Heilbronn
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Elias Perrig inszeniert Shakespeares "Romeo und Julia" am Heilbronner Theater

Ab Samstag ist eine der wohl bekanntesten Liebesgeschichten im Großen Haus des Theaters Heilbronn zu sehen. Elias Perrig interpretiert Shakespeares Stück modern. Warum seine Inszenierung in einem Schwimmbad spielt, verrät der Regisseur im Gespräch.

Ranjo Döring
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Lesezeit 3 Min
Elias Perrig inszeniert Shakespeares "Romeo und Julia" am Heilbronner Theater
"Romeo und Julia sind zwei junge Menschen, die sich ungestüm und selbstvergessen in eine Liebe stürzen, ohne viel Erfahrung zu haben", sagt Elias Perrig, der zum zweiten Mal am Theater Heilbronn inszeniert. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

William Shakespeares "Romeo und Julia" ist die Liebesgeschichte schlechthin. Das wohl berühmteste Werk des englischen Dramatikers ist fester Bestandteil der Popkultur, wurde tausendfach auf den Bühnen dieser Welt gespielt, besungen, getanzt und mehr als ein halbes Dutzend mal verfilmt. Was ist da noch das Besondere, das Reizvolle an diesem Stück aus dem ausklingenden 16. Jahrhundert, das doch jeder bereits kennt?

"Es hat viel, das komplett zeitlos ist. Es trifft ein Adoleszenzgefühl. Die Liebe der beiden Protagonisten bewegt sich immer am Rande des Todes", sagt Regisseur Elias Perrig, der "Romeo und Julia" jetzt in Heilbronn auf die Bühne bringt. Premiere ist am Samstag um 19.30 Uhr im Großen Haus. "Ich kenne kein anderes Stück, in dem so oft eine Todessehnsucht zu spüren ist", sagt der Schweizer, der zum zweiten Mal in Heilbronn inszeniert. "Der Tod ist immer anwesend, schwingt immer mit. Wenn das Paar über seine Liebe spricht, dann spricht es auch immer über das Sterben."

Warum das Stück in einem verlassenen Schwimmbad spielt

Dieses berühmte Paar, es scheitert an der Engstirnigkeit und am Unverstand seiner Umwelt. Romeo und Julia kommen aus zwei italienischen Familien, die in ständiger Fehde liegen: den Capulets und den Montagues. Trotz der schwelenden Konflikte verlieben sich beide unsterblich ineinander. Klar, dass sie diese Liebe ihren Eltern nicht offenbaren können. Heimlich heiraten die beiden, in der Hoffnung, den Familienstreit zu beseitigen. Doch stattdessen bahnt sich die Tragödie an.

Elias Perrig hat sich bei seiner Inszenierung für die Shakespeare-Übersetzung von Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher Thomas Brasch entschieden. Warum? "Seine Sprache hat eine solche Wucht und Gewalt. Er findet eine gute Waage für die unterschiedlichen Klimata des Stücks - zwischen hochpoetisch und dieser derben Brachialität", sagt Perrig, der das Drama im Großen Haus in einer zeitlich nicht definierten Zukunft verortet und die Handlung in einem verlassenen Schwimmbad spielen lässt. Inspiriert dazu wurde er, als er am Theater in Kiew arbeitete. Genauer gesagt, bei einer Reise in die Geisterstadt Pripyat, die nach dem Atomunglück im Kernkraftwerk in Tschernobyl 1986 schlagartig geräumt werden musste.

Den Schweizer Regisseur fasziniert die ständige Gefährdung

"Das ist solch ein Ort, an dem man sich gut vorstellen kann, dass dort mal das blühende Leben herrschte, und dann durch ein Ereignis das System drumherum zusammengebrochen ist." Auch bei den Kostümen hat sich Perrig gegen die klassische Variante entschieden, "wir versuchen stattdessen einen Haute-Couture-Chic zu imitieren, der mit Halbzerstörung arbeitet". So beschreibt es der Regisseur, der im Gespräch immer wieder auf die Faszination für den Tod zurückkommt. "Das ist zutiefst menschlich", sagt der 57-Jährige. "Das Lebensgefühl der ständigen Gefährdung macht auch die Sprengkraft des Stücks aus. Es geht mir um das Gefühl der Unsicherheit", sagt Perrig, der dann auch den Bogen zum Heute spannt: "Wir leben in einer Zeit, in der sehr viele Konflikte aufbrechen."

Besetzt wurden die beiden Hauptrollen mit Luca Rosendahl und Leonie Berner, zwei Neuzugängen im Ensemble des Heilbronner Theaters. "Romeo und Julia sind zwei junge Menschen, die sich ungestüm und selbstvergessen in eine Liebe stürzen, ohne viel Erfahrung zu haben", sagt Perrig, den es, wie er sagt, verblüfft hat, "wie authentisch und heutig" diese beiden Figuren sind. "Sie schenken sich nichts, gehen aber auch ehrlich miteinander um. Da schwingt viel mit, was junge Menschen immer noch beschäftigt", sagt Perrig, der diese Figuren dabei aus den Geschlechterklischees der damaligen Zeit holen möchte. Seine Julia ist eine moderne, starke Frau und eben nicht, wie im Original, nur "ein Mädchen, das alles richtig machen will".


Romeo und Julia

Schauspiel von William Shakespeare

Deutsch von Thomas Brasch

Premiere: Samstag, 19.30 Uhr, Großes Haus, Theater Heilbronn.

Regie: Elias Perrig

Mit Luca Rosendahl, Leonie Berner, Sabine Unger, Nils Brück, Judith Lilly Raab, Regina Speiseder, Romy Klötzel u.a..


Zur Person

Elias Perrig wurde am am 11. Juni 1965 in Hamburg geboren. Er studierte Molekularbiologie in Basel, ehe er sich für eine Theaterlaufbahn entschied. Er arbeitete unter anderem am Theater Lübeck, Staatstheater Kassel, Schauspiel Hannover, Schauspielhaus Zürich, am Theater Neumarkt und am Theater in Kiew. Von 1999 bis 2005 war er fester Regisseur am Staatstheater Stuttgart, 2006 übernahm er die Direktion für Schauspiel am Theater Basel. "Romeo und Julia" ist Perrigs zweite Inszenierung in Heilbronn nach "Schwarze Schwäne", das Gewinnerstück des ersten Autorenwettbewerbs "Science & Theatre". Perrig lebt in Berlin.

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