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Wie der Heinrich-Schütz-Chor in Heilbronn seinen 75. Geburtstag feiert

Zweieinhalb Jahre Pandemie haben auch beim Heinrich-Schütz-Chor in Heilbronn Spuren hinterlassen. Doch der traditionsreiche Oratorienchor blickt mit Leidenschaft und Lust auf Kooperationen nach vorne - und hat in seinem Jubiläumsjahr noch zwei Konzerte geplant.

Christoph Feil
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Lesezeit 2 Min
Wie der Heinrich-Schütz-Chor in Heilbronn seinen 75. Geburtstag feiert
Musikalischer Auftakt zum Jubiläumsjahr des Heinrich-Schütz-Chores im Mai: Die Sängerinnen und Sänger führen gemeinsam mit der Jungen Orchesterakademie der Region Franken John Rutters "Magnificat" in der Kilianskirche auf.  Foto: Seidel, Ralf

"Überraschend gut". So lautet Michael Böttchers Antwort auf die Frage, wie es dem Heinrich-Schütz-Chor im 75. Jahr seines Bestehens geht. Natürlich waren die zurückliegenden zweieinhalb Pandemie-Jahre, in denen gemeinschaftliches Singen zum Teil überhaupt nicht oder nur mit Auflagen möglich war, auch für den Heilbronner Oratorienchor eine große Herausforderung. Aber: Der Schlüssel zur Bewältigung dieser Situation war, so der musikalische Leiter, dass es Menschen gab, die irgendwie weitermachen wollten und nach Lösungen gesucht haben.

Anstatt von Laien spricht der Professor für Chor- und Orchesterleitung an der Frankfurter Musikhochschule übrigens lieber von Amateuren. Denn: "Ein Amateur, das ist jemand, der eine Leidenschaft für etwas hat, alles dafür tut und sich dafür qualifiziert." Im Heinrich-Schütz-Chor zum Beispiel durch Stimmbildung.

An Sängerinnen und Sänger im Alter von 30 bis 40 Jahren mangelt es

"Wir sind noch da", freut sich Jutta Dongus, erste Vorsitzende des Chores. Und: "Wir sind immer noch 81 Mitglieder." Geprobt wird freitagabends in der Waldorfschule in Heilbronn. Gleichwohl ist die Zahl der aktiven Sänger auf aktuell die Hälfte geschrumpft. Bei den kleineren Konzerten wirkten zuletzt 35 Personen aus dem Chor mit. "Aber ich bin mir sicher, dass die Anzahl wieder größer wird", sagt Dongus, die einräumt, dass Nachwuchs auch für den Heinrich-Schütz-Chor immer ein Thema sei.

"Um junge Sängerinnen und Sänger zu gewinnen, ist es wichtig, dass man im Chor bereits welche hat", so die 63-Jährige. Etwa eine Handvoll Sängerinnen sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. Was insbesondere fehlt, sind 30- bis 40-Jährige. Zwei Mitglieder wiederum haben noch unter Professor Fritz Werner gesungen.

Internationale Konzertreisen und Plattenaufnahmen

Wie der Heinrich-Schütz-Chor in Heilbronn seinen 75. Geburtstag feiert
Freuen sich, dass bei Probenarbeit und Chorleben wieder Normalität einkehrt: Dirigent Michael Böttcher und Jutta Dongus, erste Chor-Vorsitzende. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Der damalige Kirchenmusikdirektor der Heilbronner Kilianskirche hatte den Chor 1947 gegründet und bis 1973 geleitet. Insbesondere zwei Barockkomponisten zählten zu Fritz" Favoriten: Namensgeber Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach. So entstanden etwa für die französische Plattenfirma Erato ab den späten 50er Jahren Aufnahmen aller Bach-Oratorien, der Motetten und einiger Kantaten.

Nach Manfred Schreier, der den Chor - nicht unumstritten - an die Neue Musik heranführte, Theophil Hammer und Hermann Forschner übernahm 1995 Michael Böttcher den Dirigentenstab. Höhepunkt zum 50. Jubiläum: die Aufführung der "Grande Messe des Morts" von Hector Berlioz mit einem nahezu 300-köpfigen Ensemble in Heilbronn und Paris. Ein unfassbarer Aufwand, wie sich Michael Böttcher erinnert. "Ein solches Projekt mehr als einmal in seinem Leben zu machen, kommt nicht in Frage." Über seine eigene Zeit am Pult sagt der 59-Jährige, dass sich währenddessen die Anzahl der Kooperationen vergrößert habe. Zusammengearbeitet hat der Heinrich-Schütz-Chor beispielsweise schon mit dem WKO, HSO, dem Theater Heilbronn für das Stück "Wie im Himmel" und dem Saxofon-Quartett Claire Obscure für Faurés "Requiem op. 48".

Was das Ensemble auch mit 75 Jahren lebendig hält

Wie der Heinrich-Schütz-Chor in Heilbronn seinen 75. Geburtstag feiert
Fritz Werner war 1947 der Gründungsvater des Chores. Foto: HSt-Archiv  Foto: HSt-Archiv

Kontinuität aber auch immer wieder etwas Neues auszuprobieren, seien es neue Werke fürs Repertoire oder neue Kooperationen: "Das fordert den Chor und hält ihn lebendig", sagt Jutta Dongus, die an der geistlichen Chormusik vor allem die Gewaltigkeit des Klangs und das Gefühl, Teil von etwas Großem, Ganzem zu sein, schätzt.

Und was hat sich der freie Chor, der sich selbst finanziert, für dieses Jubiläumsjahr vorgenommen? Ein Konzert fand bereits im Mai statt mit der Jungen Orchesterakademie der Region Franken. Auf dem Programm stand John Rutters "Magnificat", das der Chor schon einmal 2016 aufgeführt hatte. Ein zweites Konzert ist für den 25. September mit Werken von Monteverdi, Gabrieli, Schütz und Mendelssohn geplant, dann mit dem Ensemble Hohenlohe Brass, mit dem die Sänger bereits mehrfach zusammengearbeitet haben. Am 18. Dezember soll das Weihnachtsoratorium von Bach folgen. Aufführungsort ist jeweils die Kilianskirche.


Namensgeber

Heinrich Schütz (1585-1672) gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des 17. Jahrhunderts. In seinen Werken führte er die protestantische Kirchenmusik mit der italienischen Vokalmusik zusammen. Ungeachtet der Wertschätzung durch seine Zeitgenossen, geriet Schütz nach seinem Tod allerdings für fast 200 Jahre in Vergessenheit.

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