Heilbronn
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Comedian Paul Panzer: "Eine Midlife Crisis bietet Potenzial für Humor"

Was kann man aus einer Midlife Crisis Positives mitnehmen? Darum geht es im neuen Bühnenprogramm von Paul Panzer. Wir haben uns mit dem Comedian vor seinem Auftritt am 18. Juni in der Heilbronner Harmonie auch über das Älterwerden unterhalten.

Ranjo Döring
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Lesezeit 4 Min
Comedian Paul Panzer: "Eine Midlife Crisis bietet Potenzial für Humor"
"Wenn ich von der Bühne gehe, muss ich mich wie jeder andere Mensch auch an moralische, ethische und gesellschaftliche Grundwerte halten", sagt Comedian Paul Panzer, der am 18. Juni für einen Auftritt nach Heilbronn kommt. Foto: Tim Wegner  Foto: Panzer

Mit wem spreche ich denn gerade eigentlich? Mit Dieter Tappert oder der Bühnenfigur Paul Panzer?

Paul Panzer: Mit Paul. Der Dieter, das ist doch ein langweiliger Typ. Der hängt nur auf dem Sofa rum.

Okay, dann Herr Panzer. Sie sind im Januar 50 Jahre alt geworden, und Ihr neues Programm heißt "Midlife Crisis ... willkommen auf der dunklen Seite". Wie schlimm ist es?

Panzer: Vor Corona hatte ich das Gefühl, dass die Midlife Crisis langsam im Anflug ist. Dann kam die Pandemie, und ich stecke inzwischen mittendrin. Es äußert sich nur durch ungute Dinge, durch körperlichen Verfall und mentale Zusammenbrüche. Man hat zum Beispiel das Gefühl, dass man in der Familie nicht mehr gebraucht wird. Die Kinder sind inzwischen groß. Du bist nicht auf dem Abstellgleis, du liegst eher daneben. Das bietet aber viel Potenzial für Humor, auch wenn es voll auf meine Kosten geht.

Wie problematisch ist für Sie generell das Älterwerden?

Panzer: Es stört mich und ist ein schleichender Prozess. Frauen sind da schlauer als Männer, sie tun schon länger etwas gegen den Verfall. Jetzt machen wir Männer es aber auch. Ich renne inzwischen zu Drogerien und hole mir Haaransatzbooster. Obwohl es eigentlich schon zu spät ist, weil meine Haare ausfallen oder auf dem Rücken weiterwachsen. Man muss das Beste daraus machen. Ich weiß nur noch nicht, was das Beste ist.

Sie haben vor Ihrer Bühnen-Karriere den Beruf des Schweißers gelernt. Können Sie davon heute als Comedian noch etwas gebrauchen?

Panzer: Sehr viel, zum Beispiel die Geduld und die Bodenständigkeit. Ich stehe mittlerweile 20 Jahre auf der Bühne, und diese Werte haben mich davor bewahrt, irgendwelche Starallüren zu bekommen. Ich komme ja auch aus einer Handwerkerfamilie, mein Vater ist Schmied. Wenn ich dem sagen würde, dass ich ein Star bin, würde er antworten: Klar, bring mal den Müll runter.

Sie haben dann Musik und Medienpädagogik studiert. Nach dem letzten Platz beim Eurovision Song Contest: Haben Sie einen Tipp, wie Deutschland besser abschneiden kann?

Panzer: Schwierig. Ich glaube, es ist grundsätzlich ein Problem, dass wir Deutschen Dinge zu sehr emotional aufladen, bevor es überhaupt losgeht. Da wird wochenlang drüber gesprochen, überlegt und abgewogen. Das sieht man zum Beispiel auch beim Fußball. Ich würde mir manchmal ein wenig mehr Mut zum Scheitern wünschen. Dass man die Dinge um ihrer selbst Willen macht und nicht, um Erster zu werden. Loslassen, würde der Philosoph sagen, dann klappt es vielleicht.

Typisch für die Figur Paul Panzer ist der markante Sprachfehler, bei dem S und Z ein wenig durcheinander geraten. Ist das Handicap echt?

Panzer: Ich hatte den Sprachfehler kurioserweise als Kind. Logopäden gab es damals noch nicht wirklich. Man hat beim Hausarzt einen Korken in den Mund bekommen und musste etwas vorlesen. Er ist mir über die Zeit abtrainiert worden. Ich fand es dann aber gut, dieser Figur, die in der Öffentlichkeit steht, eine offensichtliche Schwäche mit an die Hand zu geben. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern soll zeigen, dass ein Handicap einen nicht daran hindert, alles zu schaffen, was man sich vornimmt.

Zu einem anderen Thema: Ihr Comedy-Kollege Faisal Kawusi hat vor kurzem auf Instagram mit einem misslungenen Witz über KO-Tropfen einen heftigen Shitstorm ausgelöst. Können Sie die Empörung verstehen, oder darf ein Comedian das?

Panzer: Die Diskussion war und ist auf jeden Fall berechtigt. Es ist immer die Frage, in welchem Rahmen und Kontext das Gesagte auftaucht. Als ich angefangen habe, auf der Bühne zu stehen, gab es nicht viele Leute, die Comedy gemacht haben. Und es gab keine sozialen Medien. Wenn früher etwas in einem Raum gesagt wurde, dann blieb es auch in diesem Raum. Sagt man heute etwas, wird es veröffentlicht, und es fallen - im Positiven und Negativen - Millionen Menschen darüber her. Das finde ich sehr schwierig.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Grenzen von Humor?

Panzer: Ich bin der Meinung, dass Humor vieles und mehr als alles andere darf. Man muss die Dinge, die man sagt, aber im richtigen Licht stehen lassen. Um auf den Fall zurückzukommen: Faisal Kawusi ist jemand, der polarisiert. Man weiß bei ihm nie, ob er etwas sagt, um einen Effekt zu erzeugen, oder ob ihm der Gag inhaltlich so wichtig ist, dass er dafür einen Kampf in Kauf nimmt.

Wie ist es denn bei Ihnen? Wo hört die Bühnenfigur auf, und wo fängt der Privatmensch Dieter Tappert an?

Panzer: Wenn ich von der Bühne trete, bin ich nicht mehr Paul Panzer. Das beschränkt die Figur auf der einen Seite. Ich würde den Paul gerne auch manchmal ein wenig wie den Dieter sein lassen. Auf der anderen Seite würde das die Figur auch behindern, weil sich die Menschen ja genau mit dieser Persönlichkeitsstruktur angefreundet haben und darüber lachen können. Ich bin privat eher ein zurückgezogener und schüchterner Mensch. Fakt ist: Wenn ich von der Bühne gehe, muss ich mich wie jeder andere Mensch auch an moralische, ethische und gesellschaftliche Grundwerte halten. Und das will ich auch.


Zur Person und Tickets für Auftritt in Heilbronn

Paul Panzer, bürgerlich Dieter Tappert, wurde am 8. Januar 1972 in Düren geboren. Einem größeren Publikum wurde Tappert durch seine weit über 800 aufgezeichneten Scherzanrufe bei Radiosendern bekannt. Seit 2005 tritt Tappert als Stand-up-Comedian Paul Panzer in ganz Deutschland auf und ist regelmäßig in verschiedenen TV-Formaten zu sehen. Am Samstag, 18. Juni, 20 Uhr, kommt er in die Harmonie nach Heilbronn. Karten ab 37 Euro gibt es in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme.

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