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Wie Alexandra Stiller ihre Liebe zur Literatur auf Instagram mit anderen Menschen teilt

"Ich kann nicht ohne Bücher, Lesen ist mein Lebenselixier", sagt Alexandra Stiller aus Obergimpern. Als alex_coffee_books erreicht die Bookstagrammerin mehrere Tausend Abonnenten. Doch kann man davon auch leben?

Christoph Feil
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Lesezeit 3 Min
Wie Alexandra Stiller ihre Liebe zur Literatur auf Instagram mit anderen Menschen teilt
"Als ob ich mit der Person in einem Café sitze und über ein Buch rede": Alexandra Stiller aus Obergimpern schreibt subjektiv und emotional über Literatur. Foto: Christiana Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Ich möchte einfach nur Bücher und Menschen zusammenbringen. Und das, wenn möglich, auf der persönlichsten Ebene", sagt Alexandra Stiller aus Obergimpern. Seit zehn Jahren betreibt die gebürtige Hessin deswegen ihren Literaturblog "Bücherkaffee". Auch auf der Social-Media-Plattform Instagram ist sie aktiv, veröffentlicht als alex_coffee_books regelmäßig Beiträge etwa mit Buchbesprechungen, Zitaten aus Romanen oder Fragen an die Menschen, die ihr folgen. Knapp 14.000 Abonnenten hat ihr Account, der Großteil ist weiblich.

Während sich für Nutzer, die auf Instagram Bilder, Texte und Videoclips rund um das Thema Literatur posten, der Begriff Bookstagrammer eingebürgert hat - eine Zusammensetzung aus dem englischen Wort Books, also Bücher, und dem Namen der Plattform - bezeichnet Stiller sich selbst gerne als Literaturvermittlerin. Im Hauptberuf ist sie Prokuristin in der Firma ihres Mannes.

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Wie Bookstagrammer und Literaturblogger Geld verdienen

Veranstaltungen moderieren, die Ehrengastländer der Buchmessen publizistisch begleiten, für Verlage Bücher promoten: Wer als Buchblogger und Bookstagrammer breit aufgestellt sei und sich der Sache konsequent verschreibe, könne davon heute durchaus leben, erklärt die 43-Jährige: "Einige haben sich damit komplett selbstständig gemacht." Wobei der Weg, bis die Buchbranche diese Form der Literaturvermittlung anerkannt habe, nicht einfach gewesen sei.

Sie selbst hat ein Nebengewerbe angemeldet und macht beispielsweise für Verlage circa sechs Kampagnen pro Jahr. Allerdings unter der Voraussetzung, dass ihr das Buch gefällt, wie Alexandra Stiller betont. Beiträge, die auf eine Zusammenarbeit mit einem Verlag zurückgehen, seien gekennzeichnet als Werbung oder Kooperation. "Das ist eine faire Handhabe", findet sie. Und dann erstellt Stiller noch ganz analog Papiercollagen, wovon zwei von Verlagen kürzlich als Buchcover-Motiv ausgewählt wurden.

Ihre subjektiven, emotionalen Beiträge sieht Alexandra Stiller als Ergänzung zum klassischen Feuilleton

"Was hat ein Buch mit mir angestellt?", das ist für Stiller die wichtigste Frage, wenn sie ihre Lektüre in ihren Beiträgen reflektiert. Ihre sehr subjektive, emotionale Auseinandersetzung mit Literatur sieht sie als Ergänzung zur professionellen Rezension. Damit erreiche sie auch eine andere Zielgruppe, nämlich "Leserinnen und Leser, die nicht das klassische Feuilleton lesen, jede Literatursendung mitnehmen und meine persönliche Meinungen schätzen". "Für mich soll es so sein, als ob ich mit der Person in einem Café sitze und über ein Buch rede", fasst Alexandra Stiller ihre Art der Publikumsansprache zusammen.

"Ich kann nicht ohne Bücher, Lesen ist ein Lebenselixier für mich", sagt sie. Begonnen hat diese Leidenschaft im Kindesalter, von ihrer Mutter wurde Stiller früh an Literatur herangeführt. Viel Zeit verbrachte sie in einer kleinen Bibliothek in Bingen bei Sigmaringen, wo sie aufgewachsen ist. "Damals gab es noch diese Karten hinten in den Büchern, auf denen man unterschreiben musste, wenn man sie auslieh", erinnert sich die 43-Jährige. Auf einigen Karten stand fast nur ihr Name, etwa auf derjenigen zu Astrid Lindgrens "Ronja Räubertochter". Eine Lieblingsautorin oder ein Lieblingsgenre hat sie nicht. Es gibt aber Schriftsteller, von denen Alexandra Stiller alles liest, dazu zählen Haruki Murakami, Doris Knecht, Mareike Fallwickl und Sibylle Berg.

So kam die heute 43-Jährige einst zum Bloggen und Posten

Mit dem Bloggen begonnen hat Stiller, als sie vor einigen Jahren zu ihrem jetzigen Mann gezogen ist und zunächst Schwierigkeiten hatte, in der neuen Heimat Anschluss zu finden sowie Menschen, mit denen sie über Bücher reden konnte. Später kamen ein Facebook- und der Instagram-Auftritt dazu. Inzwischen hat sich der Schwerpunkt in die sozialen Medien verlegt. Den Blog im Hintergrund mit bisweilen längeren Texten möchte Stiller dennoch niemals aufgeben. Auch weil er ihr zufolge viele Zugriffe über Google verzeichnet.

Durch Instagram und Co. sind die verschiedenen Akteure viel enger zusammengerückt, hat die Literaturvermittlerin beobachtet. Das Smartphone ist ein wichtiges Arbeitsmittel. "Die Kommunikation zwischen Verlagen, Autoren und Bloggern ist anders geworden, schneller und effektiver." Und natürlich der Austausch mit den Abonnenten. Zwei bis drei Stunden investiert Alexandra Stiller täglich in ihren Onlineauftritt sowie weitere Zeit grundsätzlich jedes Wochenende. Und dann liest sie ja auch noch viel. Denn darum geht es ja eigentlich.


Lektüretipps

Gefragt nach drei Lesetipps, empfiehlt Alexandra Stiller diese Titel: "Die Wut, die bleibt" (Rowohlt) von Mareike Fallwickl - ein Roman, der unter anderem zeige, "wie wichtig Anerkennung für den Job Mutter in unserer Gesellschaft ist". "Ein Buch, das sich damit befasst, wie es ist, kein Kind zu haben" ist Linn Strømsborgs "Nie, nie, nie" (Dumont). Außerdem: der raffinierte Kurzgeschichtenband "Milch Blut Hitze" von Dantiel W. Moniz (C.H. Beck).

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