Heilbronn
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Konzentrierte Positionen der Bildhauerei: Neue Ausstellung im Museum im Deutschhof

Eine Entwicklungsgeschichte der Bildhauerei vom 19. Jahrhundert bis heute exemplarisch veranschaulichen: "Ausgezeichnet!", die neue Schau im Museum im Deutschhof in Heilbronn, zeigt Skulpturen und Plastiken der Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung und Museumssammlung.

Christoph Feil
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Lesezeit 3 Min
Konzentrierte Positionen der Bildhauerei: Neue Ausstellung im Museum im Deutschhof
"You and Me": zwei Köpfe aus Muranoglas von Thomas Schütte, Vogelmann-Preisträger 2014.  Foto: Veigel, Andreas

Dass die Städtischen Museen Heilbronn ihren Sammlungsbestand vor allem im Bereich Bildhauerei seit den 80ern erweitern können, verdanken sie dem 2003 verstorbenen Heilbronner Unternehmer und Kunstmäzen Ernst Franz Vogelmann sowie seiner 1996 gegründeten Stiftung. Sieht man einmal von den zwei größeren Skulpturen der Künstler Richard Deacon und Ay?e Erkmen ab, die vor der Harmonie und am Adolf-Cluss-Steg zu sehen sind, zählen 21 plastische Werke zum Konvolut, das durch Gelder des Mäzens und der Stiftung inzwischen zusammengetragen wurde.

Weil ein Museum aber nicht nur für sein Depot sammelt, sondern seine Schätze auch zeigen möchte, präsentiert eine neue Schau nun eine Auswahl aus diesem Bestand innerhalb des Bestands - ergänzt um weitere Werke aus der hauseigenen Sammlung. Bis 8. Januar 2023 ist "Ausgezeichnet! Skulpturen und Plastiken der Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung und Museumssammlung", so der Titel, im Museum im Deutschhof zu sehen.

Gezeigt werden unter anderem Werke von Rodin, Picasso und Matisse

Anhand von 30 Exponaten eine Entwicklungsgeschichte der Bildhauerei vom 19. bis zum 21. Jahrhundert exemplarisch zu veranschaulichen, ist eines der Ziele der Ausstellung. So lässt sich etwa verfolgen, wie gegenständliche Positionen allmählich von abstrakten abgelöst werden. Vertreten sind unter anderem Arbeiten von Auguste Rodin, Aristide Maillol, André Derain, Henri Laurens, Pablo Picasso, Henri Matisse, Julio Gonzáles und Alberto Giacometti.

Eine Art Best-of also? Für die präsentierten Arbeiten der Klassischen Moderne lässt Museumschef Marc Gundel, der die Schau auch kuratiert hat, dieses Etikett gelten. "Bei den Zeitgenössischen haben wir aber noch ein bisschen mehr", sagt der Kunsthistoriker beim Presserundgang vorab.

Konzentrierte Positionen der Bildhauerei: Neue Ausstellung im Museum im Deutschhof
Marc Gundel mit einer Stahlskulptur des deutschen Bildhauers Hans Uhlmann, eines Künstlers, dem der Museumschef gerne eine Einzelausstellung widmen würde.  Foto: Veigel, Andreas

Was wurde wann aus welchem Grund gesammelt?

Das andere Ziel von "Ausgezeichnet!": Aufzuzeigen, warum Ankäufe zu einem bestimmten Zeitpunkt getätigt wurden, wie Gundel erklärt, der über die Motivation seines Vorgängers Andreas Pfeiffer, des Mäzens Vogelmann sowie dessen Stiftung bei der Ausstellungsvorbereitung auch immer mehr Klarheit erlangte. Bis Mitte der 90er spielte beispielsweise Frankreich bei den Erwerbungen eine sehr wichtige Rolle, weil die Kunstgeschichte dort die Entwicklung der modernen Skulptur verortet, so der Museumschef.

Zum Teil handelt es sich bei den Exponaten um sogenannte Bozzetti, italienisch für Skizzen. "Die sind besonders toll, weil sie erste Ideen umsetzen", schwärmt Marc Gundel. Gefertigt aus sensiblen Materialien wie Gips und Terrakotta, waren sie einst günstiger auf dem Markt zu haben als beispielsweise Skulpturen aus Bronze, so der Kurator. Daneben sind aber auch Arbeiten aus zeitgemäßeren Materialien wie Eisen, Stahl, Draht und Glas zu sehen.

Seit 2007 lobt die Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung alle drei Jahre den mit mittlerweile 30 000 Euro dotierten gleichnamigen Skulpturenpreis aus, der ebenfalls mit Ankäufen verbunden ist. Und so bietet der letzte, weniger homogene Raum der Ausstellung ein Wiedersehen mit Arbeiten der beiden Preisträger Thomas Schütte (2014) und Ay?e Erkmen (2020) - ergänzt um Werke der Bildhauerin und Objektkünstlerin Christiane Möbus.

Wie es danach mit den Exponaten weitergehen soll

Über diese zeitlich begrenzte Präsentation hinaus soll das gesamte Stiftungs-Konvolut übrigens einen Ausstellungsort bekommen, an dem es dauerhaft zu sehen ist. So ist laut der Aufsichtsratsvorsitzenden der Stiftung, Iris Baars-Werner, angedacht, das Dachgeschoss des Museums zu einer Vogelmann-Galerie umzubauen.

Oberbürgermeister Harry Mergel stehe auch hinter dem Projekt, so Baars-Werner. Im Dezember hoffe man, einen ersten Einblick ins Konzept gewähren zu können, das Marc Gundel erstellt habe.


Zwei Begriffe

Skulptur und Plastik: "Das wird oft durcheinandergeworfen, ist aber nicht ganz fair", erklärt Museumschef Marc Gundel. Denn der handwerkliche Umgang damit unterscheidet sich. So wird bei der Plastik aus einem weichen Material wie Ton oder Keramik ein Rohling geformt, der eine Hülle bekommt. Der Rohling wird dann zerstört, in die Hülle, also die Negativform wird das Metall oder Glas gegossen. Die Skulptur hingegen wird beispielsweise aus Holz geschnitzt oder Stahl geschweißt.

Ausstellungsdauer

Die Ausstellung "Ausgezeichnet! Skulpturen und Plastiken der Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung und Museumssammlung" im Museum im Deutschhof in Heilbronn ist zu sehen bis 8. Januar 2023. Geöffnet mittwochs bis sonntags sowie feiertags jeweils von 10 bis 17 Uhr, dienstag von 10 bis 19 Uhr. Montags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

 
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