Heilbronn
Lesezeichen setzen Merken

Das Heilbronner Sinfonie Orchester wechselt seine Führung aus

Es ist das Ende einer Ära: Harald Friese und Anne Weidler ziehen sich zurück, Lothar Heinle und Andrea Keppler übernehmen. Welche Ziele hat sich das neue Spitzenduo des Heilbronner Sinfonie Orchesters gesteckt?

Christoph Feil
  |  
Das Heilbronner Sinfonie Orchester wechselt seine Führung aus
"Harald Friese hat eine Ära geprägt", so Hans A. Hey (l.) über den scheidenden Vorsitzenden (r.). Nun übernehmen Andrea Keppler und Lothar Heinle (Mitte). Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Stabwechsel an der Spitze des Heilbronner Sinfonie Orchesters (HSO): Lothar Heinle übernimmt den Vorsitz sowie die Geschäftsführung der Traditionsinstitution. Dass eine Person beide Funktionen auf sich vereint, ist zugleich ein Novum in der Geschichte des Klangkörpers. Stellvertreterin wird Andrea Keppler. Gestern wurden die beiden Neuen vom scheidenden Vorsitzenden Harald Friese sowie dem Ehrenvorsitzenden Hans A. Hey vorgestellt.

"Mein Hauptinteresse galt zuerst der Geschäftsstelle", erklärt Lothar Heinle, "die Sache war aber nur im Doppelpack zu bekommen." Der Weg des gebürtigen Heilbronners und studierten Musikwissenschaftlers zum HSO führte zuerst über Rezensionen und dann Moderationen von Konzerten, schließlich übernahm er bis kurz vor der Pandemie die Einführung in die Abende.

Lothar Heinle will das Programm des HSO modernen und zeitgenössischer gestalten

Sich selbst bezeichnet der selbstbewusste Komponist und Sänger, der seit mehr als zehn Jahren die Konzertreihe "Perspektiven Heilbronn" leitet, als Pragmatiker und "Verfechter einer konstruktiven Realpolitik". "Ich bin kein Freund davon, große Pläne und Visionen zu verkünden." Angesichts des Strukturwandels, der bei einer einst stolzen Zahl von 1350 Abonnenten vor Corona für das HSO kein drängendes Thema war, nun allerdings schon, formuliert Lothar Heinle dennoch ein paar Ziele.

So müsse das Publikum erst wieder zurückgewonnen werden. Und: "Wir müssen auf lange Sicht ein bisschen moderner und zeitgenössischer werden", sagt der neue Leiter des HSO, der künftig verstärkt auch ein jüngeres Publikum sowie Menschen, die sich nicht unbedingt über ein Abo binden wollen, ansprechen möchte. Wobei Lothar Heinle damit vor allem junge Berufstätige meint. Auch die Tradition und Geschichte des Orchesters gelte es, im Blick zu behalten.

Mehr zum Thema

Streichquintette von Mozart, Bruckner und Zemlinsky
Heilbronn
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Streichquintette von Mozart, Bruckner und Zemlinsky

Das Bartholdy-Quintett präsentiert beim Kulturring in der Harmonie Heilbronn kammermusikalische Preziosen.

Als möglicherweise zugkräftige Namen auf dem Programmzettel bringt Lothar Heinle den türkischen Komponisten und Pianisten Fazil Say, den deutschen Komponisten Enjott Schneider, aber auch Klassiker wie Mussorgsky, Schumann und Brahms ins Gespräch. Konstanten für das Stammpublikum müssten erhalten bleiben. "Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Populärem, den Ausgrabungen und dem schweren Sinfonischen."

Andreas Keppler: "Wir sehen uns als Organ des Orchesters"

Die ausgebildete Organistin Andrea Keppler, die als stellvertretende Vorsitzende auf den lediglich für eine Periode zur Verfügung stehenden Rolf Peter nachfolgt, beschreibt die Rolle der neuen HSO-Spitze wie folgt: "Wir sehen uns als Organ für das Orchester, die Musiker sollen so oft und so gut wie möglich spielen können." Sie freue sich darauf, diese Aufgabe zu leben und die bestehenden Kontakte des HSO zu verbessern, merkt die Immobilienmaklerin und Geschäftsführerin des philharmonischen Chors Heilbronn, die mit Hans A. Hey und Lothar Heinle schon länger bekannt ist, zudem an.

"Es war Zeit", kommentiert Harald Friese seinen Rückzug. 16 Jahre lang hatte der ehemalige Heilbronner Bürgermeister das Amt inne. Als Ehrenvorsitzender bleibt er dem HSO aber auch in Zukunft erhalten. Es sei ein Kennzeichen des Orchesters, dass Personalfragen schon seit Jahren geräuschlos und einvernehmlich über die Bühne gingen. "Diesen kompletten Wechsel jetzt so hinbekommen zu haben, dass eine gute Lösung dabei herausgekommen ist, darauf können wir stolz sein", sagt Harald Friese, der gleichzeitig die fabelhafte Zusammenarbeit mit Anne Weidler lobte, die die HSO-Geschäftsführung 2012 übernommen hatte und nun zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Für Harald Friese und Anne Weidler gibt es viel Lob

"Harald Friese hat eine Ära geprägt und diese Ära war hervorragend", lobt Hans A. Hey, "das war die friedlichste Zeit, die es je beim Heilbronner Sinfonie Orchester gegeben hat." Der alte Ehrenvorsitzende würdigt den neuen Ehrenvorsitzenden als politisch gut vernetzten "Meister der ruhigen Hand" mit modernen Führungsqualitäten. Dass das Orchester zuletzt 60 Prozent seines Etats selbst eingespielt habe und seit 15 Jahren über eine Stammbesetzung verfüge, zählt Hey zu Frieses Verdiensten. "Seine Fußstapfen sind groß."

Hintergrund: Nächste Saison

Allzu tief in die Karten schauen lassen wollte sich die neue HSO-Spitze bezüglich der nächsten Saison zwar nicht, denn das kommende Programm soll erst im Juli vorgestellt werden. Anstatt wie zuletzt zwei Konzerte an einem Sonntag soll es aber wieder ein einziges geben. Bereits jetzt schon angekündigt sind der international bekannten Pianist Gerhard Oppitz mit Werken von Brahms, ein Opernabend und ein Weihnachtskonzert.

Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
Kommentare werden geladen
  Nach oben