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Wie man Bäumen den richtigen Schnitt verpasst

Der Obst- und Gartenbauverein Grombach bietet seit vielen Jahren Kurse mit Fachleuten für Mitglieder und Nicht-Mitglieder an. Am Donnerstag lauschten fast 20 Leute dem Fachmann, Obstbaumeister Peter Burger aus Dossenheim. Er zeigte, wo man die Schere jetzt ansetzt.

Ulrike Plapp-Schirmer
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Wie man Bäumen den richtigen Schnitt verpasst
Der Obst- und Gartenbauverein Grombach hatte zum Sommerschnittkurs eingeladen. Referent war Peter Burger aus Heidelberg. Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Im Grunde ist es wie Haareschneiden: Man muss wissen, wie es am Ende aussehen soll. Und man muss beherzt zur Tat schreiten.

Das jedenfalls ist die Empfehlung von Obstbaumeister Peter Burger vom Julius-Kühn-Institut in Dossenheim beim Sommerschnittkurs des Obst- und Gartenbauvereins Grombach. Der hatte rund 20 Gäste mit eigenem Garten und vielen Fragen zu einem kleinen Lehrgang eingeladen. Burger zeigte nicht nur an verschiedenen Bäumen, wie man die Schere richtig ansetzt. Er führte auch in die Werkzeugkunde ein.

Die richtige Jahreszeit für den Baumschnitt

Zwischen Ende Juli und Ende August erhalten Obstbäume ihren Sommerschnitt. Der ideale Zeitpunkt ist, wenn die Kurztriebe abgeschlossen sind, lehrt Peter Burger. Zu erkennen ist das an der Endknospe, die sich irgendwann bildet.

 

Hat es 35 Grad im Schatten, stresst das auch Pflanzen: Der Fachmann rät dann zur Geduld. Wer ein paar Tage warten kann, verhindert, dass die Pflanzen Sonnenbrand bekommen.

Hoppla, zwei, drei Äpfel und ein paar Quitten müssen bei Peter Burger dran glauben. Doch das kommt den anderen Früchten zugute, versichert er. Ein guter Schnitt "wirkt der Stippigkeit, also dem Kalziummangel der Früchte entgegen".

Die Blütenbildung für das kommende Jahr werde außerdem günstig beeinflusst, "da die gesamte Krone belichtet wird". Und schließlich tut der Gärtner seinem Baum etwas Gutes, indem er für eine gute Belüftung sorgt. Blätter und Früchte trocknen nach Niederschlägen schneller ab, Pilzbefall wird gehemmt.

Zaghaft ist der Obstbaumeister nicht

Wie man Bäumen den richtigen Schnitt verpasst
Sobald sich Endknospen bilden, ist es Zeit für einen Sommerschnitt.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Schaut man Peter Burger beim Schneiden zu, kann man schon auch nervös werden. Nein, zaghaft ist der Mann nicht. Er geht um den Baum herum, schaut nach den drei unteren Leitästen, entfernt, was zu diesen in Konkurrenz steht, entdeckt die senkrechten Wassertrieben - und schafft so schnell ein verändertes Erscheinungsbild.

"Mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl" geht er vor. Und das bekommt man, wenn man sich vom Profi anleiten lässt - und übt. "Für Kinder machen wir relativ viel", sagt Ulrike Schilling, Schriftführerin des OGV. Mit den jungen Mitgliedern treffe man sich einmal im Monat, sammle Kräuter oder suche gemeinsam nach Insekten.

Mit den Schnittkursen wende man sich dagegen an die Erwachsenen. Nach zwei Jahren Pandemie läuft es auch hier wieder richtig gut an. Habe man die Kurse sonst immer samstags angeboten, sagt der zweite Vorsitzende, Artur Heintzmann, versuche man es erstmals an einem Wochentag. Und die Nachfrage ist gut. Peter Burgers Lehrgang geht länger als geplant, keine Frage lässt er unbeantwortet. Er ist engagiert und leidenschaftlich bei der Sache. Auch nach vielen Berufsjahren.

 

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"Unser Ziel ist es, mit den Kursen neue Mitglieder zu gewinnen", sagt der OGV-Vorsitzende Stefan Besser. Doch geht es dem Verein vor allem um die Pflege von wertvollen Streuobstwiesen. So werden in Grombach auch Winterschnittkurse angeboten.

Wer im Sommer zu vorsichtig ist, kann im Winter, wenn das Laub weg ist, manches korrigieren. Allerdings, auch das zeigt der Obstbaumeister, ist das Schneiden im Sommer, wenn die Äste noch voller Saft sind, leichter. Seine scharfe Schere geht durch einen starken Trieb durch als wäre der aus Butter.

 
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