonatologie) − offenbar für viele werdenden Eltern ausschlaggebend bei der Entscheidung über den Ort der Entbindung.
Ludwigsburg und Heilbronn bei Frühgeburten
Professor Wolfgang Heyl, verantwortlich für die Geburtshilfe an den Häusern der Regionalen Kliniken Holding RKH Ludwigsburg, bestätigt das. Er sagt: "Gefragt ist eine Kombination aus maximaler Sicherheit und familienorientierter Umgebung." Für werdende Eltern sei es wichtig zu wissen, dass zum Beispiel bei einer überraschenden Frühgeburt eine qualifizierte und schnelle Versorgung des Kindes möglich sei − Ludwigsburg und Heilbronn verfügen über ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe, in dem auch sehr kleine Frühgeborene betreut werden können. Gleichzeitig, so Heyl, wollten die Frauen sich gut aufgehoben fühlen − betreut von einem zugewandten und freundlichen Team, das seinen Job gern mache und das auch ausstrahle.
Für Sandra Weingart steht der Sicherheits-Aspekt bei ihrer Entscheidung für eine Entbindungsklinik im Vordergrund. Die 35-Jährige aus Leingarten hat schon ihren ersten Sohn Maximilian am Gesundbrunnen in Heilbronn bekommen und sich dort "gut aufgehoben und umsorgt gefühlt". Auch das zweite Kind soll in wenigen Wochen dort zur Welt kommen. "Im Notfall kann es sofort adäquat betreut werden und muss nicht an eine andere Klinik verlegt werden", sagt Weingart.
Denn bei einem Notkaiserschnitt, zum Beispiel wegen eines Geburtsstillstandes mit Sauerstoffmangel beim Kind − ist Eile gefragt. Das Zeitfenster, das die Ärzte dann haben, um bleibende Schäden zu verhindern, ist extrem kurz. Manchmal sind es nur wenige Minuten, um das Baby zu holen und es kinderärztlich oder intensivmedizinisch zu versorgen.

Sicherheit und Schnelligkeit haben deshalb Priorität − auch schon in den alten Räumen des Ludwigsburger Klinikums, die optisch etwas in die Jahre gekommen sind. "Wenn mein Piepser ein bestimmtes Signal sendet, dann renne ich los, rüber in den Kreißsaal", sagt Heyl. Ein roter Notfallknopf ist in allen vier Entbindungsräumen installiert. Wenn er gedrückt wird, werden zeitgleich diensthabende Ärzte und Schwestern aller notwendigen Abteilungen informiert.
Ab 2016 wird auch die Aufenthaltsqualität für junge Familien modernen Bedürfnissen gerecht werden: Dann wird das neue Frauen-Kind-Zentrum fertig sein, das Frauenklinik und Kinderintensivstation zusammenführt und direkt an die bestehende Kinderklinik angebunden ist.
Umkehr
Seit 2002 ist Heyl Chef in Ludwigsburg. Er vertritt damit das größte Geburtshilfe-Angebot unter einem Dach in der Umgebung − mit den RKH-Häusern in Ludwigsburg, Bietigheim, Mühlacker und Bruchsal. In jüngster Zeit zeichne sich eine Umkehr in der Geburtshilfe ab, sagt er. "Man versucht, der Natur wieder mehr Raum zu lassen." Seit 1990 ist die Kaiserschnittrate im Land deutlich gestiegen. 1990 lag sie noch bei rund 14 Prozent, 2013 bei 32,6 Prozent. In Ludwigsburg liegt die Quote mit rund 30 Prozent bereits unter dem Landesschnitt − und sie soll weiter sinken, so der 56-Jährige. "Der Trend zur physiologischen Geburt kommt wieder."
In Ludwigsburg läuft dazu ein Modellprojekt gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück. "Wir wollen lernen, wieder geduldiger zu sein bei der Geburtseinleitung, wann immer das mit maximaler Sicherheit möglich ist", sagt Heyl. Eine Hebammensprechstunde für werdende Mütter, bei der Risiken schon früh erkannt werden sollen, ist dafür ebenfalls seit 2014 eingerichtet.
*Alle nicht anders ausgewiesenen Daten stammen vom Statistischen Landesamt.
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