Brackenheim
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Warum sich die Erstattung von Ticketkosten in die Länge ziehen kann

Veranstalter und Ticketportale sind derzeit mit der Absage oder Verlegung von vielen Events beschäftigt. Der Fall einer in Brackenheim geplanten Veranstaltung zeigt, dass schon ein vergessener Mausklick diesen komplexen Prozess ins Stocken bringen kann.

Christoph Feil
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Warum sich die Erstattung von Ticketkosten in die Länge ziehen kann

Zahlreiche Kulturevents waren und sind von der Corona-Krise betroffen. Veranstalter und Ticketportale müssen Absagen und Verschiebungen abwickeln. Nicht immer läuft dabei alles problemlos ab, allein durch einen vergessenen Mausklick kann der komplexe Prozess ins Stocken geraten, wie der Fall bei einer Veranstaltung in Brackenheim zeigt.

Die Brackenheimerin Bettina Katzenberger hatte nach eigenen Angaben vor dem vergangenen Weihnachtsfest online über das Ticketportal Reservix für insgesamt rund 60 Euro zwei Karten für eine Kabarettveranstaltung im Rahmen der Reihe Kultur in der Heuss-Stadt gekauft. Ursprünglicher Termin wäre Anfang April gewesen. Der Auftritt wurde erst auf Mitte Juli verlegt, um im Juni erneut verschoben zu werden - auf Ende April nächsten Jahres. Bis gestern Mittag jedoch konnte man über Reservix noch Karten für Mitte Juli kaufen.

"Die Stadt Brackenheim versichert Ihnen, dass Ihnen bei der eventuellen Rückgabe Ihrer Tickets unabhängig von etwaigen gesetzlichen Fristen die Kosten Ihrer Tickets in vollem Umfang erstattet werden", teilt die Stadt auf ihrer Homepage mit. Allerdings müssen die Tickets dort zurückgegeben werden, wo sie gekauft wurden.

Ob sie die Veranstaltung im April 2021 besuchen kann, weiß Bettina Katzenberger heute noch nicht, sagt sie. Darum möchte sie die Tickets zurückgeben und das Geld zurückerstattet bekommen. Sie erklärt, dass sie sich diesbezüglich über ein Kontaktformular an Reservix gewandt habe. Infolgedessen hat sie eine Standardantwort erhalten, die der Redaktion vorliegt. In dieser versichert Reservix, "unter Hochdruck" an einer Lösung zu arbeiten, doch zuerst müssten mit dem Veranstalter die Art und Weise der Rückabwicklung geklärt und von diesem die ausgezahlten Gelder an Reservix zurückerstattet werden.

Ticketportal braucht einen offiziellen Auftrag zur Verschiebung

Man arbeite am Limit dessen, was man von der Kapazität her leisten könne, erklärt Sebastian Conrad, Pressesprecher von Reservix. "Wir erleben gerade Weihnachten mal fünf", sagt er und bittet um Verständnis, dass "die Dinge" momentan deutlich länger dauerten. Seinen Angaben zufolge bietet Reservix jährlich Tickets für rund 180 000 Veranstaltungen an. Seit März seien 20 000 bis 30 000 Veranstaltungen von der Pandemie betroffen. Mit Blick auf die nächsten Monate sagt Conrad: "Wir wissen, dass sich die Zahl noch erhöht."

Oft hätten Kartenbesitzer zwar bereits Informationen über abgesagte oder verschobene Veranstaltungen. Aber: "Solange wir den offiziellen Auftrag dafür nicht vorliegen haben, können wir den Termin nicht willkürlich ändern", erklärt Conrad.

Stadt räumt Versäumnis ein

Genau das war offenbar das Problem. "Da ist mir ein Fehler passiert", sagt Steffen Heinrich, Leiter der Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Kultur in Brackenheim. Er habe die Änderung Ende Juni an Reservix durchgegeben und daraufhin eine Standardmail erhalten mit einem Link, auf den er hätte klicken müssen, um den Prozess abzuschließen. "Das ist mir erst jetzt aufgefallen", räumt er gestern ein.

"Wir setzen auf eine kundenfreundliche Lösung", betont Heinrich. Demnach erstatte die Stadt denjenigen, die ihr Ticket zurückgeben möchten, den vollen Betrag. "Und man kann das Ticket bis einen Tag vor der Veranstaltung zurückgeben."

Nachdem Reservix die schriftliche Bestätigung der Verschiebung erhalten hat, werden die Ticketkäufer nun schnellstmöglich über die Verschiebung informiert, lässt das Ticketportal anschließend wissen.

Verbraucherzentrale gibt Tipps zur Gutschein-Lösung

Seit dem 20. Mai haben Kulturveranstalter die Möglichkeit, Inhabern einer Eintrittskarte aufgrund von coronabedingten Absagen statt der Erstattung des Eintrittspreises einen Gutschein in Höhe des Eintrittspreises auszustellen. Voraussetzung ist, dass die Tickets vor dem 8. März gekauft wurden. "Der Gutschein gilt bis 31. Dezember 2021, wird er bis dahin nicht eingelöst, muss der Anbieter das Geld zurückzahlen", erklärt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Dabei müsse es sich um einen Wertgutschein handeln, der alle Gebühren - also auch Vorverkaufs- und Versandgebühren - abdecke und nicht an Bedingungen geknüpft sei, also etwa nur für den Auftritt eines bestimmten Künstlers gelte, so der Verbraucherrechts-Experte weiter. Ihm zufolge sollte der Gutschein innerhalb von 14 Tagen ausgestellt werden. Auf eine Verschiebung der Veranstaltung müssen sich Ticketbesitzer nicht einlassen. "Das kann ich annehmen, muss es aber nicht", sagt Buttler, der im Erstzugriffsrecht auf Veranstaltungen auch einen Vorteil sieht. "Wacken beispielsweise ist ja immer schnell ausverkauft."

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