Heilbronn
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Die Opernband The Cast gastiert im Komödienhaus Heilbronn

Das internationale Musik-Ensemble will die Opernwelt einem breiteren und jüngeren Publikum zugänglich machen. Wie das geht? "Ohne Grenzen", sagt die Opernband The Cast. Am Montagabend erleben die Besucher im Komödienhaus deshalb einige Überraschungen.

Ranjo Döring
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Lesezeit 2 Min
Die Opernband The Cast gastiert im Komödienhaus Heilbronn
Humor, Slapstick und Pathos: Die fünf klassisch ausgebildeten Sänger und Sängerinnen der selbsternannten Opernband The Cast im Komödienhaus. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

In großen Opern- und Theaterhäusern gelten ungeschriebene Gesetze. Zu lautes Husten oder zu geräuschvolles Blättern im Programmheft? Stört die anderen Besucher und sorgt für böse Blicke. An Fotografieren, Applaudieren oder geschweige denn Mitsingen ist gar nicht zu denken. Alles anders ist es bei einer Show der Opernband The Cast, die explizit darauf hinweist, diese strengen Sitten doch bitte außer Kraft zu setzen. Am Montagabend ist das internationale Musik-Ensemble zu Gast im Komödienhaus des Heilbronner Theaters.

Die fünf klassisch ausgebildeten Sänger und Sängerinnen - sie kommen unter anderem aus den Niederlanden, Russland und den USA - zelebrieren den Auftritt ohne formellen Rahmen, und haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Opernwelt einem breiteren und jüngerem Publikum näher zu bringen. "Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt." Angelehnt an das berühmte Zitat von Regisseur Ingmar Bergman, hat das Ensemble den Programmtitel "No Limits" ausgewählt. Grenzen jedweder Art soll es also nicht geben.

Ungewöhnliche Arrangements und Körpereinsatz

Und tatsächlich ist das Repertoire der Multikulti-Truppe breitgefächert, reicht vom russischen Wiegenlied bis zu Henry Purcells "When I Am Laid In Earth" aus der Oper "Dido and Aeneas" oder Johann Strauss" gut gelauntes "Im Feuerstrom der Reben" aus "Die Fledermaus". Schon im nächsten Moment biegt der zweistündige Abend dann in Richtung Cabaret ab, und Mezzosopranistin Anne Byrne wandelt in "Ich bin ein Vamp" auf lasziven Spuren von Ute Lemper.

Stimmgewaltig bis in die höchsten Töne überrascht das Quintett mit neuen, ungewöhnlichen Arrangements - und mit Körpereinsatz. Sopranistin Alexandra Zarubina singt bei einem fiktiven Casting nicht nur gegen das Desinteresse einer Jury an, sondern bleibt gesanglich auch im Spagat und im Handstand kopfüber nuancenreich und präzise.

Wenn eine Opernarie auf Queen trifft

Humor, Slapstick und ein wenig Pathos - The Cast wollen das Publikum nie in Sicherheit wiegen. Und so kann es sein, dass eine Arie kurz vor Ende in Queens "We Will Rock You" abgleitet und das Publikum in den prägnanten Stampf-Rhythmus einsteigt. Apropos Queen. Eine eigens für das Ensemble konzipierte Version von "Don't Stop Me Now" wandelt sich im 30-Sekunden-Takt und gibt dem Rocksong im Stile von Chopin, Mozart, Puccini oder Bach immer wieder einen neuen Anstrich.

Zum Gelingen des Abends trägt vor allem Pianist Yu Chen bei, der vom Ensemble liebevoll der "Wiener aus China" genannt wird. Und zwei Mal als Solist im Mittelpunkt steht: mit der "Tik-Tak-Polka" von Strauss und Wang Jianzhongs "Silver Clouds Chasing The Moon".

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