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So will der Verein "Anpfiff ins Leben" Amputierten-Fußball bekannter machen

Turnier im Amputierten-Fußball mit internationalen Gästen in Sinsheim zeigt: Der Sportart fehlt es in Deutschland noch an professionellen Strukturen.

Von Nicole Theuer
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Lesezeit  2 Min
Wie Amputierten-Fußball besser Tritt fassen soll
Die vier Mannschaften, die am ersten Rhein-Neckar-Cup für amputierte Fußballer teilnahmen, machten Werbung für die noch relativ unbekannte Sportart. Foto: Theuer  Foto: Theuer, Franz

Mit einem internationalen Turnier im Sinsheimer Helmut-Gmelin-Stadion hat der Verein Anpfiff ins Leben Hoffenheim das Projekt gestartet, den Amputierten-Fußball aus seinem Schattendasein zu holen. "Wir möchten mehr Fans erreichen und den Sport bekannter machen", erklärte Elisabeth Claas, Koordinatorin Bewegungsförderung für Amputierte beim Verein.

In Sinsheim herrschte am Samstagvormittag bestes Fußballwetter, als Anpfiff Hoffenheim und die Friends of Ajax Amsterdam das Spielfeld betraten. Sie machten den Auftakt zum ersten Rhein-Neckar-Cup im Amputierten-Fußball, einem zweitägigen Turnier, das vor allem Bundesligamannschaften der Sportart zur Vorbereitung auf die Saison diente.

Trotz Krücken wieselflink

Von Anfang an schenkten sich die beiden Teams nichts und machten mit ihrer offensiven Spielweise Werbung für die Sportart. Alle Feldspieler sind beinamputiert und nutzen Krücken zur Fortbewegung, trotzdem bewegten sie sich wieselflink rauf und runter, dribbelten, passten und schossen. Bemerkenswert war auch die Fairness: Fouls gab es so gut wie keine - und wenn doch, übten sich die Spieler nicht in Schauspielerei, sondern standen auf und spielten weiter. Schiedsrichterentscheidungen wurden ohne Diskussionen akzeptiert.

"Uns ging es bei diesem Turnier darum, internationale Gäste einzuladen, die unsere beiden deutschen Teams - neben Anpfiff Hoffenheim ist auch die SG Nord-Ost dabei - fordern. Die beiden Deutschen Teams sollen sehen, wo sie vor Beginn der Bundesligasaison stehen", erzählte Elisabeth Claas, Neben den Gästen aus den Niederlanden hatte auch die Mannschaft von Amp Voetbal Vlaanderen aus Belgien ihr Kommen zugesagt.

Erstes Ziel: eine Bundesliga

Champions-League-Teams waren nicht dabei. In der höchsten europäischen Liga finden sich Mannschaften aus Polen, Spanien und der Türkei, weiß Elisabeth Claas. "In jedem dieser Länder gibt es zwei, drei Ligen für amputierte Fußballer, davon sind wir hier in Deutschland noch weit entfernt." Ein erstes Ziel, so Elisabeth Claas, "wäre es, eine Bundesliga zu installieren und damit international anerkannte Strukturen zu schaffen". Gelänge dies, könnte der Meister in die Europa-League eingeladen werden. "Wir gehen Schritt für Schritt", machte Claas deutlich. Die Hoffenheimer möchten gerne einen Bundesligaspieltag ausrichten. "So hätten wir die Möglichkeit, mehr Fans zu erreichen, denn leider sind sie noch nicht so zahlreich."

Niederländer gewinnen

Diejenigen, die am Wochenende da waren, waren begeistert - und das, obwohl auf dem Rasen absolute Amateure stehen. Die Spieler nehmen teilweise lange Anreisen zum Training auf sich, außerdem müssen sie sich zuhause selbst fit halten. Anpfiff Hoffenheim nutzte den Tag auch, um potenzielle, neue Spieler anzusprechen. "Nicht jeder traut sich Amputierten-Fußball zu", sagte Elisabeth Claas.

Am Ende wurde es spannend: Die Gäste aus den Niederlanden gewannen aufgrund des besseren Torverhältnisses vor Hoffenheim. Die beiden Deutschen Mannschaften sehen sich schon in rund drei Wochen wieder, wenn am letzten Juni-Wochenende in Berlin der erste und zweite Spieltag der Amputierten-Bundesliga auf dem Plan stehen.

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