Bad Friedrichshall
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Musikerfamilie Nuss: Von Duttenberg in die Welt

In einem stillgelegten Bad Friedrichshaller Bauernhof liegen die Wurzeln international gefragter Bläser und Pianisten. Aus der Duttenberger Musikerfamilie Nuss gingen etliche Profis hervor, einer gewann schon einen Grammy.

Kilian Krauth
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Lesezeit 3 Min
Musikerfamilie Nuss: Von Duttenberg in die Welt
Ludwig Nuss hat als einer der wenigen Deutschen einen Grammy gewonnen.  Foto: privat

Wer heute durch die Entengasse im Bad Friedrichshaller Stadtteil Duttenberg schlendert, kann nicht ahnen, was sich hier vor 40, 50 Jahren abspielte. Alles war mit Musik erfüllt. In Haus Nr. 5 ließ Matthias Erlewein, zwischenzeitlich beim New Yorker Kult-Label Blue Note unter Vertrag, das Saxofon jauchzen. In Nr. 6 jazzte Trompeter Sepp Herzog, heute bundesweit gefragter Big-Band-Leader, locker übers hohe C hinaus. Richtig in sich hatte es Nr. 3, der Bauernhof der Familie Nuss, eine wahre Hochburg der Musik und der Spielfreude.

Hier liegen die Wurzeln von Ludwig Nuss, des Ersten Posaunisten der WDR-Bigband, des Jazz-Professors Hubert Nuss und weiterer hochbegabter (Nachwuchs-)Musiker: Jazz- und Klassik-Pianist Benyamin Nuss hat mit seinen 33 Jahren schon zwölf Preise eingeheimst, 17 CDs eingespielt und Konzerte in aller Welt gegeben. Bruder Jonathan ist Soloposaunist der Staatskapelle Dresden, Arbeitsplatz Semperoper, wo er bei Weihnachts- oder Neujahrskonzerten im Fernsehen neben seinem Cousin zu entdecken ist, dem Tubisten Dominik.

Musik in der DNA

Musikerfamilie Nuss: Von Duttenberg in die Welt
Jonathan Nuss" Arbeitsplatz ist die Semperoper in Dresden. Fotos: privat  Foto: privat

"Wir waren von jeher eine Musikerfamilie: Blasmusiker, Organisten, Kirchenmusiker." Der 60-Jährige Ludwig Nuss und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Hubert erinnern sich gut, wie bei Familienfeiern "aus dem Stand vierstimmig Silcherlieder angestimmt wurden" oder sie zu Mutter Hildegards Orgelspiel Choräle sangen: mit Vater Karl und anderen Geschwistern, darunter der heute im Unterland als Sänger und Chorleiter bekannte Michael Nuss.

Schlüsselfiguren aus Kochendorf

Als weitere Schlüsselfiguren nennt Ludwig den Dirigenten Herbert Baur, "der in unseren Musikverein Jazz-Anklänge reingebracht hat" und Werner Blaut. Der 94-Jährige Kochendorfer hat vor 45 Jahren die SBF-Bigband aus der Taufe gehoben, aus der etliche Unterländer Jazz-Profis hervorgegangen sind.

Lehre bei Sproesser in Heilbronn

Nach der Lehre im Heilbronner Musikhaus Sproesser wagt Ludwig, der eigentlich hätte Landwirt werden sollen, bei der Musikhochschule Köln bei Jiggs Whigham vorzuspielen - und wird aufgenommen. Über das Musical Starlight Express sowie SWR und NDR findet er 1996 zur WDR-Bigband, mit der er als einer der wenigen Deutschen 2007 einen Grammy gewinnt und 2022 als Nominierter zur Gala nach Las Vegas fliegt. "Lady Gaga zu sehen, ist schon cool", mit fast allen Jazz-Größen der Welt auf der Bühne gestanden zu haben nicht minder. "Etwas Besonderes" aber bleiben Projekte mit Freund Jürgen Doc Dollmann, mit dem Sohn, mit dem Bruder.

Musikerfamilie Nuss: Von Duttenberg in die Welt
Zu Hubert Nuss sagte Paul Kuhn, er sei das größte deutsche Jazz-Piano-Talent.  Foto: privat

Hubert Nuss, für Paul Kuhn "das größte deutsche Jazz-Piano-Talent", genießt als katholischer Internatsschüler in Mergentheim und Ellwangen eine klassische Klavier- und Orgelausbildung, wird aber ebenfalls dank Blaut "vom Jazz infiziert". Neben Dozenturen, die ihn an Hochschulen in Weimar, Mannheim, Berlin sowie aktuell Köln und Stuttgart führen, findet er Zeit für eigene Kompositionen, Konzert- und CD-Projekte, vor allem mit Peter Weniger sowie im Trio mit John Goldsby und John Riley. Dass auch Hubert Weltstars begleitet, liegt auf der Hand: Shirley Bassey, Ack van Royen, Till Brönner und und und.

Rund um den Globus

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Benyamin Nuss (33) hat schon 17 CDs eingespielt und zwölf Preise gewonnen.  Foto: privat

Relaxed reagiert der Feingeist, wenn jemand mutmaßt, Neffe Benyamin, der laut Mutter Hatijah bereits als Dreijähriger am Klavier "Freude schöner Götterfunken" intoniert, könnte ihn überflügeln: so wie an Pfingsten beim Heimspiel in Kochendorf. Benyamins Ausbildung, unter anderem an der Musikschule Unterer Neckar, startet klassisch über Hochschule, Wettbewerbe und Stipendien bis zum ersten Plattenvertrag bei Universal.

Sein Repertoire reicht von Liszt und Debussy über die Moderne bis zur Musik der großen Computer- und Videospiele, mit denen er bei Tourneen um den halben Globus in Asien ganze Stadien füllt. Daneben tritt er mit dem Fries-Nuss-Quartett oder mit John Goldsby und seinem Vater auf, gerne auch daheim, wo er mit Ehefrau Shiori Doi-Nuss, einer Posaunistin, keinen Steinwurf vom Bruder und Cousin entfernt wohnt.

Es geht grad so weiter

"Etwas G"scheits gelernt", also klassische Musik, hat auch Benyamins Bruder Jonathan, wie alle Nuss-Musiker mehrfacher Bundespreisträger bei Jugend musiziert. Er ist nach Verträgen mit dem Münchner Rundfunkorchester, Sinfonieorchester Aachen und WDR Funkhausorchester, seit 2018 Soloposaunist der Staatskapelle Dresden und oft im TV zu sehen oder aktuell sogar in der Begleitmusik zu einem "Rammstein"-Titel zu hören: so wie sein Cousin Dominik, der nach seiner Lehrtätigkeit in Frankenhausen seit Juli beim Landespolizeiorchester Dresden die Tuba spielt, aber weiter bei den Bamberger Symphonikern, beim WDR und der Dresdner Philharmonie aushilft.

Es geht grad so weiter. Der Sohn von Tante Franziska, Fabian Körner, darf nicht vergessen werden, betonen alle. Bereits als Student "muss" er für seinen Professor an der Karlsruher Oper einspringen. "Das kommt davon, wenn man einem Neffen ein Instrument ausleiht", meint Ludwig Nuss und spricht von einem "Überflieger". Wenn ein Nuss sowas sagt, muss es stimmen.

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Benyamin Nuss (33) hat schon 17 CDs eingespielt und zwölf Preise gewonnen.  Foto: privat
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Jonathan Nuss" Arbeitsplatz ist die Semperoper in Dresden. Fotos: privat  Foto: privat
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Ludwig Nuss hat als einer der wenigen Deutschen einen Grammy gewonnen.  Foto: privat
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Dominik Nuss spielte nebenher bei einem aktuellen "Rammstein"-Titel mit.  Foto: privat
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