Jagsthausen
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Premiere von "Monty Python's Spamalot" bei den Burgfestspielen in Jagsthausen

Mit dem Musical, basierend auf dem Monty Python-Film "Ritter der Kokosnuß", wurde am Samstag die 71. Spielzeit der Burgfestspiele eröffnet. Eva Hosemanns gelungene Inszenierung fängt den schwarzen und absurden Humor der britischen Komikertruppe gut ein.

Ranjo Döring
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Lesezeit 2 Min
Premiere von "Monty Python's Spamalot" bei den Burgfestspielen in Jagsthausen
König Artus (Jeff Zach, vorne rechts) begibt sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Foto: Burgfestspiele Jagsthausen  Foto: Burgfestspiele Jagsthausen

"Welcome back", sagt Roland Halter, hält einen Moment inne und blickt über die fast ausverkaufte Tribüne im Hof der Götzenburg. Viel Erleichterung schwingt in diesen zwei Worten mit nach zwei Jahren, in denen die Burgfestspiele pandemiebedingt pausieren mussten. Halter, Bürgermeister von Jagsthausen und Geschäftsführer der Burgfestspiele, lässt in seiner Eröffnungsrede dann auch die schwierige Zeit Revue passieren, die bestimmt war von Verschiebungen, Absagen und Existenzängsten.

Doch der Blick geht wieder nach vorne, das Publikum ist zurück im Burghof. Nachdem die beiden Kinderstücke bereits Anfang Juni zur Aufführung kamen, wurde die 71. Spielzeit am Samstagabend mit "Monty Python"s Spamalot" offiziell eröffnet. Das mehrfach preisgekrönte satirische Musical beruht auf dem Filmklassiker "Ritter der Kokosnuß" (1975) der britischen Kult-Blödeltruppe Monty Python. Im Mittelpunkt des Stücks: die seit Jahrtausenden währende Suche der Menschheit nach dem Heiligen Gral, aus dem Jesus beim letzten Abendmahl getrunken haben soll.

Ritter auf der Suche nach dem Heiligen Gral

Im mittelalterlichen Britannien, im Jahr 932 nach Christus, tritt König Artus (Jeff Zach) an, ein Land zu einen, das nicht nur von Franzosen und Engländern regiert wird, sondern in dem auch Pest und Cholera wüten. Gemeinsam mit seinem treuen Diener Patsy (Carlo Benz), der mit zwei Kokosnusshälften auch als Pferdeersatz fungiert, durchstreift Artus die englische Provinz, um die feinsten und vornehmsten Ritter des Landes für seine Tafelrunde in Camelot zu finden. Schnell ist mit Lancelot (Dan Glazer), Galahad (Raphael Dörr), Robin (Frank Roder) und Bedevere (Sarah Kattih) eine muntere und chaotische Truppe zusammengestellt.

Von Gott, oder besser gesagt der Stimme einer Göttin, - im Fall von "Spamalot" ist Gott weiblich - bekommen der König und seine Gefolgsleute die Aufgabe, den Heiligen Gral zu finden. Der Startschuss für eine skurrile Reise, auf der die Ritter der Tafelrunde allerhand abstrusen Gestalten begegnen: streitsüchtigen Franzosen, den verrückten Rittern von Ni, einem Zauberer und einer gebieterisch-zickigen Fee aus dem See (Helena Blöcker).

Nicht mehr provozierend, aber liebenswert

Eva Hosemanns Comedy-Musical braucht ein wenig, um auf Touren zu kommen, mit einem gut aufgelegten Ensemble gelingt es der Inszenierung dann aber, den berühmten schwarzen und absurden Humor der Komikertruppe einzufangen. Selbstironisch werden mittelalterliche Mythen und die Kirche verballhornt, Gender-Klischees auf den Kopf gestellt und klassische Musical-Konventionen durch den Kakao gezogen. So provozierend wie vor 50 Jahren ist das natürlich alles nicht mehr, viel mehr liebenswert nostalgisch.

Wer die Filmvorlage kennt, wird vieles wiederentdecken, kann darüber schmunzeln, wie manche Szenen im Burghof mit einfachsten Mitteln umgesetzt werden. Ein durch die Luft geworfenes Stofftier wird beispielsweise zum gefährlichen Killerkaninchen. Das versprüht den Charme des Unperfekten, der auch die Monty Python-Filme so liebenswert machte. Nette Regiekniffe sorgen für Abwechslung: "Götz"-Darsteller Stephan Szász schließt sich kurzzeitig den Rittern an, um festzustellen, dass er im falschen Stück gelandet ist.

Die vielköpfige Live-Band im Burghof spielt sich gekonnt durch die abwechslungsreiche Partitur von John du Prez und Eric Idle, gekrönt vom größten Hit "Always look on the bright side of life", entliehen aus dem Python-Film "Das Leben des Brian". Mit viel Applaus endet nach zwei Stunden ein vergnüglicher Musical-Abend, der an manchen Stellen aber noch ein wenig bissiger hätte ausfallen können.


Weitere Vorstellungen

www.burgfestspiele-jagsthausen.de

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