Heilbronn
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Festival "Tanz! Heilbronn" mit internationalen Produktionen und deutschen Erstaufführungen

Vom 17. bis 22. Mai gibt es internationale Positionen des zeitgenössischen Tanzes in allen Spielstätten des Heilbronner Theaters zu sehen. Festivalkuratorin Canan Erek aus Berlin erklärt die Besonderheiten des Programms.

Claudia Ihlefeld
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Lesezeit 3 Min
Festival "Tanz! Heilbronn" mit internationalen Produktionen und deutschen Erstaufführungen
Mit der Produktion "Le chant des ruines" von Michèle Noiret aus Belgien beginnt kommenden Dienstag das Festival "Tanz! Heilbronn" im Großen Haus des Heilbronner Theaters. Foto: Sergine Laloux  Foto: Sergine Laloux

Der zeitgenössische Tanz ist so speziell", sagt Canan Erek, "weil er ästhetisch nicht eindeutig einzuordnen ist." Die Tänzerin, Choreografin und Kuratorin aus Berlin konzipiert erstmals für das Heilbronner Theater das Festival "Tanz! Heilbronn".

Mit der deutschen Erstaufführung von "Le chant des ruines" startet das Festival kommenden Dienstag im Großen Haus, eine Produktion der Compagnie Michèle Noiret aus Belgien.

Workshops und ein Tanzstück für Klassenzimmer

Bis einschließlich Sonntag, 22. Mai, präsentiert "Tanz! Heilbronn" nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause sechs internationale Positionen des zeitgenössischen Tanzes in all seinen Spielstätten. Dazu Workshops im Salon 3 und im Probenzentrum in der Christophstraße für tanzbegeisterte Laien. Und erstmals ein Tanzstück für Klassenzimmer, also Schulen. Was der neuen Festival-Kuratorin Erek am Herzen liegt: "vermehrt ein junges Publikum ansprechen."

"Die ästhetische Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes ergibt sich auch aus der Kollaboration mit anderen Künsten", sagt Canan Erek, die den Begriff "Tanztheater" vermeidet und lieber von "Tanzproduktionen" spricht.

"Mich interessieren Produktionen, die Zeitgeistthemen verhandeln"

Das "verbindende Besondere" an den Stücken, die sie ausgewählt hat, ist die tänzerische Virtuosität - jenseits rein abstrakter Ästhetiken. "Das Tänzerische steht im Vordergrund, vor dem Theatralischen." Was nicht heißt, dass die gut vernetzte Kuratorin keinen Wert auf Inhalt legt. Im Gegenteil: "Mich interessieren Produktionen, die Zeitgeistthemen verhandeln." Wie das Auftaktstück "Le chant des ruines", das sie vor drei Jahren in Brüssel gesehen hat und damals schon unbedingt nach Deutschland holen wollte. "Ich freue mich sehr, es jetzt in Heilbronn zu zeigen."

Was die gefragte Choreographin Michèle Noiret in diesem Gesang der Ruinen, so die wortwörtliche Übersetzung, verhandelt? Eine aus den Fugen geratene Welt und unseren Versuch, uns damit zu arrangieren: eine Anleitung zum Überleben durch Tanz.

Tanz als Form des Widerstands

Das Stück, entstanden 2019, nimmt auf beklemmende Weise vorweg, was wir derzeit erleben. Noiret verbindet Tanz, Theater, Kino und versteht die Schönheit des tänzerischen Ausdrucks als eine Form des Widerstands. "Das ist nicht nur düster", sagt Erek, "sondern ziemlich lebendig."

Bereits jetzt ist Canan Erek, die viel reist und schaut, was im Tanz passiert, dabei, das Festival 2023 zu organisieren. Stichwort Disposition, sprich Terminkalender der Compagnien: Nach der Pandemie ist es nicht einfacher, interessante Truppen zu buchen. Auftritte der internationalen Tanzszene werden nachgeholt, Neuproduktionen stehen an. Und alle wollen dabei sein.

Ein schöner Zufall

Dass es ihr gelungen ist, die angesagte spanische Company La Veronal für Heilbronn zu buchen, macht Erek besonders glücklich. Auch wenn es ein schöner Zufall ist, dass es den Spaniern im Mai in den Tourneekalender passt. "Manchmal ist es so banal", die Programmplanung aber immer ein spannendes Puzzle.

Emotional berühren, aber auch intellektuell ansprechen - das möchte "Tanz! Heilbronn" in diesem Frühjahr mit folgenden Stücken: Auf die Eröffnung mit Noirets Compagnie folgt am 18. Mai das Solo "Cosmic A*" des kanadisch-libanesischen Choreographen Charlie Prince. Prince begibt sich auf die Suche einer arabischen Identität jenseits von äußeren Zuschreibungen. Die Livemusik dazu liefert der Perkussionist Joss Turnbull.

Balanceakt zwischen Albernheit und Ernst

"Balancing Bodies" mit der niederländischen Compagnie Woest laden die Zuschauer zum Austausch in ihr theatralisches Universum ein: ein Balanceakt zwischen Körper und Objekt, Albernheit und Ernst, zwischen Spiel und Organisation: am 19., 20. und 21. Mai in der Boxx.

In "Set of Sets" hinterfragen die "Faust"-Preisträger Guy Nader und Maria Campos mit ihrer Compagnie und dem Musiker Miguel Marín die Dimension von Zeit sowie tradierte Wahrnehmungsmuster. Die surrealen Bilder(-Welten) Luis Buñuels haben Marcos Morau, den Regisseur, Choreographen, Bühnendesigner, Ausstatter und künstlerischen Leiter von La Veronal, zu dem symbolgesättigten Abend "Sonoma" inspiriert: am 21. Mai im Großen Haus.

Was es bedeutet, älter zu werden

Mit Panama Pictures aus den Niederlanden und ihrer Produktion "Vanishing Point" endet das Festival am 22. Mai im Komödienhaus. Dabei erkunden Tänzer und Akrobaten im Alter von Anfang 30 bis Ende 60, was es bedeutet, älter zu werden.

Karten für "Tanz! Heilbronn" unter Telefon 07131 563001 oder 563050, als Mail an kasse@theater-hn.de sowie unter www.theater-heilbronn.de. Beim Kauf des Festivalpakets mit sechs Vorstellungen gibt es 20 Prozent Rabatt gegenüber dem Einzelverkauf. Wie in den vergangenen Jahren ist "Tanz! Heilbronn" auch eine Aufforderung im Wortsinn: Der Workshop "Tanzen im besten Alter" ist ausgebucht, Plätze gibt es noch für den Hip-Hop-Workshop mit Zenny Flex für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren am 21. und 22. Mai.

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