Jagsthausen
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Die Rückkehr des Märchenprinzen Dan Glazer nach Jagsthausen

In Jagsthausen hat er seine Frau kennengelernt. Warum der Schauspieler Dan Glazer den Sommer bei den Burgfestspielen genießt und die reduzierte aktuelle Fassung des "Götz" so schätzt.

Claudia Ihlefeld
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Lesezeit 3 Min
Die Rückkehr des Märchenprinzen Dan Glazer nach Jagsthausen
Abkühlung an der Jagst, um einen kühlen Kopf zu bewahren bei den Burgfestspielen Jagsthausen: der Schauspieler Dan Glazer nimmt den Sommer mit.  Foto: Seidel, Ralf

Eine Szene wie aus einer Seifenoper. Dan Glazer reitet im Märchenstück als Prinz auf das Rotkäppchen zu. Und verliebt sich in Schauspielkollegin Julia Baukus.

2013 war das im Sommer bei Glazers "erster Runde" in Jagsthausen. Gerade hatte er sein Studium an der Otto-Falckenberg-Schule in München beendet und war über den damaligen Intendanten der Burgfestspiele, Heinz Kreidl, zu den Freilichtspielen gekommen.

Das Rotkäppchen von einst

Neun Jahre, zahlreiche Engagements an verschiedenen Theatern sowie einige Fernsehproduktionen später ist Dan Glazer wieder in Jagsthausen und wohnt dort - wie praktisch - bei den Schwiegereltern. Während seine Frau, das Rotkäppchen von einst und Jagsthausenerin, die Saison am Theater Würzburg beendet, wo sie fest engagiert ist.

 

Dan Glazer, man hört es kaum, ist gebürtiger Wiener. "Zum Wiener gehört ein zweiter Wiener", erklärt er, warum er keinen Dialekt spricht. Zumal er seit 2009 in Deutschland lebt. Höchstens eine Formulierung wie "das geht sich aus" - was soviel bedeutet wie, dazu reicht die Zeit oder der Platz - verrät den Österreicher. Oder die charmante Art, wie er ein Wort betont, etwa Café. Nämlich auf der zweiten Silbe.

Treffpunkt Dorfladen auf dem Weg zur Jagst

Beim Dorfladen am Ortseingang von Jagsthausen - einem "Vorzeigedorfladen", wie auch Dan Glazer weiß - trifft man eigentlich immer jemanden aus dem Ensemble, erzählt er. Ob auf dem Weg zur Jagst, beim Einkaufen oder eben "auf einen Café". Woher sein Name rührt? Hat er amerikanische Wurzeln? Nein, jüdische, der Dan ist hebräischen Ursprungs. Glazer geht auf den polnischen Großvater zurück.

Aufgewachsen in Baden bei Wien, kommt Dan Glazer über das dortige English Theatre als Jugendlicher zum Schauspiel, spielt neben der Schule immer wieder Theater - und Handball. Und entscheidet sich nach der Matura - österreichisch für Abitur - und dem anschließenden Zivildienst in einem Flüchtlingslager für den Schauspielberuf.

Der kleine Vampir ist zeitgemäß

Im Moment arbeitet Dan Glazer freiberuflich - das erlaubt ihm, sich um den eineinhalb Jahre alten Sohn zu kümmern, neben Stückengagements, die er annimmt, oder gelegentlichen TV-Drehs. Ein klassischer Fall von "es geht sich aus". Bei den Burgfestspielen ist er nun der kleine Vampir im gleichnamigen Stück.

Regisseurin Laura Remmler - ebenso Jagsthausenerin "aus vollem Herzen", wie Glazer ergänzt - hat es zu einer zeitgemäßen Fassung umgearbeitet, in Absprache mit der Autorin Angela Sommer-Bodenburg. Ausführungen wie, dass Mädchen "knackig" sind, "das geht und möchte man heute nicht", sagt Dan Glazer.

 

Wie mit dem Traditionsstück umgehen?

Großen Spaß macht dem Monty-Python-Fan seine Rolle als Sir Lancelot in "Spamalot", "für mich das erste Musical, das ich spiele", sagt Dan Glazer. "Was ich genieße, ist die Präzision des Textes. Gut geschrieben und einfach komisch." Bei "Spamalot"-Regisseurin Eva Hosemann fühlt er sich "gut aufgehoben", wie auch bei "Götz"-Regisseur Wolfram Apprich. In Goethes Sturm-und-Drang-Klassiker ist Glazer Franz von Sickingen. Die Frage, wie mit dem Traditionsstück umgehen, beschäftig auch ihn.

Dass Apprich kein, wie Glazer es nennt, "Bohei" um den Stoff macht mit Fechtkämpfen und Mummenschanz, erlebt er als "angenehm in der Reduktion". "Unsere Aufgabe als Schauspieler ist es, das Publikum durch den Text zu tragen." Mit dem sogenannten "Urgötz", der ersten, rauen Fassung, die der junge Goethe in kurzer Zeit 1771 runtergeschrieben hat, ist das gut machbar.

Der "Götz" soll zum Experimentierfeld werden

Zwar lässt sich über jede Tradition streiten, gerade deshalb wünschte sich Dan Glazer, "mehr Widersprüche zuzulassen". Auf dass der "Götz" in Jagsthausen "zum Experimentierfeld wird". "Bei dem Stoff ist es wichtig, mutig zu sein." Man könne doch heute nun wirklich nicht mehr von Theater erwarten, auf der Bühne zu zeigen, wie ein Götz von Berlichingen vermeintlich gelebt hat. Zumindest ist das nicht die Vorstellung von Theater, die Dan Glazer vertritt.


Zur Person

1990 in Wien geboren, studiert Dan Glazer nach Abitur und Zivildienst an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Erste Engagements in Zürich, bei den Burgfestspielen Jagsthausen, an der Münchner Schauburg, wo eine erste eigene Regiearbeit entsteht. Glazer wird Ensemblemitglied am Theater Ulm, es folgen Gast-Engagements am Landestheater Vorarlberg, an der Bayerischen Staatsoper, den Münchner Kammerspielen und am Volkstheater Rostock. Bis 2020 ist Glazer Ensemblemitglied am Theater Konstanz, seither freischaffender Schauspieler. Dan Glazer ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Würzburg.

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