Mario Barth vor seinem Heilbronn-Auftritt: "Comedy und Unterhaltung gehen nur, indem ich anecke"
In seinem Büro feilt Mario Barth in diesen Tagen noch an den letzten Details für seine neue Show. Am Sonntagabend (16. Oktober), 19 Uhr, ist der 49-Jährige damit zu Gast im Redblue in Heilbronn.
Am Telefon haben wir uns mit dem Comedian unterhalten - über sein anhaltendes Interesse am Thema Männer und Frauen, über Beziehungstipps und die Deutsche Bahn.
Herr Barth, „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“ hieß vor gut 20 Jahren Ihr erstes Bühnenprogramm. Auch in Ihrer neuen Show, so lässt es der Titel erahnen, geht es um Geschlechter und ihre Beziehung zueinander. Was lässt sich nach all der Zeit dem Thema noch abgewinnen?
Mario Barth: Das Thema Männer und Frauen hat vor mir schon Heinz Erhardt gemacht, nach mir wird es ein anderer machen. Das ist unerschöpflich. Ich betrachte das mit einem humorvollen Auge. Ich habe mehr Frauen als Fans als Männer. Frauen amüsieren sich darüber wirklich köstlich, weil ich ihnen nett und charmant den Spiegel vorhalte.
So schnell werden Sie der Sache also nicht überdrüssig?
Barth: Nein. Das ist ein bisschen so, als wenn man AC/DC fragt: „Jetzt macht Ihr nun schon 50 Jahre Rock. Wann fangt Ihr denn an mit Folklore?“ Angus Young würde jetzt auch nicht plötzlich Geige spielen, selbst wenn er’s könnte. Wenn ich als Fan eine Karte kaufe für AC/DC, erwarte ich AC/DC. Wenn ich mir eine Karte kaufe für André Rieu, gleiches Spiel.
Nach Männer sind Schweine, primitiv, peinlich, schuld, bekloppt und faul behaupten sie nun: Männer sind Frauen. Wird es am Sonntagabend im Redblue in Heilbronn also auch um Diversität gehen?
Barth: Der neue Programmtitel „Männer sind Frauen, manchmal aber auch ... vielleicht“ spiegelt das Schwammige wider. Alles ist so schwammig. Wenn Robert Habeck zum Beispiel erklärt, wie man Insolvenz verhindert. Oder es wusste zum Schluss bei den Corona-Maßnahmen keiner mehr, was darf ich denn überhaupt noch? Aber ich werde jetzt nicht sozialkritisch, ich mache auch kein Kabarett. Und ich kann garantieren, dass ich während des Programms nicht gendere.
Sie sind gegen das Gendern?
Barth: Ich gehöre zur Minderheit der 86 Prozent der Bundesbevölkerung, die absolut dagegen sind.
Wie vertragen sich Humor und Haltung?
Barth: Wenn ich keine Haltung und Meinung mehr habe, lese ich Nachrichten vor. Comedy und Unterhaltung gehen nur, indem ich anecke. Es gibt immer eine Gruppe, die sich angegriffen fühlt. Witzigerweise kann ich auch nur etwas bewegen und verändern, indem ich für den Einen oder Anderen unbequem bin und nicht zu allem ja sage und nicke.
Gleichzeitig sagen Sie aber, Sie haben keine Botschaft, sondern wollen nur unterhalten.
Barth: Wenn ich sehe, dass es Familien gibt, die momentan echte Sorgen haben, dann ist es gerade jetzt total wichtig, dass Entertainment stattfindet. Ich habe aber keinen Lehrauftrag in diesem Leben. Menschen müssen nicht in mein Programm kommen und sich zuvor informieren: „Wer ist unser innenpolitischer Sprecher? Was ist eine kalte Progression? Warum gibt es eine Gaspreisbremse?“
Seit neuestem sind Sie für RTL auch als Liebesretter und Beziehungsexperte im Einsatz. Verraten Sie uns doch mal ein paar Tipps, damit es in der Partnerschaft gut läuft?
Barth: Wichtig für eine Beziehung, wenn man die lange führen will, ist der Respekt. Und Gleichberechtigung. Die sehe ich, wie meine Freundin glücklicherweise auch, aber nicht darin, dass sie genauso toll wie ich die Reifen wechseln kann, sondern dass ihre Argumente genauso schwer wiegen wie meine. Wir sind auf Augenhöhe. Bei uns gibt es aber eine klare Rollenverteilung. Eine weitere Botschaft lautet: Wenn zwei sich gefunden haben, dann bleibt zusammen und arbeitet an der Beziehung. Denn auch bei einem neuen Partner bleiben die Probleme dieselben.
Werden Sie eigentlich mit der Bahn nach Heilbronn anreisen?
Barth: (lacht) Nein. Ich finde die Maskenpflicht im Zug totalen Schwachsinn. Im Flugzeug brauche ich keine Maske, im Zug ja, Oktoberfest war ohne. Ich bin kein Querulant und kein Verschwörungstheoretiker. Ich bin geimpft, ich bin geboostert. Ich verstehe nur manche Verordnung einfach nicht mehr. Daher werde ich jetzt erstmal nicht mit dem Zug fahren, aber ich habe überhaupt nichts gegen die Deutsche Bahn. Auf Tour macht Bahnfahren für mich allerdings wenig Sinn, denn ich stehe zwar alleine auf der Bühne, bin aber mit einer 30-Mann starken Crew unterwegs. Wir reisen mit LKWs, Bussen und PKW, weil es nur so möglich ist, das aufwändige Bühnenbild, das Equipment und alle Crewmitglieder von einer Tourstadt pünktlich zum Auftritt in die nächste Arena zu bringen.
Sollten Bund und Länder ein Nachfolgemodell zum Neun-Euro-Ticket finanzieren? Oder hätte dieses dann gute Chancen, auch in Ihrer TV-Show „Mario Barth deckt auf“ als Verschwendung von Steuergeldern angeprangert zu werden?
Barth: Dieter Nuhr sagte mal: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten“. Und ich habe keine Ahnung von diesem Neun-Euro-Ticket. Ich habe das nicht gekauft. Ich fahre mit meinem Auto, ich fliege mit dem Flugzeug und fahre ganz selten Bahn. Und ob ein Nachfolgeticket einen Sinn macht, weiß ich nicht, kann ich Ihnen nicht sagen.
Mario Barth, geboren 1972 in Berlin-Mariendorf, besuchte eine katholische Privatschule und absolvierte bei Siemens eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker. Nach Schauspielunterricht und Workshops tourte er 2001 mit seinem ersten Bühnenprogramm "Männer sind Schweine, Frauen aber auch!". In der RTL-Show "Mario Barth deckt auf" prangert der Comedian und Moderator angebliche Steuerverschwendung an, in der TV-Sendung "Mario Barth rettet deine Liebe" (ebenfalls RTL) gibt der 49-Jährige seit kurzem Beziehungstipps. Im vergangenen Frühjahr machte Barth Schlagzeilen, als er aus einem ICE geworfen wurde, weil er die Schutzmaske nicht korrekt getragen haben soll.
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