"Komm, wir finden einen Schatz" feiert in der Boxx Premiere
Das Stück "Komm, wir finden einen Schatz" nach einer Geschichte von Janosch erzählt vom Glück der kleinen Dinge. Nicole Buhr hat es für die Boxx des Heilbronner Theaters inszeniert.

Man muss sich den kleinen Bären und den nicht minder kleinen Tiger als glückliche Zeitgenossen vorstellen. Der Bär angelt, der Tiger bringt den Fisch auf den Tisch. Danach? Kehren sie in ihren Schaukelstuhl zurück, der Ofen bullert, der Bienenstich schmeckt. Das Leben ist schön, ihre Freundschaft auch. Denn Freunde sind sie, die beiden Helden aus den Geschichten von Janosch. "Uns geht es gut", sagen sie in der Boxx weise. "Wir müssen uns nicht fürchten, denn wir sind stark. Stark wie ein Tiger, stark wie ein Bär." Sie sind verschieden, aber unzertrennlich. Bis eines Tages der Eimer mit den Fischen leer bleibt. Und sie ins Grübeln kommen.
Genau hier setzt die märchenhafte Geschichte "Komm, wir finden einen Schatz" ein, die kleine Theaterfans ab drei Jahre anspricht. Frei nach Motiven von Janosch, in starken Bilder umgesetzt und coronagerecht auf die Bühne gebracht von Regisseurin Nicole Buhr. Nein, knuddeln, das dürfen sie sich nicht, der kleine Bär (Andreas Schlegel) und der kleine Tiger (Rouven Klischies), huckepacktragen auch nicht. Nah sind sie sich trotzdem, auf eine ungleich intensivere Art.
Tiger und Bär werden von den Objekten ihrer Begierde verführt
Wie einst die gutmütigen Räuber aus dem "Wirtshaus im Spessart" fangen sie also an zu träumen, der Bär und der Tiger. Und schon beginnt der Schlamassel. Ach, was wäre es schön, reich zu sein. Dann wären sie in der Lage, auf dem Markt Forellen zu kaufen, dann könnten sie sich endlich eine Hollywoodschaukel besorgen und Stiefel aus Fell. Im Hintergrund der Bühne (Ausstattung: Katja Bierbrauer) leuchten in einem Schaukasten die Objekte ihrer Begierde auf, sie glänzen schön verlockend, blenden die beiden Helden, verführen sie.
Nein, das sei verraten, Bär und Tiger, die Schatzsucher, werden für lange Zeit außer Rand und Band sein, ihr Bärenverstand und ihr Tigermut in Vergessenheit geraten. Denn, Hand aufs Bärenherz: Seit wann benötigt ein Bär von Welt Stiefel aus Fell? Wieso sollten sie ihren kommoden Schaukelstuhl gegen eine Hollywoodschaukel austauschen? Und weshalb sollten sie Forellen kaufen, wenn doch der Bach vor ihrer Haustür plätschert? So funktioniert Kapitalismus, mögen die Erwachsenen seufzen. Ältere Wilhelm Busch, den alten Moralisten, anrufen, der immer schon wusste: "Ein jeder Wunsch, wenn erfüllt, kriegt augenblicklich Junge."
Ursprung Kindertheater
Die Geschichte des Kindertheaters im deutschsprachigen Raum geht bis auf den Barock-Dichter Christian Gryphius (1649-1706) im 17. Jahrhundert zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden in West- und Ostdeutschland viele Kinderbühnen begründet, das Berliner Grips-Theater verbindet ab den 1960er Jahren einen sozial engagierten Ansatz mit frischer Ästhetik.
Die Kinder aber, sie ahnen schon, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Denn Gier, die wird bestraft im Märchen. Konsequent. Immer. Doch, Janosch wäre nicht Janosch, wenn Bär und Tiger nicht eine Läuterung erfahren würden: Auf ihrer spannenden Reise, die Nicole Buhr so raffiniert wie einfach durch mit schlichten Brettern verbundenen Spielebenen simuliert, begegnen dem Tiger und Bär viele Tieren, die ihnen Lebensweisheiten mitgeben.
Die Schauspieler schlüpfen in mehrere Rollen
Hier schlüpfen Andreas Schlegel und Rouven Klischies mit wenigen Handgriffen in immer neue Rollen, die sie, zur hellen Freude der Kinder, drollig überspielen. Ob das Sensibelchen von Maulwurf von Andreas Schlegel oder das hysterische Huhn von Rouven Klischies: Diese Figuren wird Kind nicht so schnell vergessen. Auch zu Reichtum werden sie kommen, doch der Reichtum währt kurz. Ein Steuereintreiber des Königs verlangt nach einem Tribut, und - jetzt zur Freude der älteren Besucher - noch einem. Und noch einem. Der Rest, den nimmt ein märchenhaft hinterhältiger Räuber. Und dann sind Bär und Tiger wieder da, wo sie einst waren. Arm aber glücklich? Eben nicht, mit dem Geld und mit dem späteren Verlust des Geldes, kommen Streit, Missgunst, Eifersucht. Aber auch das wird Janosch, der alte Humanist, weise zu regeln wissen.
Weitere Aufführungen: www.theater-heilbronn.de
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