Jagsthausen
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Auch in ihrem dritten Leben ist Bernadette Hug Schauspielerin geworden

Für Bernadette Hug ist es die erste Saison bei den Burgfestspielen in Jagsthausen. Dabei schlüpft die Schauspielerin gleich in mehrere unterschiedliche Rollen. Auf die Bühne fand die Wahl-Stuttgarterin allerdings erst über einen Umweg.

Christoph Feil
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Lesezeit 3 Min
Auch in ihrem dritten Leben ist Bernadette Hug Schauspielerin geworden
"Ich hatte schon immer den Drang, auf die Bühne zu gehen": Bernadette Hug freut sich über ihre erste Saison in Jagsthausen. Foto: Seidel  Foto: Seidel, Ralf

"Bernadette, Du warst in mindestens einem früheren Leben schon Schauspielerin, vielleicht sogar in zwei", hat ein Lehrer auf der Schauspielschule einmal zu ihr gesagt. Ein Spruch, dem Bernadette Hug gerne Glauben schenkt. "Ich hatte schon immer den Drang, auf die Bühne zu gehen", erzählt die 36-Jährige. Sei es als kleines Mädchen im Krippenspiel oder später während ihrer Ausbildung zur Handelsfachwirtin bei einer Firmenfeier, die sie verkleidet als Showmaster-Legende Rudi Carrell moderierte.

Für die Schauspielerin aus Stuttgart ist es nun die erste Saison bei den Burgfestspielen, gleich in drei Rollen schlüpft sie diesen Sommer in Jagsthausen: Zu sehen ist sie als toughe Trainerin Rebecca in "Ladies Night", als gar nicht so fromme Marie, der Schwester des Titelhelden im "Götz von Berlichingen", und als exaltierte, untote Tante Dorothee in "Der kleine Vampir".

Konflikte? Bitte nur auf der Bühne

"Es ist ein riesen Geschenk, dass ich so unterschiedliche Figuren spielen darf", schwärmt Bernadette Hug, die zugleich verrät, vor jeder Aufführung einen Blick in den Text zu werfen. Nicht, weil sie befürchtet, die Rollen durcheinanderzubringen, sondern aus Angst davor, dass sie einen Hänger haben könnte. Komödie, Tragödie, Kinderstück: Bernadette Hug möchte sich nicht festlegen, in welchem Genre sie sich am wohlsten fühlt, vielmehr findet sie die Kombination toll. "Mir liegt das Komödiantische, und Kollegen sagen auch, ich sei eine Ulknudel." Das "Drama, Drama, Drama" beim "Götz" liebt die Schauspielerin aber ebenso. Apropos Drama: Das lebt bekanntlich vom Konflikt. Gleichwohl sagt Bernadette Hug über sich selbst, dass sie generell gar nicht auf Konfrontationen aus und eher ein harmoniesüchtiger Mensch sei. "Ich versuche es zu vermeiden, dass es eskaliert. Ich bin eher der Wogenglätter, als dass ich reinpansche."

Für die Rolle der Trainerin Rebecca, die mit Zuckerbrot und Peitsche aus einem Haufen arbeitsloser, verzweifelter Männer ein Team angesagter Stripper formt, habe sie Regisseur Stephan Bruckmeier ermuntern müssen: "Du musst strenger sein! Du musst ihnen weh tun!" Beibehalten darf Bernadette Hug in "Ladies Night" dagegen Schwäbisch, ihren Heimatdialekt. Denn diesen spricht man noch im bayerischen Illertissen, wo sie geboren ist und unweit davon in Herrenstetten aufwächst. Etwa 30 Kilometer entfernt liegt Ulm.

In den USA hoffte Bernadette Hug auf Erleuchtung

Mode oder Schauspielerei? Nach dem Abitur ist die junge Frau zunächst unentschlossen, welchen Weg sie einschlagen soll. Also geht sie als Au-pair nach New Jersey in die USA. "Ich dachte, dass ich da vielleicht eine Erleuchtung habe." "Zu unkreativ" ist ihr dann aber die Ausbildung zur Handelsfachwirtin in der Modebranche, für die sie sich entscheidet. "Wenn ich es jetzt nicht mache, werde ich es irgendwann bereuen", denkt sich Bernadette Hug und spricht im dritten Ausbildungsjahr an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm vor. Dass sie älter als andere Mitschüler ist, sieht sie heute als Vorteil. Das Studium habe sie dadurch "anders wertgeschätzt": "Ich wusste, ich will das zu 150 Prozent machen." In ihrer Familie fällt sie mit dieser Berufswahl zwar aus der Reihe - die Eltern und drei Geschwister arbeiten als Industriemechaniker, Ingenieur, Erzieherin, Chemielaborant und in einer Apotheke. Aber: "Der Support ist da."

Mehr als eineinhalb Jahre ist die Schauspielerin nach dem Studium fest am Theater "Die Färbe" in Singen engagiert. Dann kommt ein Angebot aus Stuttgart für ein Stück. Bernadette Hug wagt den Sprung in die Freiberuflichkeit. "Ich habe gepokert und habe gewonnen", sagt die 36-Jährige, die auch im Theater der Altstadt, beim Theatersommer Ludwigsburg und in Melchingen auf der Schwäbischen Alb zu sehen ist. Je nach ÖPNV-Verbindung muss ihr ihr Freund dafür sein Auto leihen, denn ein eigenes besitzt die Wahl-Stuttgarterin nicht, wie sie erklärt.

Handlettering ist das neueste Hobby der Schauspielerin

Dass sie neben der Schauspielerei noch modelt, moderiert und als Synchronsprecherin arbeitet, ist für Bernadette Hug einerseits "Backup", gibt ihr also Sicherheit. Andererseits schätzt sie daran die Vielfalt. Und wenn sie nicht auf der Bühne steht? "Essen und schlafen sind meine Hobbys", sagt der selbsterklärte Filmfan und lacht. Fürs Nähen findet Bernadette Hug hingegen kaum noch Zeit, dafür hat sie vor der Pandemie Handlettering für sich entdeckt. Nicht ohne Stolz zeigt sie beim Pressegespräch in Jagsthausen Fotos von Kärtchen und Türschildern in Schönschrift, die sie liebevoll gefertigt hat.


Zur Person

Bernadette Hug wird 1986 im bayerischen Illertissen geboren und wächst unweit davon in Herrenstetten auf. Nach dem Abitur und einem Au-pair-Aufenthalt in den USA absolviert sie zunächst eine Ausbildung als Handelsfachwirtin in der Modebranche, beginnt dann aber ein Schauspielstudium an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm, das sie 2014 abschließt. Heute arbeitet Bernadette Hug als freiberufliche Schauspielerin, Model, Moderatorin sowie Synchronsprecherin und lebt in Stuttgart.

 

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