Heilbronn
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Streichquintette von Mozart, Bruckner und Zemlinsky

Das Bartholdy-Quintett präsentiert beim Kulturring in der Harmonie Heilbronn kammermusikalische Preziosen.

Von Leonore Welzin
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Lesezeit 2 Min
Streichquintette von Mozart, Bruckner und Zemlinsky
Beim Konzert des Kulturrings ließ das Bartholdy-Quintett nicht nur Mozarts Genialität aufblühen. Auch Zemlinsky und Bruckner standen auf dem Programm. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Kurz vor der französischen Revolution begann Mozart, sich von adeligen Auftraggebern zu lösen und nicht für einen Auftraggeber, sondern für den "freien Markt" zu komponieren. Streichquintette kamen gerade in Mode, so hoffte er am Boom zu partizipieren, zumal er sich, laut Programmheft der sechsten Veranstaltung des Kulturrings Heilbronn, "im Quintett, anders als im Streichquartett, nicht der erdrückenden Konkurrenz Joseph Haydns aussetzen musste." Haydn wusste nicht wohin mit der zusätzlichen Stimme, ganz im Gegensatz zu Mozart. Hellwach blüht das agile Genie in der Fülle der Variationsmöglichkeiten auf, wird zum Pionier der neuen kammermusikalischen Form.

Mozarts Streichquintett C-Dur KV 515 - gerahmt von Alexander Zemlinskys "Zwei Sätze für Streichquintett in d-Moll" (am Anfang des Programms) und Anton Bruckners "Streichquintett in F-Dur" als markanter Schluss - lenken das Augenmerk auf kammermusikalischen Preziosen und spannen den zeitlichen Bogen dieses Genres über ein Jahrhundert.

Was das Bartholdy-Quintett auszeichnet, ist das blinde Vertrauen, das die fünf Musiker im Laufe ihres 13-jährigen Zusammenspiels entwickelt haben

Engagieren namhafte Viererbesetzungen im Allgemeinen einen zusätzlichen Bratschisten, um Quintette aufführen zu können, spielt das Bartholdy-Quintett seit seiner Gründung im Mendelssohnjahr 2009 in fester Besetzung. Besonders ist auch die Sitzordnung: In der Mitte, am Cello geerdet, Gustav Rivinius, der die unsichtbaren Klangfäden in der Hand zu halten scheint. Zu seiner Rechten die Violinen, Anke Dill und Ulf Schneider. Zu seiner Linken die Bratschen Barbara Westphal und Volker Jacobsen. Mit delikater Bogenführung und schlafwandlerischer Sicherheit gehen die fünf Musiker Mozarts Klangfarbenfülle und vibrierende Lust an Variationen an.

Das solistische Cello tanzt mit einem forsch in die Höhe strebenden C-Dur-Dreiklang voran, die erste Geige antwortet empfindsam mit einer Arabeske. Die Mittelstimmen begleiten mit pochenden Achteln. Plötzlich wechseln die Außenstimmen die Rollen, vertauschen C-Dur mit c-Moll und erhöhen so die Dramatik des Dialogs. Szenisch wird die Dramatik durch die symmetrische Sitzordnung im Gegenüber von Viola und Violinen noch unterstrichen. Dabei fällt bei Mozart immer wieder auf: Nicht das Cello ist der Gegenpart der Violinen, sondern die Bratsche, sein eigenes Instrument, und das gleich doppelt besetzt.

So fließend wie Mozarts Stimmführung im Wechsel der Instrumente, so flexibel ist die Rollenverteilung

Erste und zweite Geige sind nicht festgelegt, sondern wechseln die Plätze, ebenso die Bratschen. Während Volker Jacobsen mit der Introduktion aus Zemlinskys "Zwei Sätze für Streichquintett" den Ton angibt, verleiht Barbara Westphal Mozart und Bruckner in der Poleposition sublime Geschmeidigkeit. Übernimmt Anke Dill mit Leidenschaft die Führungsrolle der ersten Geige bei Bruckners opulentem, ins sinfonische drängenden Streichquintett F-Dur, erfüllt Ulf Schneider diesen Part bei Mozart und Zemlinsky nicht weniger engagiert.

Von Zemlinskys viersätzigem Werk haben sich nur die Ecksätze erhalten, das Allegro in der Sonatenform des "Fin de Siècle" und das Finale. Dieses "Prestissimo mit Humor" in D-Dur fand bei der Uraufführung größten Anklang, selbst bei einem Zuhörer, der das Werk eher kritisch prüfte: Johannes Brahms. Der Elan, mit dem die Musiker den Humor herauskitzeln, zeigt Wirkung: Bravos! Etwas schüchtern zwar, aber berechtigt.

Das Bartholdy-Quintett ist ein eingespieltes Team

Eine Beziehung ohne Trauschein - die führt das Bartholdy-Quintett nach eigener Aussage seit 2009. Tatsächlich geht"s in dieser wilden Ehe harmonischer zu als in manch anderem festen Ensemble, denn die Geiger Ulf Schneider und Anke Dill, die Bratschisten Barbara Westphal und Volker Jacobsen und der Cellist Gustav Rivinius sind vielfach ausgezeichnete und mit allen Formationen gewaschene Kammermusiker, die sich neugierig auf ein wenig beackertes Feld wagen: Das Repertoire an Streichquintetten.

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