Heilbronn
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Achterbahnloops und SOS-Pillen: Elisabeth Kamps und Annika Winkelmann stellen auf der Inselspitze Heilbronn aus

Zwei unterschiedliche künstlerische Positionen: Elisabeth Kamps präsentiert skulpturale und raumgreifende Installationen, Annika Winkelmann jongliert in ihrer Konzeptkunst mit Bedeutungsebenen und mit dem, was sie beim Betrachter auslösen.

Claudia Ihlefeld
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Lesezeit 2 Min
Achterbahnloops und SOS-Pillen: Elisabeth Kamps und Annika Winkelmann stellen auf der Inselspitze Heilbronn aus
Raumgreifend-poetische Transformation von Elisabeth Kamps: "Located place", Zeltstange, Zeltstoffe, Kreidezeichnung. Fotos: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Unterwegs sein und dabei Räume erschließen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk von Elisabeth Kamps. Kein Wunder, haben es Zeltstangen der Künstlerin aus Sinsheim angetan. Kamps umnäht sie mit Zeltstoff und sucht Plätze, "die es lohnt, auszuweisen".

Ihre "located places" genannten skulpturalen Arbeiten finden sich in der freien Natur. Oder auf der Inselspitze Heilbronn in der ehemaligen Galerie Manfred Rieker, wo sie gemeinsam mit Künstlerkollegin Annika Winkelmann ausstellt. Zwei unterschiedliche Positionen, die Spannung aus ihrer Differenz erzeugen.

Hirngespinste an der Wand

1970 in Karlsruhe geboren, hat Elisabeth Kamps Kunst an der Ecole Régionale Supérieure in Clermont-Ferrand studiert. Neben mit Stoff umnähten Zeltstangen schafft sie Gehäuse aus Blättern und Gras, arrangiert Wanderstäbe, platziert "Hirngespinste" aus Weide und Fäden an die Wand. Und schafft biomorphe Gebilde, die an das Werk des Brasilianers Ernesto Neto erinnern.

Über wenige Stufen hinauf gelangt man in den hinteren Teil des Schauraums unter der Friedrich-Ebert-Brücke. Auf einer Länge von gut 14 Metern winden sich ummantelte Zeltstangen wie Achterbahnloops en miniature in Kamps jüngstem "located place"-Environment und werfen Schattenringe an die Wand. Hinter der Glasfront findet die Arbeit ihre Fortsetzung.

Achterbahnloops und SOS-Pillen: Elisabeth Kamps und Annika Winkelmann stellen auf der Inselspitze Heilbronn aus
Konzeptkunst von Annika Winkelmann: "Defense" und "Schwarzer Gürtel".  Foto: Veigel, Andreas

Eine flüchtige Erfahrung

Eine geschwungene Zeltstange reicht aus der Außenwand in die Tiefen des Neckars und taucht am Ufer gegenüber wieder auf. "In meinen Arbeiten wird der Moment, eine flüchtige Erfahrung, eine spezifische Atmosphäre gelebten Alltags festgehalten und durch eine poetische Transformation sichtbar gemacht." Auch Annika Winkelmann schafft Installationen im Raum und Objekte. Nur auf den ersten Blick scheinen ihre Wahrnehmungs-Transformationen konkreter.

Winkelmann, 1983 in Heilbronn geboren, Akademiestudium in Stuttgart, jongliert in ihren konzeptuellen Arbeiten mit Bedeutungsebenen. An einem Silberkettchen hängt eine SOS-Kapsel, gefüllt mit Amphetamin - so suggeriert es die Materialbeschreibung. "Panzerschokolade" nennt Winkelmann ihre Erste-Hilfe-Pille - und spielt auf das Mittel zur Angstbekämpfung bei Soldaten im Zweiten Weltkrieg an.

Oder einfach nur ein männliches Modeaccessoire?

"Defense" nennt sie den Teppich aus benutzten Kampfsportgürteln unterschiedlicher Farben. Sinnlich-poetisch liegt er 2,5 Meter auf 2,5 Meter auf dem Boden, wie ein Webstuhl. An der Wand dahinter zeigt ein Fotodruck einen in sich geschlungenen, schwarzen Karategürtel und ein weiterer Fotodruck daneben einen schlichten Gürtel, der je nach Assoziation an Züchtigung denken lässt. Oder einfach nur an ein männliches Modeaccessoire.

Aus dem wirklichen Leben

"Scan me" fordert der QR-Code am Boden neben dem lilafarbenen Laufstall mit Kuscheltieren auf. Wer kein Handy griffbereit hat oder schlicht den QR-Code nicht öffnen mag, macht sich eigene Gedanken über die Installation "IRL" ("In Real Life"), in der Winkelmann mit Versatzstücken aus dem wirklichen Leben hantiert: im Vergleich zu den virtuellen Aktivitäten im Internet.


Ausstellungsdauer: Inselspitze Heilbronn, bis 19. Juni, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

 
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